Ulla Tschauder 25 Jahre im Amt „Bansen“-Familie lebt Respekt und Rücksichtnahme

Von Ursula Holtgrewe

Das erste „Trivial-Pursuit“-Spiel gibt es im Alt-Lotter Jugendtreff „Bansen“ noch. Dort ist Ulla Tschauder für Kinder und Jugendliche auch Ansprechpartnerin für deren Sorgen. Foto: Ursula HoltgreweDas erste „Trivial-Pursuit“-Spiel gibt es im Alt-Lotter Jugendtreff „Bansen“ noch. Dort ist Ulla Tschauder für Kinder und Jugendliche auch Ansprechpartnerin für deren Sorgen. Foto: Ursula Holtgrewe

Lotte. Seit 25 Jahren, exakt seit dem 1. Juli 1990, ist Sozialpädagogin Ursula (Ulla) Tschauder verantwortlich für die Kinder- und Jugendarbeit im Alt-Lotter „Bansen“. Die Westerkappelnerin ist nicht nur für ein abwechslungsreiches Programm zuständig, sondern auch Ansprechpartnerin für kleine und große Kümmernisse. Die WT sprach mit der engagierten Jugendpflegerin über Vergangenheit, Veränderungen und Aktuelles ihrer Arbeit.

Gibt es noch Dinge, die bereits vor 25 Jahren im „Bansen“ vorhanden waren?

 Einiges ist noch da. Zum Beispiel beiden „Trivial-Pursuit“-Spiele und „Monopoly“. Aber damit spielt keiner mehr.

 

Wie sah die Jugendarbeit in Alt-Lotte vor einem viertel Jahrhundert aus?

Der Treff war im heutigen Büro. Sitzgarnitur, Tisch, Musikanlage und Kicker im Flur waren vorhanden. Ein Büro gab es nicht, weil es anfangs nicht erforderlich war. Das Telefon hing im Flur und war abgeschlossen. Vertelefonierte Einheiten musste ich aufschreiben (schmunzelt). Es war zwar alles beengt, aber ich war mir sicher: Hier kann ich etwas bewegen. Die Raumsituation hat sich bald entspannt. Wir konnten den heutigen Bastelraum dazu nehmen. Dort haben Jugendliche mitgeholfen beim Bau einer mobilen Theke. Der Kickertisch und Sofas standen dann auch dort. Seit Langem nutzen wir für unsere Arbeit den Saal und das ausgebaute Dachgeschoss. Aus meiner Lengericher Zeit kannte ich die Kindernachmittage und habe es damit in Alt-Lotte versucht. Die Resonanz war beeindruckend. Auch bei den Mädchentagen – bis heute.

 

Viele Besucher erfordern personalintensives Arbeiten. Wie läuft das?

Meine 20 Stunden pro Monat sind schnell auf 40 aufgestockt worden. Einige Jahre lang gab es sogar zwei volle Stellen. Heute teilen sich Bianca Feist und ich eine. Die FSJler sind unverzichtbare Helfer. Manchmal ist es nicht einfach, gut besuchte Nachmittage und Projekte zu betreuen. Aber es hat immer funktioniert.

Gibt es Angebote, die über 25 Jahre hinweg quasi jung geblieben sind?

Klar. Zum Beispiel die Kinderfreizeit. Die habe ich im Jahr 1992 erstmals angeboten. Bei diesem Ferienspaßangebot fahren auch heute noch immer viele Kinder mit. Unterstützt werden wir nach wie vor von Ehrenamtlichen. Das war übrigens die Zeit, seit der ich einen Schreibtisch habe. Der Treffraum wurde später Büro. Aus der Anfangszeit der Spielekonsolen haben wir sogar noch die ersten Nintendo-Geräte und die Spiele „Super Mario“ und „Super Mario Land“. Sie sind zwar mehr als 20 Jahre alt, aber Kinder spielen damit immer wieder gern. Beim Ferienspaß ist die Kanutour nach wie vor gefragt, auch Bastelangebote, T-Shirts oder Taschen bemalen und andere kreative Angebote haben nach wie vor Fans. Seit Oktober 1997 haben wir im „Bansen“ auch Internet.

