Orgel wird instand gesetzt Ein Wunderwerk musikalischer Feinmechanik in Lotte

Orgelbauer Mathias Johannmeier gewährt tiefe Einblicke in die Mechanik der renovierten Orgel: Das sogenannte Wellenbrett sorgt dafür, dass zu jedem Tastendruck auf der Klaviatur das passende Ventil geöffnet wird. Foto: Jannik ZeiserOrgelbauer Mathias Johannmeier gewährt tiefe Einblicke in die Mechanik der renovierten Orgel: Das sogenannte Wellenbrett sorgt dafür, dass zu jedem Tastendruck auf der Klaviatur das passende Ventil geöffnet wird. Foto: Jannik Zeiser

Lotte. Etwa alle 20 Jahre, so die Faustregel, sollte eine Orgel überholt werden. Der Orgelbauer ersetzt dann Verschleißteile und unterzieht die Pfeifen einer gründlichen Reinigung. Genau das passiert im Zuge der Kirchenrenovierung gerade mit der Orgel in der evangelischen Kirche in Alt-Lotte. Ein Besuch auf der Baustelle offenbart, welch komplexe Mechanik in diesem altehrwürdigen Instrument steckt.

Gemeinsam mit einem Mitarbeiter hat Orgelbauer Mathias Johannmeier bereits etliche Stunden an der Instandhaltung der Orgel gearbeitet. „Es hat sich durch die übrigen Umbauarbeiten in der Kirche einiges verzögert“, erklärt Johannmeier. Bis zum 22. Februar, dem Tag der Wiedereröffnung, sei aber alles erledigt, ist er sich sicher.

Hunderte Orgelpfeifen haben die Männer bereits ausgebaut, in die Werkstatt verfrachtet und dort gründlich gereinigt. Wenn sich zu viel Staub an den Orgelpfeifen absetzt, könne das Auswirkungen auf den Ton mit sich bringen, so der Fachmann. „Die Pfeifen werden dann leiser, weil die Öffnungen immer kleiner werden, aus denen die Luft herausströmt und an denen der Ton entsteht.“ Die meisten der Pfeifen sind aus einer Blei-Zinn-Legierung gefertigt. Dabei macht der Anteil des jeweiligen Metalls die Klangfarbe des Tons aus: „Je mehr Zinn, desto härter und brillanter der Ton. Blei dagegen macht den Ton weicher.“ Im Allgemeinen finden sich an der Orgelfront, im sogenannten Prospekt, die Pfeifen mit dem höheren Zinnanteil.

Neben den Metallpfeifen gibt es außerdem noch solche aus Holz, Mahagoni sei es in diesem Fall, erklärt der Orgelbauer. Vor 50 Jahren, als die Pfeifen neu in die Orgel eingesetzt wurden, sei die Verwendung von Tropenholz noch erlaubt gewesen. Heute würde man wohl eher zu Eiche greifen. Bis zu zwei Meter vierzig sind die größten Pfeifen lang und erzeugen entsprechend die tiefsten Töne.

Neben den Pfeifen haben Johannmeier und sein Mitarbeiter auch so gut wie den ganzen Rest des Orgel-Innenlebens ausgebaut, gereinigt und bei Bedarf erneuert. Dazu zählen beispielsweise die sogenannten Windladen, die die Luft auf die Pfeifenreihen verteilen, je nachdem welche Register gezogen und welche Tasten gedrückt werden. Damit das reibungslos vonstattengeht, ist eine ausgefeilte Mechanik vonnöten. Johannmeier ist gern bereit, einen Blick in das Innenleben des Instruments zu gewähren. Er veranschaulicht die Arbeitsweise der unzähligen Schalter und Hebel, die vom Organisten per Tastendruck in Bewegung gesetzt werden und auf diese Art den Luftstrom in gewünschte Bahnen leiten.

„Jede Orgel ist anders, man muss sich daher immer neu hineindenken“, berichtet der Fachmann. Orgelarbeiten seien meist sehr umfangreich . Diese wahren Musikmaschinen zu bauen, reinigen oder zu warten erfordert neben musikalischem Verständnis auch eine Menge handwerkliches Können. Mathias Johannmeier hat diese spannende Mischung einst dazu bewogen, eine Ausbildung zum Orgelbauer zu absolvieren, anstatt sich einem Studium der Kirchenmusik zu widmen. „Ich hatte zwar Spaß an der Kirchenmusik, wollte aber auch immer schon etwas Handwerkliches machen. Da war Orgelbauer genau das Richtige“, schwärmt er von seiner Arbeit.

Was der Alt-Lotter Orgel nun noch an Arbeiten bevorsteht, ist der Wiedereinbau aller Pfeifen, die Einstellung der Traktur und schließlich die Stimmung der Pfeifen. Dies könne jedoch erst in absoluter Ruhe geschehen, wenn alle anderen Arbeiten abgeschlossen seien, so der Orgelbauer. Zum Stimmen sei zudem eine konstante Temperatur von 15°C nötig, damit die Tonhöhe nicht temperaturbedingt schwankt. Die Holzpfeifen lassen sich einfach durch Verschieben eines „Stöpsels“ am Pfeifendeckel stimmen, erklärt Johannmeier. Bei Metallpfeifen dagegen gibt es am oberen Ende Laschen, die sardinendosenartig zu kleinen Rollen gedreht sind. Durch weiteres Heraus- oder Hineindrehen der Rollen verändert sich auch die Tonhöhe.

Optisch wird dem Kirchenbesucher wohl vor allem der frische weiße Anstrich der Orgel auffallen. Für den trägt das Orgelbauerteam aber ausnahmsweise keine Verantwortung, diese Aufgabe hat eine Malerfirma übernommen.


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