Kriti kzur Elly-Heuss-Stätte Unliebsame Konkurrenz für die Gastronomie in Lotte

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In der Gaststätte „Zum Humpen“ in Büren kann gefeiert werden. Ganz in der Nähe liegt die Elly-Heuss-Begegnungsstätte. Auch dort soll das in Zukunft möglich sein. Foto: Ursula HoltgreweIn der Gaststätte „Zum Humpen“ in Büren kann gefeiert werden. Ganz in der Nähe liegt die Elly-Heuss-Begegnungsstätte. Auch dort soll das in Zukunft möglich sein. Foto: Ursula Holtgrewe

Lotte. Die vom Jamaika-Bündnis aus CDU, FDP und Grünen im Gemeinderat durchgesetzte Öffnung der Elly-Heuss-Begegnungsstätte auch für private Feiern stößt bei einigen Bürgern auf durchaus heftige Kritik. Insbesondere die örtliche Gastronomie ist nicht besonders angetan von der Konkurrenz, die ihr bei Privatveranstaltungen wie Jubiläums, Hochzeits- und Geburtstagsfeiern oder Beerdigungskaffee künftig ins Haus steht.

Der frühere stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Baumann bezeichnet in einem Brief an die Redaktion zur Jamaika-Stellungnahme von Werner Schwentker (WT vom 9. März) „die steuerlich subventionierte Konkurrenz“ als „Schlag ins Gesicht“ für die Gastronomie.

So weit geht Thomas Engel, Wirt der Ratsstuben in Wersen und selbst für die FDP im Gemeinderat, zwar nicht. Doch er betont: „Für die ganze Gastronomie ist es nicht gut, wenn mit öffentlichen Mitteln hergerichtete Gebäude für Privatfeiern genutzt werden.“ Wie auch Thomas Baumann verweist er auf die Auflagen des Gesundheitsamtes und des Gewerbeaufsichtsamtes, die Profi-Gastgeber erfüllen müssen. Von der Schankerlaubnis über Sicherheitsauflagen, Gebühren, Vorratshaltung, Personal- und Werbungskosten, Energie- und Pachtkosten, Versicherungs-, Geräte-, Inventar- und Reparaturkosten bis zu Kontrollen und Steuern reicht die Liste, die Gastwirte zusätzlich zum unternehmerischen Risiko finanziell und logistisch zu stemmen haben. „Wir zahlen allein 19 Prozent Umsatzsteuer“, so Engel.

Der Ratsstubenwirt unterstreicht, dass auch die Gastronomie Teil der Infrastruktur der Gemeinde sei, die „zum Teil damit kaputt gemacht“ werde. Das gelte aber nicht nur für die Elly-Heuss-Begegnungsstätte , sondern ganz allgemein auch „für jedes Vereinsheim, jedes Schützenhaus“. Denn auch dort fänden keineswegs nur vereinsinterne Veranstaltungen, sondern auch private Feiern mit Getränkeausschank und zum Teil auch Verköstigung der Gäste statt.

Das geht auch aus dem Facebook-Post von Uwe Kleinwegen hervor, mit dem sich der Wirt von „Uwe’s Bayernstadl“ im Landhaus Halen nach nur anderthalb Jahren von seinen Stammgästen verabschiedet: „Gesundheitliche, aber auch finanzielle Gründe zwingen mich dazu“, begründet er die Schließung seines Lokals. „Aber ich möchte mich auch bei denen bedanken, die immer nur gemeckert haben, alles besser wussten und mir die eine oder andere Veranstaltung weggenommen haben (Schützenhaus!)“, heißt es da mit bitterem Sarkasmus.

Sauer ist auch Angelika Mieser, Wirtin der Bürener Schankwirtschaft „Zum Humpen“. Ihr Lokal am Berliner Platz ist nur wenige Hundert Meter von der Elly-Heuss-Begegnungsstätte entfernt. Zwar habe sie keinen Saal, sondern nur einen Clubraum, aber der werde häufig für Geburtstagsfeiern reserviert. „Wenn die ganzen Feiern jetzt da drüben stattfinden, ist das schon eine unliebsame Konkurrenz“, sagt die Humpen-Wirtin. Auch sie betont, dass sie ohnehin schon mit Konkurrenz durch das Sportlerheim und sogar den Gemeindesaal der Kirche zu kämpfen habe: „Wir dürfen nur zahlen und Auflagen erfüllen“, macht sie ihrem Ärger Luft.

Nur Ingrid Hollenberg von der gleichnamigen Gaststätte an der Westerkappelner Straße in Wersen sieht das völlig entspannt: „Da geht mir gar nichts verloren“, sagt sie. Aber das liege daran, dass sie mit ihren 75 Jahren und im nächsten Jahr 50 Jahren hinterm Brett die Gastwirtschaft nach ihren eigenen Worten nur noch „als Hobby“ betreibe. Zwei Tage in der Woche ist ganz zu, an den übrigen Tagen bewirtet sie bis höchstens 22 Uhr ein paar Stammgäste an der Theke – und natürlich den Männergesangverein, der seit rund 35 Jahren bei ihr probt.

„Frühe habe ich sehr viele Beerdigungskaffees gehabt“, erzählt Ingrid Hollenberg. Aber jetzt öffne sie nur noch abends für wenige Stunden. „Das mache ich so lange, wie ich kann“, sagt sie und dass sie das jung und in Bewegung halte. Ihre beiden Töchter jedoch wollten die Gastwirtschaft auf keinen Fall übernehmen.

Thomas Baumann wirft noch ein paar andere kritische Fragen zur künftigen Nutzung der Elly-Heuss-Begegnungsstätte auf. Zum Beispiel, wie es bei Privatfeiern am Wochenende mit Lärm-Emissionen und nächtlicher Ruhestörung für die Anlieger aussieht, was mit einer Schankkonzession bei bestimmten Veranstaltungen ist, wer die Einhaltung von Gebühren und Konzessionen prüft, ob die Toiletten ausreichen oder eventuell noch behindertengerechte WCs gebaut werden müssen, wie die Auflagen des Gesundheitsamtes sind und ob zusätzlicher Parkraum erforderlich ist.

Rein rhetorisch dürfte seine Frage sein: „Muss Lotte zwei Begegnungsstätten dieser Art (mit Haus Hehwerth) haben, und steht das in Relation zur Einwohnerzahl?“


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