Unterwegs mit Geschichten im Gepäck Reinhard Fischer aus Lotte ist Pilgerwegbegleiter

Die Jakobsmuschel, die Reinhard Fischer um den Hals trägt, zeichnet ihn als Pilgerwegbegleiter aus. Denn der heilige Jakobus ist der Schutzpatron aller Pilger. Foto: Babette Rüscher-UfermannDie Jakobsmuschel, die Reinhard Fischer um den Hals trägt, zeichnet ihn als Pilgerwegbegleiter aus. Denn der heilige Jakobus ist der Schutzpatron aller Pilger. Foto: Babette Rüscher-Ufermann

barü Lotte. Ein außergewöhnliches Ehrenamt bekleidet Reinhard Fischer aus Lotte: Der 61-Jährige ist Pilgerwegbegleiter. In einem Team betreut er Menschen, die einen Tag lang einen anderen Weg beschreiten möchten.

Dieser Mann steckt voller Geschichten. Und er kann sie auch spannend erzählen. Zum Beispiel von den Nägeln im Wersener Kirchenportal oder dem Kalkofen, den es mal in Büren geben hat. Manche schnappt Reinhard Fischer auf, weil er sich für seinen Wohnort Büren interessiert. Andere hat er während seiner Ausbildung als Kirchenführer und als Kultur- und Landschaftsführer entdeckt. Demnächst möchte der 61-Jährige sein Wissen weiter geben. Er will ehrenamtlich Führungen anbieten: in den Kirchen in Wersen und Büren oder auf dem Rücken des Bürener Berges.

Menschen auf dem Weg begleiten

Schon jetzt kann seinen Gedanken lauschen, wer sich entschließt, die Wanderschuhe anzuziehen und sich eine Auszeit zu gönnen. Reinhard Fischer ist Pilgerwegbegleiter. In einem Team betreut er Menschen, die einen Tag lang einen anderen Weg beschreiten möchten.

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Von Lengerich nach Ladbergen ging im Frühjahr eine Route. „Pilgerwege – Lebenswege – auf den Spuren der Jakobspilger“, lautete das Motto des Tages. „Man darf den Jakobsweg nicht nur mit Spanien in Verbindung bringen“, erzählt Fischer. „Viele Menschen kamen früher hier durch diese Gegend auf dem Weg nach Santiago de Compostela.“ Den Weg arbeitet das Team gemeinsam aus. An Pilgertagen ist der Lebensrhythmus langsamer. Nicht schneller, als die Gruppe wandert.

Wege vorher abgegangen

„Wir gehen den Weg mit dem Team vorher ab“, erzählt der Bürener. Sie legen Stationen fest und teilen ein, wer dort Impulse zur Meditation gibt oder zum Gespräch anregt. Die Johanneskirche in Lengerich war eine der Stationen. Ein Blick auf die Jesusfigur mit den fünf Wundmalen regt an, über die eigenen Wunden im Leben nachzudenken und zu überlegen, welchen Trost der Glauben geben kann. „Es soll ein Anstoß sein, in uns zu schauen“, erzählt Fischer. „Wir bieten Anregung oder Ablenkung. Die Menschen kommen einen Tag raus aus ihrer Lebenssituation. Manchmal ist einfach Zuhören wichtig.“

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Fortbildung entdeckt

Reinhard Fischer ist in der Freistellungsphase der Altersteilzeit. Als Berufsberater bei der Bundeswehr hat er Soldaten auf der Suche nach einem neuen Beruf begleitet. Als bei ihm der Ruhestand näher rückte, machte er sich Gedanken, wie der aussehen sollte. Vor zwei Jahren entdeckte er die Fortbildung zum Pilgerwegbegleiter, die Pastorin Adelheid Zühlsdorf-Maeder von der evangelischen Er-wachsenenbildung im Kirchenkreis Tecklenburg anbietet.

Auf der Suche nach christlichen Werten

„Ich habe danach gesucht oder es ist zu mir gekommen“, so genau weiß er es nicht. Auf jeden Fall war es ein Zeitungsartikel, der ihn auf die Idee brachte. Der 61-Jährige stellte fest, „ich selber suche nach christlichen Werten.“ Mit dieser Aufgabe „tue ich etwas für mich und gebe es gern weiter.“

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Jede Gruppe, mit der er unterwegs ist, ist anders. Spannend sei immer die Frage: „Welche Wünsche bringen die Menschen an diesem Tag mit?“ Wenn alle Pilger am Ende des Tages in einer Runde stehen, erlebe er viel Dankbarkeit. Manchem Wanderer werde die Kehle eng beim Abschied. Dann denke er: „Oh, so tief ist es heute gegangen“ und freut sich. Aber: „Es ist auch lustig bei uns. Wir singen und wir sind in der freien Natur. Das ist etwas Tolles.“

Wer sich für die Fortbildung zum Pilgerwegbegleiter interessiert, kann sich an Pastorin Adelheid Zühlsdorf-Maeder wenden: Telefon 05482/68133.