Besser zu Fuß als mit Elterntaxi Wersener Schüler sind aufgeweckte „Verkehrszähmer“

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„Augen schaut genau“: Die „Verkehszähmer“ der 2a üben immer wieder, was die Schüler als sichere Fußgänger beachten müssen. Foto: Ursula Holtgrewe„Augen schaut genau“: Die „Verkehszähmer“ der 2a üben immer wieder, was die Schüler als sichere Fußgänger beachten müssen. Foto: Ursula Holtgrewe

Lotte. „Verkehrszähmer“ heißt das aktuelle Projekt an der Grundschule im Lotter Ortsteil Wersen. Zwei der Ziele: Kinder sollen wieder mehr zu Fuß zur Schule gehen und Elterntaxis weitestgehend verbannt werden. Beim Elternabend am Freitag um 17 Uhr gibt es dazu weitere Informationen.

Die Projektinhalte werden von den Lehrern dabei spielerisch verpackt. So werden die Autos zu Drachen, die die Kinder durch eigenes umweltfreundliches Verhalten zähmen sollen.

Hintergrund des Projekts: In einer Weiterbildung zur Verkehrserziehung lernte Klassenlehrerin Melanie Friedrich das „Verkehrszähmer“-Programm kennen (mehr unter www.verkehrszaehmer.de ). „Die Situation morgens vor unserer Schule war teils sehr chaotisch, weil die Busse zeitgleich mit den Elterntaxis eintrafen. Es war für alle immer unübersichtlich und die Eltern leider nicht einsichtig. Wir Lehrer haben die Eltern verschiedentlich gebeten, die Kinder bei der Turnhalle rauszulassen, damit sie den Rest des Weges zu Fuß gehen. Das hat leider nicht geklappt“, berichtet Friedrich. (Weiterlesen: Elterntaxis sorgen für Streit an Osnabrücker Schulen)

„Zu Fuß gehen ist gesünder“

„Ja, die Autos halten auf der Busspur. Und wenn es unübersichtlich ist, dann ist das gefährlich für uns Kinder , denn wenn Autos losfahren, sehen sie uns nicht immer“, sagt Schülerin Pia. „Außerdem wollen wir nicht, dass uns Autos zur Schule bringen, denn zu Fuß gehen ist gesünder“, ergänzt Klassenkameradin Laura.

„Wenn man zu Fuß geht, kann man in der Natur etwas entdecken. Der Klang der Natur ist schöner als Musik im Auto“, bekräftigt Kai. „Und die Autos verschmutzen die Luft mit ihren Abgasen“, beschreibt Laura einen weiteren Grund für den Schulweg in frischer Luft. (Weiterlesen: Pause fürs Elterntaxi – Experten warnen vor Autos an Schulen)

Der Elternbrief, den die Familien vor den Herbstferien erhielten, hat bereits verkehrszähmende Früchte getragen. „Es ist toll, wie die Familien das Projekt unterstützen. Sie haben sich schon in den Ferien Gedanken gemacht“, freut sich Lehrerin Friedrich.

In der Gruppe gehen statt fahren

Tim hat einen fast zwei Kilometer langen Schulweg und muss ein in dieser Jahreszeit dunkles Wegstück zu Fuß gehen. „Meine Mama bringt mich zur Ecke, von da gehe ich zu Fuß mit Freunden. Das ist schöner als mit dem Auto zu fahren. Wir können miteinander reden, bevor wir in der Schule sind“, berichtet Tim über die ersten Tage nach den Herbstferien. „Es ist bereits anders geworden in der Schule, weil die Kinder vorm Unterricht nicht mehr so viel mitzuteilen haben“, resümiert Melanie Friedrich bereits nach wenigen Tagen.

Kreative Lösungen gesucht

Auch Halener Familien, deren Kinder mit dem Schulbus nach Wersen fahren, sind bereits kreativ aktiv geworden. Kurze Wege zum Schulbus geht der Nachwuchs zu Fuß. „Ich habe einen gefährlichen Weg. Aber nun bringt mich meine Mama zu Fuß zur Haltestelle. Unterwegs treffen wir dann andere Kinder und die Mama meines Freundes und gehen zusammen zum Bus“, berichtet Lukas.

Eltern unterstützen das Projekt

Die Mamas und Papas finden das Konzept auf Nachfrage unserer Redaktion richtig toll. So auch die Mama von Emilia, die sich nun die Autofahrt zur Haltestelle spart und zu Fuß unterwegs ist.

Zum Projekt gehört übrigens auch, dass die Klassen trainieren, was jedes Kind als Fußgänger unbedingt beachten muss. Warnwesten, die sie zur Einschulung erhalten haben, tragen sie nun auf dem Schulweg. „Da steht Verkehrsdetektive drauf“, sagt Rosa.

Jaron-Luca erklärt: „Erst müssen wir gucken, bevor wir über die Straße gehen. Dazu sagen wir ,Fuß bleib stehen‘ und stampfen drei Mal. Dann sagen wir ,Augen schaut genau‘. „Wir schauen erst nach links, dann nach rechts, dann wieder nach links“, sagt Laura. Tim: „Erst müssen wir nach links gucken, weil auf der Spur die Autos dichter an uns dran sind.“

Kinder lernen Eigenverantwortung

Nicht nur die Kinder profitieren letztlich vom Verkehrsprojekt, auch die Eltern können sich sicher sein, dass ihr Nachwuchs schrittweise Verantwortung für sich selbst übernimmt und so selbstständiger wird. Gleichzeitig werden neue Entdeckungen und kleine Erlebnisse Teil des sicheren Schulwegs.

Weiterlesen: Wo Eltern Verkehrsregeln egal sind

Fehlt nur noch der Faktor Belohnung – und hier kommen die eingangs erwähnten Zaubersterne zur Geltung: Geschichten über den Schulweg sind je ein Zauberstern wert, gleichfalls der Weg zur Schule selber oder zum Schulbus, sowie das Tragen der Weste. Rosa hat schon ausgerechnet, dass die 18 Kinder der Klasse 2a 250 Zaubersterne auf einer Karte ausfüllen sollen. Wenn das geschehen ist, dann, so lautet der Klassenbeschluss, wird die 2a eine doppelte Pause mit Lehrerin Melanie Friedrich auf dem Schulhof verbringen – zum Spielen, Toben und Quatschen. Ein durchaus angemessener Lohn für erfolgreiche „Verkehrszähmer“.


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