Bürener gegen Reaktivierung Info-Veranstaltung zur Tecklenburger Nordbahn

Von Angelika Hitzke


Lotte. Ist die Luft raus aus dem Bürener Widerstand gegen die Pläne zur Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn? Oder haben die Anwohner der Strecke einfach nur resigniert? Dieser Eindruck jedenfalls drängte sich auf bei der der Informationsveranstaltung der Siedlergemeinschaft in der Elly-Heuss-Tagesstätte. Statt der erwarteten 100 bis 150 Besucher konnte die Vorsitzende Rita Beimdiek nur rund 40 Bürger sowie Vorsitzende und Vertreter aller Ratfraktionen begrüßen.

Auf dem Podium standen, moderiert von NOZ-Redakteur Thomas Niemeyer und Diedrich Hesse von der Siedlergemeinschaft , ZVM-Geschäftsführer Michael Geuckler, Eisenbahnjournalist Stefan Högemann, Landrat Thomas Kubendorff und Planos-Geschäftsführer Stephan Rolfes als Experten Rede und Antwort. Bürgermeister Rainer Lammers vertrat die ablehnende Position der Gemeinde Lotte. Eines aber wurde von Anfang an deutlich: Die Entscheidung über die Reaktivierung wird im Prinzip vom Zweckverband SPNV (Schienengebundener Personennahverkehr) Münsterland (ZVM) getroffen, nicht nur vom Kreis Steinfurt und schon gar nicht von einer einzelnen Gemeinde, die sich dagegen sperrt: „Wenn alle anderen Gemeinden das wollen, werden sich Zweckverbandsversammlung und Kreis dafür entscheiden“, schenkte der Landrat den Zuhörern gleich reinen Wein ein.

Der ZVM-Topf ist voll: Wie berichtet, enthält er rund 31 Millionen Euro; die geschätzten Kosten für die Reaktivierung der Gesamtstrecke von Osnabrück bis Recke belaufen sich auf rund 29 Millionen Euro. Obendrein, so Kubendorff, stehen dem Land NRW nach der Entscheidung des Bundes vom Oktober rund eine halbe Milliarde Regionalisierungsmittel für solche Strecken-Reaktivierungen zur Verfügung.

Die bauvorbereitende Planung – Haltepunkte, Sicherung von Bahnübergängen – laufe und werde bis zum Herbst 2015 abgeschlossen sein, sodass dann die Ausschreibung beginnen könne. Vorgesehen sei, die Nordbahn im ersten Schritt bis Mettingen im Stundentakt zu realisieren. Im zweiten Schritt soll dann der Ausbau bis Recke und der Betrieb im Halbstundentakt folgen: „Dafür brauchen wir dann auch Landesmittel.“

Die Siedlergemeinschaft hatte eine Fülle von Detailfragen vorbereitet, die von den den Podiumsteilnehmern beantwortet wurden. So wies Stefan Högemann, Herausgeber der Fachzeitschrift „Bahnreport“, darauf hin, dass eine Entwidmung der Strecke ziemlich schwierig und nur möglich wäre, wenn kein anderes Verkehrsunternehmen Interesse an einer Übernahme hätte. Grundsätzlich müsse die Strecke aber auch für den Fall eines Verkaufs oder einer Verpachtung voll funktionstüchtig gehalten werden.

Michael Geuckler hielt Zweifeln an den prognostizierten Fahrgastzahlen und dem Einwand, dass die Firma Elster-Kromschröder gar nicht an einer Bahnhaltestelle interessiert sei, entgegen, dass bei allen bisher reaktivierten regionalen Bahnstrecken die Prognosen weit übertroffen worden seien. Die Taunusbahn etwa werde heute statt von den vorhergesagten 4000 Fahrgästen von 11 000 Passagieren am Tag genutzt. „Ich bin mir sicher, dass die Mitarbeiter mit den Füßen abstimmen werden“, sagte er zum geplanten Kromschröder-Haltepunkt, der neben dem Wersener Bahnhof als Station vorgesehen ist.

Stephan Rolfes unterstrich in seinen locker-launigen Statements, dass er hier nicht als unabhängiger Sachverständiger, sondern als verantwortlicher Planer für den ÖPNV, speziell die Förderung des SPNV, auftrete. „Eins steht fest: Neue Schienen kriegen Sie nicht. Wir haben sternförmig um Osnabrück Bahnstrecken. Mein Ansatz ist: Lasst uns da, wo wir sie haben, die Bahnstrecken nutzen“, sagte er. Bus- und Bahnnutzung seien keine Gegensätze, sondern müssten vernetzt werden: „Wir brauchen beides.“ Auch die angesprochenen neuralgischen Punkte in Büren, insbesondere die Bahnübergänge Richard-Eberlein-Straße und die Kreuzung Atterstraße/Landwehrstraße, sind nach Meinung der Experten „kein K. o.-Kriterium“. Sie in den Griff zu bekommen, sei Gegenstand der Planung, an der die Kommunen und die Bürger über Anhörungs- und Infoveranstaltungen beteiligt würden.

Bevor die Zuhörer endlich zu Wort kamen und ihrer Ablehnung Luft machen konnten, bekräftigten Bürgermeister Lammers sowie die Fraktionschefs Thomas Giebel (SPD), Werner Schwentker (CDU) und Friedhelm Pösse (FDP), dass sie die Reaktivierung angesichts der Trassenführung durch Büren für nicht vertretbar halten. Dieter Hörnschemeyer (Grüne) sagte, dass es in seiner Fraktion sowohl Gegner, als auch „glühende Verfechter“ gebe: „Wir gucken über den Tellerrand und warten ab, wie es sich entwickelt.“