Mammutprojekt vor der Haustür Umbau Lotter Kreuz: NRW stellt Planung vor


Lotte. Von 2016 an startet direkt vor der Haustür der Bürger von Alt-Lotte ein Mammutbauprojekt, das insgesamt wohl fünf Jahre dauern und grob geschätzt wohl rund 40 Millionen Euro kosten wird: der Umbau des Autobahnkreuzes Lotte/Osnabrück. Wie die vorläufige Planung dafür aussieht, erläuterten bei der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung im Lotter Rathaus jetzt Vertreter des Landesbetriebs Straßen.NRW, Regionalniederlassung Münsterland.

Der führt nämlich im Auftrag des Bundes Regie bei diesem Projekt, das aber nach Osten hin auch die Landesgrenze nach Niedersachsen überschreitet und die zur Gemeinde Hasbergen gehörende Siedlung Knochenort/Feldriede am Heidesee berührt. Vor nur gut einem Dutzend Bürgern, darunter die Vizebürgermeisterin Helga Strübbe, einige Ratsmitglieder, Landwirte und der Verbandsvorsteher des Unterhaltungsverbandes Goldbach, Hermann Pötter, stellten der stellvertretende Regionalleiter Manfred Ransmann, Jörg Achterkamp und Landespfleger Ralf Flüchter, unterstützt von Baureferendar Georg Wiebringhaus, das Projekt vor.

Ransmann unterstrich, dass dies die erste Veranstaltung zur frühen Bürgerbeteiligung weit vor dem Planfeststellungsverfahren sei. „Wir brauchen Ihre Anregungen und Hinweise“, betonte er. Diese würden nach Abwägung Eingang in die konkrete Entwurfsplanung finden, mit der dann ab 2017 erst das Planfeststellungsverfahren für den Löwenanteil der Baumaßnahmen eröffnet werde (siehe Info-Box).

Für Brücke schon Baurecht

Das Autobahnkreuz in Kleeblattform aus dem Jahr 1968 ist w ie berichtet schon der heutigen und erst recht der für 2025 prognostizierten Verkehrsbelastung nicht mehr gewachsen . Besonders dringlich, weil „marode“, sei der Abriss und Neubau der Brücke, die die A 30 über die A 1 führt. „Dieses Zentralbauwerk ist bereits planfestgestellt und wird vorgezogen“, berichtete Ransmann. Das neue Zentralbauwerk soll Ende 2018, wenn die offizielle Restnutzdauer endet, nämlich schon fertig sein.

Der Bund, so Ransmann, möchte den Umbau des Lotter Kreuzes am liebsten im Paket mit dem sechsspurigen A-1-Ausbau als ÖPP-Projekt (öffentlich-private Partnerschaft) umgesetzt sehen. Darüber ist aber das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Die technischen Details präsentierte und erläuterte Jörg Achterkamp. Da das Zentralbauwerk nicht mehr den statischen Anforderungen entspreche, genieße es Priorität und müsse losgelöst vom restlichen Umbau betrachtet werden. Ab 2016 werde zunächst auf der Nordseite der A-30-Überführung eine Behelfsbrücke errichtet. „Gott sei Dank haben wir hier ein zweiteiliges Zentralbauwerk“, so Achterkamp. Deshalb könne der Verkehr über die Hilfsbrücke und den Nordteil des Bauwerks geleitet werden, während der Südteil der Brücke abgerissen und neu gebaut wird. Danach folgen dann Abriss und Neubau des Nordteils.

Das neue Herzstück des Lotter Kreuzes wird künftig auf einer Gesamtbrückenbreite von 54,10 Meter in jede Richtung zwei 3,75 Meter breite Hauptfahrspuren mit Seitentrennstreifen, einem 3 Meter breiten Seitenstreifen sowie Verflechtungsspuren bekommen.

Nächster Schritt, für den aber erst nach Abschluss des Planfeststellungsverfahrens, also frühestens 2019, die baurechtlichen Voraussetzungen vorliegen, sind die Erneuerung der Rampen und Verteilerfahrbahnen und der Bau zusätzlicher Verflechtungsstreifen. Nicht nur auf der A1, die ja bereits jetzt von Münster-Nord bis über das Lotter Kreuz hinaus sechsspurig ausgebaut wird – derzeit werden ja die Talbrücken zwischen Lengerich und Lotte entsprechend verbreitert–, sondern auch auf der A 30 gebe es künftig zumindest den Platz für eine „Dreistreifigkeit je Richtung“.