Gibt es „Bansen“-Regeln?

Ja, wir haben ungeschriebene Hausregeln. Klar ist beispielsweise, dass keiner ungefragt ins Büro geht. Niemand springt auf den Sofas herum oder legt die Schuhe auf den Tisch. Aber („Ulla“ schmunzelt) ein unlösbares Problem gibt es seit 25 Jahren: Müll gehört in Mülleimer und wird nicht da fallen gelassen, wo man gerade steht. Da hat sich nichts geändert. Derzeit haben wir wieder eine Phase, in der wir darauf einwirken, dass die Besucher auch in der Wortwahl respektvoll miteinander umgehen. Respekt und Rücksichtnahme sind für uns wichtige Werte, die wir vermitteln.

 

Nicht alle Angebote sind kostenfrei. Kommt im „Bansen“ auch die Münsterland-Card zum Einsatz?

 Aber ja. Sie beinhaltet Gutscheine für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Die Card wird hier sehr aktiv genutzt. Ich glaube, da liegen wir im Kreis Steinfurt ganz weit vorn.

 

Wie hat sich die Jugendarbeit verändert?

Vor 20 Jahren musste man elf Jahre alt sein, um den „Bansen“ zu besuchen. Heute sind die Besucher am Nachmittag sehr viel jünger. Durch Ganztagsschulen und verlängerte Unterrichtszeiten an Gymnasien haben ältere Schüler unsere Öffnungszeiten nachmittags nicht mehr wehrnehmen können. Viele jüngere Kinder kommen direkt von der Grundschule hierher. Wir haben festgelegt, dass Grundschüler bis 18.30 Uhr den Heimweg angetreten haben müssen. Sei sollten dann zu Hause sein. Anschließend ist das Haus für ältere Besucher frei.

 

Welchen besonderen Herausforderungen stellen sich die Mitarbeiter aktuell?

Das sind Kinder und Jugendliche mit ihren unterschiedlichen Interessen und Fähigkeiten. Denen können wir nicht immer in dem Umfang gerecht werden, wie wir es uns wünschen. Wir haben festgestellt, dass Kinder zunehmend Schwierigkeiten zeigen, sich eine Stunde lang mit etwas zu beschäftigen oder auf etwas zu konzentrieren. Dabei stört das Handy. Es nimmt Raum und Gelegenheiten, sich auf Menschen einzulassen oder neuen Themen zuzuwenden. Wir haben daher für die ersten beiden Klassen die „Flohkiste“ eingerichtet, eine Gruppe von vier Kindern und einem Erwachsenen. Ziel ist, dass sie etwa eineinhalb Stunden lang gemeinsam etwas tun, wie spielen und sich unterhalten.

 

Es hat sich im „Bansen“ viel getan. Ein wenig provozierend gefragt: Warum sind Sie noch immer hier?

(Lächelt) Da gibt es viele Gründe. Es macht mir noch immer großen Spaß, mit Kindern und Jugendlichen zusammenzuarbeiten. Es ist toll, dass wir bei Entscheidungen freie Hand haben. Die Besucherzahlen im „Bansen“ sind spitzenmäßig. Das ist die Bestätigung, dass unsere Ideen ankommen. Mir gefällt das Entwickeln von Konzepten, das Gestalten derer Inhalte, Aufnehmen von Anregungen der Besucher. Wichtig sind konstante Bezugspersonen, keine ständigen Wechsel. Viele kommen über viele Jahre regelmäßig hierher. Es entwickeln sich Vertrauen und Freundschaften. Gern helfen wir weiter, wenn wir von Kindern und wie seit kurzem auch von Eltern um Rat gefragt werden. Es bleibt also spannend, wohin sich unsere Arbeit entwickeln wird. Es ist immer Bewegung drin. Herausforderungen ändern sich. Auch deshalb bin ich gern im „Bansen“.