Reinhold Hemker will nach Hawaii Mit 70 Jahren im Training für den Ironman

Im Training: Reinhold Hemker, Ex-SPD-Bundestagsabgeordneter, Pastor und Ausdauersportler aus Emsdetten.Foto: Sven RapregerIm Training: Reinhold Hemker, Ex-SPD-Bundestagsabgeordneter, Pastor und Ausdauersportler aus Emsdetten.Foto: Sven Rapreger

Tecklenburg. Der muss verrückt sein. Durchgeknallt. Komplett irre. Na ja – es wird ihn nicht sonderlich jucken, wenn jemand so etwas über ihn sagt. Lachen wird er. Sein typisches, etwas lautes Reinhold-Lachen. Und er wird reden. Viel reden. Wenn er fertig ist, glaubt man es: Reinhold Hemker – in vergangenen Jahrzehnten unbestritten in der Region einer der erfolgreichsten und einflussreichsten SPD-Politiker – haut rein. Er ist 70 inzwischen. Er will nach Hawaii. Triathlon, Ironman, der härteste sportliche Wettkampf der Welt.

„Unter dem Motto ,Vom Teuto über den FMO zur Ironman-WM‘ bin ich zurzeit viel unterwegs“ – das hat der rege Ex-Landtags- und Bundestagsabgeordnete, der im Wahlkreis rund um Ibbenbüren viermal ein Mandat für das nationale Parlament – erst in Bonn, dann in Berlin – errungen hat, die Redaktion per Mail und auch am Telefon wissen lassen. Immer wieder. Denn Hemker gibt nicht nur aus persönlichem Ehrgeiz sportlich Gas. Er möchte nach eigenen Worten „Vorbild sein für die oft sehr faulen alten Säcke in meiner Altersklasse“, wie er vor einigen Wochen auch im Männerkreis der evangelischen Kirche in Alt-Lotte mit einem dynamischen Vortrag bewiesen hat.

Und so ist Hemker in der nasskalten Winterzeit im Training. Schwimmen, Laufen, Radfahren – beim Spaziergang irgendwo im Teuto kann es passieren, dass man ihn durch die Landschaft radeln sieht. Training: Der Speck muss weg.

Zusammen mit zwei Marathonis aus der Region will Hemker in diesen Tagen ab FMO-Greven zum Qualifikationswettkampf nach Port Elisabeth in Südafrika fliegen. Und im Oktober dann nach Hawaii. „Ich will in Hawaii aufs Treppchen“, sagt er. Was bedeutet: Nach 3,8 Kilometern Schwimmen im Pazifik, 180 Kilometern per Rad und 42,195 Kilometern auf Schusters Rappen will er in seiner Altersklasse diesmal unter die besten sechs. Ein ehrgeiziges Ziel.

„Seit Ostern vergangenen Jahres trainiere ich regelmäßig“, sagt der 70-Jährige. Was bedeutet: Er ist jede Woche viele Stunden sportlich unterwegs. Er schwimmt im Hallenbad in Mesum, demnächst auch wieder in der Ems, radelt über die schönsten Strecken im Kreis und absolviert selbstverständlich lange Läufe zwischen 20 und 30 Kilometern. Ein bisschen stolz ist er, wenn er sagt: „Ich habe fast schon wieder Idealgewicht erreicht.“ 77 Kilo sind es, auf knapp unter 75 will er runter.

Die Weltmeisterschaft auf Hawaii ist sein großes Ziel, am 10. Oktober ist es so weit. Der Start in Kailua Kona auf Big Island wird einem jedoch nicht geschenkt, auch Hemker muss sich den erkämpfen. Von einer Freikarte kann er nur träumen: 1800 Startplätze, jeder einzelne heiß begehrt.

„Ich will mich in Port Elizabeth für den Wettkampf qualifizieren“, sagt Hemker. „Am 29. März ist es so weit.“ In der Altersklasse M 70 dürfen nur die 20 Sieger der verschiedenen Qualifikationswettkämpfe auf allen fünf Kontinenten nach Hawaii. Da heißt es „hopp oder top“, die Form muss stimmen. Sonst platzt der große Traum. „Knapp unter 14 Stunden ist mein Ziel“, sagt er. Gelingt das, sollte er es gepackt haben. Übrigens: Abergläubisch darf Hemker nicht sein. Der Quali-Ironman in Port Elizabeth ist sein 13.

Verrückt, irre, durchgeknallt? Nein! Das Triathlon-Training ist für den Sportler keine Verrücktheit. Für ihn hat das vor allem mit gesundheitsorientierter Lebensweise zu tun: „Ich will mit meiner beispielgebenden Lebensweise mithelfen, mehr Menschen in Bewegung zu bringen“, sagt er, „damit sie eine echte Chance bekommen, 100 Jahre alt werden zu können.“

Ehrgeiz, Reinhold Hemker hatte schon immer Ziele – hochgesteckte. Viele hat er erreicht. Also: Drücken wir ihm doch mal kräftig die Daumen...


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