Friedhofstor zurück in Lotte Ein Stück Geschichte kehrt heim nach Lotte



Lotte. Ein Geschenk zum Jubiläum: Das historische Friedhofstor, gefertigt im Jahr 1910, wurde von Osnabrück zurück in die evangelische Kirchengemeinde nach Alt-Lotte transportiert. Dass das geschehen konnte, lag an einer Verkettung von Zufällen – und der Verbundenheit der Kinder des Schulhausmeisters Wilhelm Nolte mit Dorf und Kirche.

Rückblick: Ende der 1960er-Jahre wurde im Zuge des Autobahnbaus die ehemalige B65, die Osnabrücker Straße durch Alt-Lotte, höher gelegt. Infolgedessen musste auch die Friedhofsmauer aus Bruchsteinen inklusive Tor abgetragen werden. Die Mauer wurde mit gelbem Klinker neu hochgezogen, ein neues Eingangstor installiert. Das alte zweiflügelige Tor fand keine weitere Verwendung und sollte entsorgt werden, ebenso das kleinere Nebentor. Der heimatverbundene Wilhelm Nolte verhinderte jedoch die Verschrottung. Er stellte die Tore am Schulhof am Hainweg auf.

Das große Tor war breit genug, damit der von Pferden gezogene Wagen auf den Friedhof gelenkt werden konnte. „Der Weg führte damals direkt hinunter zum Ehrenmal“, erinnert sich Noltes Tochter Anne Schmidt-Nolte. „Unser Vater hat die Tore gerettet. Das größere stand damals dekorativ auf dem unteren Schulhof neben dem kleinen Gebäude, in dem vor vielen Jahren das Spritzenhaus war. Das kleine Tor stellte er an der Treppe auf, dort, wo die Stufen noch heute sind. Wir Kinder fanden das immer toll.“

Anne Schmidt-Nolte und ihre beiden Brüder Heinz-Wilhelm und der bereits verstorbene Michael wuchsen in Alt-Lotte auf. Anne Schmidt-Nolte wohnt seit vielen Jahren wieder dort.

Als Wilhelm Nolte in den Ruhestand ging, zog die Familie nach Osnabrück – inklusive der beiden eisernen Zeitzeugen, die über so manche Träne von Trauernden berichten könnten. Auf sie passte später Heinz-Wilhelm Nolte auf. „Ich hatte die Möglichkeit, sie zu lagern, und wollte sie in meinem Garten aufstellen. Das ist dann leider verblieben“, berichtete er. Auch sein Sohn Christoph kennt das Tor schon lange.

Nun wollte es der Zufall, dass Heinz-Wilhelm Nolte und Chris Wheeler seit vielen Jahren Arbeitskollegen sind. Als Chris Wheeler Presbyter wurde, drehten sich Gespräche ab und zu auch um die Kirche, die Nolte seit seiner Kindheit kennt. Da drängten dann auch die Friedhofstore aus den Tiefen der Erinnerung wieder hervor. „Die Tore sind für uns immer Seelenstücke gewesen. Daher kam ein Verkauf nicht infrage“, betont Nolte.

Seine Schwester ergänzt: „Durch die Kirchenrenovierung sind wir angeregt worden, über den Verbleib der Tore nachzudenken. Meinem Bruder gehörte quasi immer das große, mir das kleine. Das hat mein Vater sogar bunt gestrichen. Der Familienrat tagte und beschloss, dass die Friedhofstore wieder zurückgebracht werden.“

Wenige Wochen vor Weihnachten war es dann so weit. Heinz-Wilhelm Nolte, die Presbyter Chris Wheeler und Friedhelm Lange sowie die Ehrenamtlichen Werner Jost-Enneking und Manfred Kammler halfen, die schweren Schmiedekunststücke nach Alt-Lotte zu transportieren. Dort passt nun Lange auf sie auf.

So ganz sind die 104 Jahre, die auch das große Tor jedwedem Wetter ausgesetzt war, nicht spurlos vorübergegangen. An einigen Stellen hat sich Rost ins Schmiedeeisen gefressen. Gleichwohl sind die Tore in einem erhaltenswerten Zustand.

„An einer Stelle ist der Rahmen sehr korrodiert. Das kann man nicht schweißen. Dort hinein müssen neue Teile genietet werden. Außerdem sind die Platten mit den Jahreszahlen sanierungsbedürftig“, erklärt Heinz-Wilhelm Nolte. „Einige Ornamente fehlen ebenfalls. Die müssten nachgearbeitet werden“, sagt Anne Schmidt-Nolte.

Vorgesehen ist eine Renovierung der Tore jedenfalls. Erst einmal müssen die Renovierungen des evangelischen Gotteshauses abgeschlossen sein. Zudem stehen im kommenden Jahr zahlreiche Veranstaltungen anlässlich des 700-Jährigen der Kirche bevor.

Für Friedhelm Lange und Chris Wheeler ist es etwas Besonderes, dass die Friedhofstore ausgerechnet jetzt wieder in der Kirchengemeinde sind. „Das ist doch ein unglaublicher Zufall“, begeistert sich Lange. Er und Wheeler sind sich einig: „Die Planung ist, dass die Tore ihre originale Nutzung wiedererhalten. Die Kirchengemeinde wird einen würdigen Standort finden als Zugang zum Friedhofsgelände.“


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