Kohlekonversion Konsens statt Kirchturmdenken in Ibbenbüren

Von Karin C. Punghorst

Der Nordschacht in Mettingen – auch hier ist 2018 Schluss. Bei der Nachnutzung des Geländes wie auch bei der Schaffung neuer Gewerbeflächen sollen und wollen alle Kohlekommunen des Tecklenburger Landes zusammenarbeiten. Foto: Frank KlausmeyerDer Nordschacht in Mettingen – auch hier ist 2018 Schluss. Bei der Nachnutzung des Geländes wie auch bei der Schaffung neuer Gewerbeflächen sollen und wollen alle Kohlekommunen des Tecklenburger Landes zusammenarbeiten. Foto: Frank Klausmeyer

Westerkappeln. Noch drei Jahre, dann ist die Zeche in Ibbenbüren zu. Schluss, Aus, Vorbei! Doch von wegen Untergang. Im Gegenteil: Aufbruchstimmung verbreitet Uwe Manteuffel. Der Geschäftsführer der Schnittstelle Kohlekonversion in Ibbenbüren war jetzt zu Gast beim Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsförderungsausschuss der Gemeinde Westerkappeln.

Souverän und eloquent gab der in seinem Hauptberuf für Ibbenbüren tätige Stadtplaner in einem knapp einstündigen Vortrag Auskunft über Aufgaben und Möglichkeiten der Schnittstelle Kohlekonversion.

Manteuffel klingt überzeugend, der Mann versteht es, Perspektiven auf den vorhandenen Rahmenbedingungen zu entwickeln. So eine Art Bodenständigkeit kommt an bei den Politikern in Westerkappeln.

Etwa beim Thema Arbeitsplätze, „die müssen wir natürlich schon eher schaffen als 2018“, so Manteuffel. Grundsätzlich steht die Region gut dar: Die Arbeitslosenquote liegt unter fünf Prozent. Davon können die Kohlekommunen im Ruhrgebiet nur träumen. Dort ist die Arbeitslosenquote zweistellig – der Strukturwandel gestaltet sich unlängst schwieriger.

Fazit, die hiesige Kohleregion ist gerüstet und verfügt über gute Voraussetzungen, den Ausstieg zu meistern, „wenn es gut läuft, sogar besser darzustehen als jetzt“, meint Manteuffel.

Das Thema Arbeitsplätze ist für den Referenten an die Frage nach Gewerbeflächen gekoppelt. Das sehen die hiesigen Kommunalpolitiker ebenso und nickten zustimmend. „Die Ausweisung der Gewerbegebiete ist nicht mit Kirchturmdenken zu lösen“, ist Manteuffel überzeugt und erntete wieder ein Nicken der Ausschussmitglieder.

Den Kommunen der Kohlenkonversion ist es gelungen, dass ihnen im Regionalplan eingeräumt wird, eine potenzielle Fläche von 75 Hektar zur gewerblichen Nutzung zu bekommen. Voraussetzung ist, dass der Bedarf nachgewiesen wird. „Das ist sehr exklusiv“, hob Manteuffel hervor.

Möglich geworden ist dieses Zugeständnis der Bezirksregierung nur durch den regionalen Konsens aller an der Kohlekonversion beteiligten Kommunen.

Dazu gehört Lotte zwar nicht. Bei der Suche nach den so genannten „weißen Flecken“, sprich potenziellen Möglichkeiten für die Ansiedlung von Gewerbe und Industrie, könne die Kommune jedoch durchaus eine Rolle spielen und mit ins Boot geholt werden. „Nichts unversucht lassen“, so lässt sich das Credo des Referenten zusammenfassen. Ein interkommunales Gewerbegebiet zwischen Westerkappeln und Lotte beschäftigt schon lange und immer wieder die politischen Gremien beider Kommunen.

In seinen Ausführungen betonte der Referent zudem den hohen Stellenwert von Identität- und Traditionswahrung. Die Region ist historisch mit dem Bergbau verbunden. Bürger und Kommunen definieren sich über den Kohlebergbau. Daraus erwachse eine kulturelle Verantwortung, Traditionen und Gebräuche zu bewahren.

Die Kohlekonversion geht in der Region damit einher, ein touristisches Gesamtkonzept zu entwickeln. „Wir können in einer Potenzialanalyse erste Ideen vorstellen, eine Konzeptentwicklung können wir aber nicht leisten“, stellte der Referent heraus. Mehr sei schon aufgrund der geringen Stellenausstattung der Schnittstelle nicht möglich.

In Westerkappeln kann der Morgensternschacht eine mögliches touristisches Ziel werden. Die Anlage steht zwar unter Denkmalschutz, „hat aber einen isolierten Standort“, gab Manteuffel zu bedenken. „Da müssen wir mal gucken, was sich dafür ergibt.“


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