Dornige Flora ist Namenspate Der Hagenberg in Lotte

Von Astrid Springer

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Lotte/Westerkappeln. Dass es in Osterberg einen Berg gibt, legt schon der Name nahe. Genau genommen gibt es derer sogar zwei: Neben dem Schützendomizil auf dem Klausberg schmiegt sich Osterberg gen Westen an den Hagenberg. Der Flurname schlägt sich auch in Straßennamen nieder: Am Hagenberg und Hagenbergstraße heißt es hier, oder auch Hagenbergweg auf Westerkappelner Seite.

Hagenberge gibt es viele, der nächste liegt in Bad Iburg. Auch die Orte Ilsenburg, Moringen oder Berlin können einen solchen vorweisen; Hagen, Petershagen und andere Orte mit diesem Beinamen gehören ebenfalls zu der Wortfamilie.

Am Osterberger Hagenberg liegt der Hof Strübbe, seit einigen Jahren durch seine Weihnachtsbaumkulturen bekannt. Er ist eine der ältesten Hofstellen hier, „Unseren Hof gibt es bereits seit 1310“, berichtet Gerhard Strübbe aus der Hofchronik.

Warum der Hagenberg so heißt, weiß Senior Strübbe allerdings auch nicht so genau, er erinnert sich jedoch an Erzählungen seines Großvaters, dass eine Familie Hagenberg einst auf dem Hagenberghof am gegenüberliegenden Kalkhügel wohnte.

Alte Hainbuchen- und Weißdornbestände auf dem Hügel zeugen noch heute vom Hagenberghof. Bis 1905 soll hier die Familie Hagenberg gewohnt haben, der baufällige Hof wurde abgerissen.

Dass der Familienname allerdings einem ganzen Berg den Namen gab, ist höchst unwahrscheinlich. In dem Fall würde der Flurname zudem Hagenbergs Hügel oder ähnlich heißen. Naheliegend ist jedoch eine umgekehrte Namensherkunft: Der Hagenberg selbst dürfte den Hofnamen geprägt haben.

Die Hainbuchen und Weißdornsträucher an der ehemaligen Hofstelle geben jedoch einen Hinweis auf den tatsächlichen Wortursprung des Hagenbergs: Die altsächsische Bezeichnung für Hainbuche war nämlich Haganboka, die für Weißdorn Haganthorn. Hagan war darüber hinaus bis zur Einführung der Pflanzennamen im 18. Jahrhundert eine allgemein gebräuchliche Bezeichnung für jeglichen Dornstrauch. Und diese Arten findet man nicht nur an der alten Hofstelle, auffallend viel Weißdorn, Stechpalme und anderes dorniges Gestrüpp kommt im gesamten Unterholz des Hagenbergs vor, auch in den Buchenwaldflächen. Verbreitet ist insbesondere die Schlehe, die auch als Hagedorn bezeichnet wird.

Spätestens mit der Besiedlung am Fuß des Hagenbergs wurde dem bewaldeten Berg schließlich auch Land abgerungen. Der Wald wurde in diesen Bereichen gerodet und eingefriedet, sprich: vom Umland abgegrenzt.

Häufig war diese Abgrenzung ebenfalls eine dornige Hecke, damit beispielsweise das Vieh eingezäunt war, später konnte es auch ein Zaun sein. Damit wandelte sich im Laufe der Zeit die ursprüngliche Bedeutung von Hagen als Dornenstrauch, die im Hochdeutschen noch in der dornenbewehrten Hagebutte (Frucht der Wildrose) erhalten ist, zu „lebendige Hecke, Zaun, eingefriedetes Gelände“. Rund um die Gehöfte am Hagenberg gibt es bis heute viele Weißdornhecken.

In den Sechzigern wäre der Hagenberg um ein Haar der Autobahn zum Opfer gefallen, letztlich wurde dann doch eine andere Trasse gewählt: die A 1 schlängelt sich direkt hinter dem Hagenberg gen Süden.

Inzwischen ist der Hagenberg besonders geschützt, er ist Landschaftsschutzgebiet und wird wegen einiger seltener Arten mit herausragender Bedeutung für den Biotopverbund gewertet. Neben seltenen Libellen- und Carex-Arten kommt hier unter anderem noch der Feuersalamander vor.


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