Haupt-Lkw-Verkehr Richtung Osten

Die Hauptverkehrsbelastung durch Lkw auf der A 30 liegt laut Achterkamp übrigens in Richtung Osten; weitaus weniger strapaziert wird die Fahrbahn Richtung Westen.

Abgerissen und neu gebaut werden müssen ferner die insgesamt fünf Brückenbauwerke L589, L501, Gaster Landweg, Goldbach und Sundernstraße, „weil die vorhandenen Widerlager in der künftigen Fahrbahn sind“, so Achterkamp. Lärmschutzmaßnahmen wie die Aufbringung einer offenporigen Asphaltdecke („Flüsterasphalt“) sowie ein bis zu neun Meter höher Lärmschutzwall und eine bis zu acht Meter hohe Lärmschutzwand auf der Südseite der A30 im Bereich der Gaster Siedlung Knochenort, der Bau zweier Regenrückhaltebecken in der Südostschleife des Autobahnkreuzes und Begrünungs-, Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen komplettieren das Projekt.

Ralf Flüchter erläuterte die Umweltauswirkungen des Projekts. Diese Eingriffe müssten durch die Planung so gering wie möglich gehalten, in einem landschaftpflegerischen Begleitplan bilanziert und kompensiert werden. So gebe es hier an drei Stellen Fledermausvorkommen, die zu berücksichtigen sind. Insgesamt werden sich die Radien des Autobahnkreuzes um 40 Meter nach außen verlagern und die Tangentialrampen verlängern. Dafür werden jetzt versiegelte Flächen rückgebaut. Ohne Grunderwerb wird es also nicht gehen. Kompensationsflächen stünden aber auch nördlich von Halen (ehemaliger Truppenübungsplatz) und Hopsten-Dreierwalde (ehemaliger Flugplatz) zur Verfügung.

Angst vor Lärm und Verkehrschaos

Die Fragen aus dem Publikum bezogen sich vor allem auf den Lärmschutz und das befürchtete Verkehrschaos nicht nur in Lotte, sondern auch in Osnabrück und Umgebung während der Bauarbeiten: „Was ist, wenn sich Stauflüchter Schleichwege suchen?“ Auf den Verkehrsabfluss auf untergeordnete Straßen habe man keinen Einfluss, so die Vertreter des Landesbetriebs. Sie bestätigten auch kritische Anmerkungen zur Wirkungsdauer von Flüsterasphalt: Der müsse in der Tat im Schnitt nach etwa sechs Jahren erneuert werden. Hinweise auf die jetzt schon starke Lärmbelastung in der ehemaligen Nato-Siedlung würden im Planfeststellungsverfahren noch berücksichtigt.

Das Verfahren und der Zeitplan

Das Zentralbauwerk wird vom Rest des Projektes abgetrennt und bereits von 2016 bis 2018 erneuert.

Die jetzt im Rahmen der frühen Öffentlichkeitsbeteiligung vorgestellten Pläne für den Gesamtumbau sind erste Grobentwürfe. Sie werden innerhalb der nächsten zwei Wochen auf der Homepage des Landesbetriebs unter www.strassen,nrw.de/projekte/planfeststellung/index.hmtl eingestellt. Ende Oktober werden auch die Protokolle der Info-Veranstaltungen in Lotte und in Gaste veröffentlicht. Hinweise und Anregungen fließen in die weitere Planung ein. Ab 2017 läuft das formale Beteiligungsverfahren mit Anhörungen, öffentlicher Planauslegung, Abwägung und Einarbeitung von Anregungen und Bedenken sowohl der Bürger als auch der Träger öffentlicher Belange. Wenn alles glatt läuft, ist mit dem Planfeststellungsbeschluss etwa 2019 zu rechnen. Wie schnell dann Baubeginn ist, hängt davon ab, wann die Bundesmittel zur Verfügung stehen. Der Landesbetrieb handelt ja lediglich im Auftrag des Bundes. Die Bauzeit wird zwei bis drei Jahre betragen.


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