Artgerecht und mundgerecht Nette Massentierhaltung beim Lotter Sportkameraden

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Lotte. Für kleine Schweinereien ist die Kampfsportgruppe 13 des TuS Lotte ja immer zu haben. Um aber endlich auch einmal seriös zu erscheinen, besuchte kürzlich die KSG13 eine große: den Neulandhof ihres Sportkameraden Martin Steinmann an der Ibbenbürener Straße, auf dem die sogenannte Massentierhaltung tiergerecht und umweltschonend stattfinden soll. Es war nicht zu viel versprochen worden.

Bevor es zu den Schweinen und Hühnern ging, erläuterte der Landwirtschaftsmeister und ordinierte evangelische Pastor seinen Gästen einige Eckpunkte der Hof- und der Landwirtschaftsgeschichte . Der Name Johann Wulff – ein Urahn der Familie des Altpräsidenten Christian Wulff – auf dem Spruchbalken am Hauptgebäude belege, dass an dieser Stelle seit rund 500 Jahren Landwirtschaft betrieben wird.

Während früher Ackerbau und Viehzucht nebeneinander stattfanden, habe spätestens die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft 1957 die Weichen auf Spezialisierung gestellt. Den zunehmenden Einfluss des Handels konnte oder wollte auch die europäische Agrarpolitik nicht stoppen. Und so führte die Spezialisierung in den 1970er, 1980er Jahren auch zur Massentierhaltung. Es hieß wachsen oder weichen. Steinmann: „Wir sind nicht in die Menge, sondern in die Qualität gewachsen.“ Konkret heißt das: weniger Tiere, mehr Platz, höhere Kosten, höhere Preise. Obwohl ein Markt für die teureren Produkte vorhanden sei, gehe diese Rechnung nicht von alleine auf.

Daher traten Steinmanns 1992 dem vier Jahre zuvor vom Deutschen Tierschutzbund, dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) gegründeten Verein Neuland bei. Er stellt für die Neulandhöfe die Vermarktung ihrer Produkte sicher.

Nicht verschweigen wollte Steinmann seinen Sportkameraden einen jüngeren verbandsinternen Skandal: Letztlich durch betrügerische Machenschaften eines Schwarzen Schafes unter den Hühnerhof-Betreibern von Neuland sei die Vermarktungsgesellschaft Neuland GmbH Bad Bevensen in Schieflage geraten und habe Mitte Juli Insolvenz beantragen müssen. Auswirkungen auf seinen Betrieb habe das aber bislang nicht.

Überrascht zeigten sich die Kampfsportler von der Fröhlichkeit der Jungschweine. Neugierig schnüffelnd näherten sie sich den Besuchern, um dann wie auf ein vereinbartes Zeichen quiekend davonzurennen – und das immer und immer wieder. Da entdeckte mancher Mann Ähnlichkeiten mit albernen Verhaltensweisen der eigenen Gruppe.

Auffällig zudem, dass die unkupierten Viecher die von Steinmann gegenüber den Mindestanforderungen zusätzlich gewährte Bodenfläche in den Schweinebuchten nur selten ausnutzen. Dicht drängten sie sich in der Regel zusammen und ließen es dabei lustig drunter und drüber gehen. Auf 350 Mastplätzen „produziert“ Steinmann jährlich gut 1000 Tiere. Gängig sind andernorts in herkömmlicher Haltung mehrere Tausend Mastplätze.

Geradezu idyllisch mutete das Gelände für die zweimal 750 Hühner an. Vor dem Stall findet das Federvieh einen riesigen Auslauf und für Regentage einen Wintergarten vor. Es wird gescharrt, geflattert und im Sand gebadet. Die Hähne, auf die jeweils 40 Hühner kommen, geben sich gelegentlich gegenseitig die Sporen – wie früher eben. All das besichtigte Kampfsportler Günter Fischer luftdicht verpackt in Schutzkleidung – als Amtsveterinär Pflicht.

Kein Geheimnis machen Steinmanns daraus, dass die Hühner nach 13, 14 Monaten des Eierlegens schließlich doch im Suppentopf enden; die Hähne, obwohl weit zäher, auch. Klagen durften nur jene Besucher, die keine Hühnersuppe mögen. Es war nichts dergleichen zu hören. Schon gar nicht, als später Uwe Däuper anhand des von ihm zubereiteten Spanferkels diskret, aber lecker andeutete, was die Jungschweine nach ihren vier Monaten auf Hof Steinmann erwartet.

Dem Genuss der Kampfsportler tat dies keinen Abbruch, denn sie sind bei aller Albernheit nicht naiv. Einige überlegten vielmehr, künftig hin und wieder ein Ferkel bei ihrem Martin zu kaufen – art- und mundgerecht. Seine Hühnereier beziehen sie längst im örtlichen Handel.


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