Fachmann: Vernetzung wichtig Lotter wollen Bündnis für Flüchtlingshilfe gründen

Ralph Jenders (rechts) vom Begegnungszentrum für Ausländer und Deutsche gab (von links) Friedel Glüder, Hans-Jürgen-Rehberg und Ursula Schmidt-Neubauer Tipps und Denkanstöße für die Flüchtlingshilfe. Foto: Angelika HitzkeRalph Jenders (rechts) vom Begegnungszentrum für Ausländer und Deutsche gab (von links) Friedel Glüder, Hans-Jürgen-Rehberg und Ursula Schmidt-Neubauer Tipps und Denkanstöße für die Flüchtlingshilfe. Foto: Angelika Hitzke

Lotte/Ibbenbüren. Der Stein kommt ins Rollen: Die Halenerin Ursula Schmidt-Neubauer, der ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuer Hans-Jürgen Rehberg, die ehemalige Grünen-Ratsfrau Friedel Glüder und der Fraktionschef der Grünen im Lotter Rat, Dieter Hörnschemeyer, wollen ein Bündnis für Flüchtlingshilfe in der Gemeinde anstoßen. Dazu soll am 18. März um 20 Uhr in der Elly-Heuss-Begegnungsstätte ein öffentlicher Informationsabend mit Gästen aus Politik und Kirche stattfinden. Zur Vorbereitung fuhren Glüder, Rehberg und Schmidt-Neubauer nach Ibbenbüren ins Begegnungszentrum für Ausländer und Deutsche, um sich fachlichen Rat beim Geschäftsführer des Trägervereins, Ralph Jenders, zu holen.

Unter dem Dach des Paritätischen wurde der gemeinnützige Verein laut Jenders 1982 gegründet und unterhält seit inzwischen mehr als 30 Jahren das Begegnungszentrum (BZ) für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, das seit 1987 an der Breiten Straße 18 untergebracht ist.

Flüchtlingshilfe und -beratung ist nur ein, wenn auch ein wichtiger, Teil der Arbeit des BZ mit insgesamt rund 60 Mitarbeitern und zahlreichen ehrenamtlichen Unterstützern, unter anderem aus Kirchengemeinden und Familienzentren. Zu den Angeboten und Projekten gehören unter anderem Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer, Integrationslotsen, Erwerbslosenberatung, Sprachbildung und Integrationsarbeit in Kindertagesstätten, Seniorenarbeit, niedrigschwellige Sprachkurse für Jugendliche und Erwachsene, Kooperationen mit diversen Partnern wie dem Jobcenter und der Paul-Gerhardt-Schule (Förderklassen für Hauptschüler ohne ausreichende Deutschkenntnisse), Nähausbildung für Mädchen und der Runde Tisch „Flüchtlinge in Ibbenbüren“.

Es sei ganz wichtig, die Fachleute aus der kommunalen Verwaltung und die Politik mit ins Boot zu holen, „denn letztlich funktioniert nichts ohne Geld, und wenn es nur wenig Geld für Sachkosten ist“, so Jenders. „Hier ist das gewachsen“, sagt der BZ-Geschäftsführer über die Unterstützung durch die Stadt. Bezahlt werde alles über eine Mischfinanzierung: Eigenanteil aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden, etwa von der Kreissparkasse Steinfurt, Zuschuss von der Stadt sowie projektbezogene Mittel von Kreis, Land und Bund.

Rund 300 Flüchtlinge seien derzeit an sechs bis sieben Standorten in Ibbenbüren untergebracht, berichtete Jenders. In diesem Jahr (bis zum 17. Februar) seien schon 50 Personen dazugekommen. Ein einziger bei der Stadt angestellter Betreuer, reiche da natürlich nicht. „Es ist so gut wie sicher, dass die, die schon hier sind, auch längerfristig hierbleiben“, unterstrich Jenders die Notwendigkeit von niederschwelligen Sprachkursen, auch wenn diese noch „keine Pflichtveranstaltung“ für die Kommunen seien.

Sehr wichtig seien auch Integrationskurse für diejenigen, die eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis haben, sowie die Sprachbildung in Kitas und Schulen, Zusatzangebote, die die ganze Familie in den Fokus nehmen, und die Verzahnung mit Ausbildungs-, Qualifizierungs- und Jobangeboten.

Seine Erfahrung: „Es gibt sehr viele, die sich ehrenamtlich engagieren möchten. Aber das muss organisiert, koordiniert und vernetzt werden. Es macht wenig Sinn, wenn jeder vor sich hin wurschtelt.“ Zudem müssten Ehrenamtliche schon aus versicherungsrechtlichen Gründen und zum Eigenschutz „irgendwo angedockt“ sein.

Das BZ will deshalb eine Koordinierungsstelle einrichten, eine Vernetzung schaffen und einen Leitfaden mit Ansprechpartnern sowohl für die Ehrenamtlichen als auch für die Flüchtlinge erstellen. Er soll zum Beispiel auflisten, wo ein Kinderarzt, die nächste Tafel oder Kleiderkammer, das Einwohnermeldeamt, das Sozialamt oder die Post zu finden ist und wer bei welchen Problemen helfen kann.

Professionelle Begleitung sei wichtig, um die ehrenamtliche Arbeit vor Ort zu koordinieren und die Ehrenamtlichen zu schulen. „Sie müssen gucken, was findet statt, was muss noch gemacht werden, wo ist Bedarf?“, erklärte Jenders. Alle, die ehrenamtlich helfen wollen, müssten sich zudem vorher überlegen, in welchem Ausmaß sie sich einbringen können und wollen und ob sie auch mal „Nein“ sagen können: „Das kann auch ganz schnell zu viel werden, wenn man zu tief einsteigt und das Elend hinter der persönlichen Geschichte sieht.“

Es gehe nicht darum, die Flüchtlinge an die Hand zu nehmen, sondern Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. „Unser Ansatz ist, Profis und Ehrenamtliche auf Augenhöhe zusammenzuführen. Das muss verknüpft sein“, unterstrich Jenders. Ziel müsse sein, dass die Flüchtlinge sich selbst versorgen können. „Ich denke, wir haben viele Denkanstöße gekriegt“, so das Fazit der Gäste aus Lotte.


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