Alkohol macht leichtsinnig Lottes Feuerwehrchef über Silvesterfeuerwerk

Plädoyer für Gemeinschaftsveranstaltungen mit Profi-Feuerzauber statt individuellem Feuerwerk: Gemeindebrandinspektor Voker Rapelius vor dem Feuerwehrhaus in Alt-Lotte. Foto: Angelika HitzkePlädoyer für Gemeinschaftsveranstaltungen mit Profi-Feuerzauber statt individuellem Feuerwerk: Gemeindebrandinspektor Voker Rapelius vor dem Feuerwehrhaus in Alt-Lotte. Foto: Angelika Hitzke

Lotte. Wenn am Mittwoch der letzte Tag des Jahres zu Ende geht, werden auch in Lotte Böller gezündet und bunte Raketen in den Himmel geschossen. Wir sprachen mit Gemeindebrandinspektor Volker Rapelius im Alt-Lotter Feuerwehrhaus über die Erfahrungen der Lotter Blauröcke mit dem Feuerzauber zum Jahreswechsel.

Herr Rapelius, müssen Sie Silvester arbeiten?

Ich habe dieses Jahr das erste Mal seit 25 Jahren dienstfrei. Aber wir feiern nicht, wir sitzen nur gemütlich zusammen. Ich trinke schon seit 15 Jahren Silvester keinen Alkohol, es kommt ja doch immer mal ein Anruf.

Mögen Sie Feuerwerk? Wie halten Sie es persönlich mit diesem Silvesterbrauch?

Ich sag jetzt mal so: Als Teenager habe ich diesem Brauch auch gefrönt. Aber das ist sehr lange her, dass ich auch nur einen Cent dafür ausgegeben habe. Da spende ich lieber, ganz ehrlich. Im Moment gibt es so viele Familien, die auf der Flucht sind. Ich würde es gerne sehen, dass man wie in anderen Ländern auch eine Gemeinschaftsveranstaltung daraus macht. Das fände ich besser, als wenn jeder seine eigenen Raketen abschießt. Das Feuerwerk kann dann ja ruhig ein bisschen professioneller und größer sein, so ähnlich, wie es auch beim Osterfeuer Brauch ist.

Wie oft musste die Lotter Feuerwehr in der Silvesternacht des vergangenen Jahres ausrücken? Was waren die Gründe dafür?

Dreimal. Zweimal war es ein Heckenbrand, einmal war es ein Zimmerbrand. Der eine Heckenbrand war hier vorn am Torfkuhlenweg, das Feuer konnte man von hier aus sehen. Da war die Startrampe, die Flasche, umgekippt, und die Rakete schoss dicht über dem Boden in die Hecke. Vor allem bei Thuja-Hecken wie da reicht ja ein Funke. So eine Hecke brennt sofort lichterloh. Das haben wir auch im Sommer oft, wenn liebe Mitbürger mit dem Unkrautbrenner hantieren.

Welches sind die häufigsten Ursachen für Unfälle und Brände durch Silvesterfeuerwerk?

In erster Linie ist das Leichtsinn. Das sind ja immerhin kleine Sprengkörper. Da wird sehr leichtsinnig mit umgegangen: Die Startvorrichtung steht nicht richtig und die Rakete zischt bodennah durch die Menge. Oder man beachtet den Abstand zur Wohnbebauung nicht.

Sind Feuerwerksbatterien sicherer als herkömmliche Raketen, die aus leeren Flaschen abgefeuert werden?

Wenn man diese Batterien nach Anwendervorschrift behandelt, sind die wirklich sicherer als einzelne Raketen. Man stellt sie auf eine freie Fläche, zündet nur einmal an und hat mehrere Schüsse. Da haben wir alle mehr davon.

Was müssen Hobbyfeuerwerker unbedingt beachten?

Ausreichenden Sicherheitsabstand zu Häusern, Autos und brennbaren Materialien halten, eine schöne freie Fläche suchen. Es wäre natürlich aus meiner Sicht sinnvoll, wenn dabei wenigstens einer die Übersicht behält, der noch nüchtern ist. Alkohol ist in diesem Zusammenhang ein Riesenproblem. Da ist häufig Selbstüberschätzung im Spiel, und dann gibt es diese Bilder mit ganz bösen Verletzungen.

Ist eigentlich die Zahl der Tannenbaum- und Adventskranzbrände in den letzten Jahren durch die vermehrte Verwendung von elektrischen Kerzen und LEDs zurückgegangen?

Ja, das kann man sagen. Ein Weihnachtsgesteck hatten wir letzte Woche noch, wo eine Kerze einen Brand ausgelöst hatte. Aber Weihnachtsbaumbrände, das ist definitiv zurückgegangen.

Muss die Lotter Wehr Silvester auch zu Einsätzen in der Stadt oder in Nachbargemeinden?

Toi, toi, toi, bisher mussten wir da noch keine nachbarschaftliche Löschhilfe leisten. Es ist auch hier von Ortsteil zu Ortsteil unterschiedlich, wie heftig das Feuerwerk ist.

Wo wird denn in Lotte am meisten geböllert?

Ganz klar in der ehemaligen Nato-Siedlung . Wenn ich da am 1. Januar zum Dienst gefahren bin, musste ich wirklich Slalom fahren um die Sektflaschen, die da als Abschussrampen stehen geblieben sind. Und in Büren ist auch viel Feuerwerk.

Was war Ihr schlimmstes Silvestererlebnis?

Der Dachstuhlbrand an einem Doppelhaus am Lönsweg, nachdem eine Rakete die Dachhaut entzündet hatte. Da waren beide Hälften betroffen. Die taten mir wirklich leid, die Leute; das war kein schöner Start ins neue Jahr.


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