Vom Tal zwischen Hügeln zur Mühle Der Ledder Mühlenweg zwischen Osterberg und Ledde-Danebrock

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Lotte. Einst waren die Straßen der Region noch nicht befestigt, lediglich schmale Wege schlängelten sich durch Feld und Wald, daran mag sich mancher noch erinnern. So auch beim Ledder Mühlenweg, der vom Osterberger Hagenberg durch den Wald ursprünglich auf die heutige Tecklenburger Straße in Richtung Danebrock führte.

Auf den ersten Blick scheint der Name „Ledder Mühlenweg“ selbsterklärend, handelt es sich doch um eine kleine Ortsverbindung in Richtung Ledde, die naheliegenderweise zu einer Mühle geführt haben dürfte. Nicht ersichtlich ist allerdings, welche Mühle das war und was es mit dem Ortsnamen Ledde auf sich hat.

Wenn man den Ledder Ortsteil Danebrock hinter sich lässt, so kommt man tatsächlich auf alten Wegen zum Ledder Windmühlenhügel samt Windmühlenstraße. Die ehemalige Mühle, ein sogenannter Turmholländer, wurde allerdings erst 1865 erbaut und war bereits zu Beginn des neuen Jahrhunderts wieder baufällig, wie eine Informationstafel des örtlichen Heimatvereins verrät.

Korn nach Osterberg

Der Ledder Mühlenweg in Osterberg dürfte aber älter sein. Zudem erinnert sich Mühlenberg-Anwohnerin Helga Kersten genau, dass ihr Großvater sein Korn von Ledde nach Osterberg brachte, also genau in die entgegengesetzte Richtung.

Dort nämlich gab es die Osterberger Mühle, eine Korn- und Ölmühle, die seit 1427 im Kloster Osterberg betrieben wurde, etwa 200 Jahre lang. Später wurde sie an den Goldbach umgesiedelt und gehörte von 1707 an dem Tecklenburger Grafen.

Zu dieser Zeit herrschte in der Grafschaft Mahlzwang, das heißt, ein Bauer musste sein Korn bei einer ganz bestimmten Mühle mahlen lassen. Das dürfte auch die Osterberger Mühle betroffen haben und damit so manchen Anwohner in Danebrock. Das Korn wurde zum Mahlen nach Osterberg gebracht - über den Mühlenweg.

Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Mahlzwang aufgehoben. Aber auch in jüngerer Zeit wurde in Osterberg noch viel Korn vermahlen, 1939 beispielsweise dreihundert Tonnen Roggen und einhundert Tonnen Weizen, deutlich mehr als zum Beispiel an der Ledder Wassermühle Hemmer oder der Velper Wassermühle Görtemöller. Der Osterberger Siegfried Schirmbeck erinnert sich außerdem, in Kindertagen auch Bucheckern für die Osterberger Ölmühle gesammelt zu haben.

Bleibt zu klären, woher Ledde seinen Namen hat. Einst von Helmut Naumann mit den benachbarten Orten Leeden, Lada, Lehen, Loose und Lotte in Zusammenhang gestellt, sah er die Herkunft aller Ortsnamen im indogermanischen „let“ mit der Bedeutung Besitz.

Sprachhistoriker Christof Spannhoff führt einen neuen Ansatz ins Feld und sieht für die Orte andere etymologische Wurzeln: Den Ortsnamen Ledde leitet er von einer noch heute in Flurnamen verbreiteten, historischen Geländebezeichnung ab.

Tal zwischen Hügeln

Im 12. Jahrhundert erstmals als Lytha erwähnt wurde daraus in späteren, schriftlichen Erwähnungen Lethe, Ledhe, Lidhe und Lede (1335). Insbesondere Lytha und Lidhe sind dabei auf das altsächsische lith, niederdeutsche liet/lied, zurückführen, ist Spannhoff sicher.

Liet meinte ursprünglich einen Abhang, später verlagerte sich die Bedeutung im Sprachgebrauch „in Richtung Tal“. Ein Liet war in der Tecklenburger Grafschaft eine muldenförmige Vertiefung an einem Berghang. Die Ortschaft Ledde ist damit das Tal zwischen Hügeln, was auch anhand der topografischen Verhältnisse eindeutig nachvollziehbar ist.


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