Anspruchsvolles Thema Lotter Frauentreff diskutiert über Sterbehilfe

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Beim Frauentreff in Lotte wurde über die Sterbehilfe diskutiert. Referentin war Margarete Steinmann (vorne, Dritte von links). Foto: Erna BergBeim Frauentreff in Lotte wurde über die Sterbehilfe diskutiert. Referentin war Margarete Steinmann (vorne, Dritte von links). Foto: Erna Berg

Lotte. „Eine einfache Antwort ist nicht möglich“, sagte Margarete Steinmann, Pastorin im Lengericher Krankenhaus. Der Frauentreff der Evangelischen Kirchengemeinde Lotte hatte sie als Referentin zum Thema „Sterbehilfe – Pro und Kontra zur aktuellen Diskussion“ eingeladen. Ein anspruchsvolles und berührendes Thema, in das viele persönliche Erfahrungen der Teilnehmerinnen einflossen.

Die Referentin erklärte zunächst die Rechtslage und definierte das Wort Sterbehilfe. Sie unterschied zwischen aktiver (strafbarer), passiver (Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen) und indirekter Sterbehilfe (Gabe eines Medikaments bei Schwerstkranken, um Schmerzen und Luftnot zu lindern, das aber die Lebenszeit verkürzen kann) sowie der Beihilfe zum Suizid. Steinmann erläuterte auch die im Bundestag debattierten Reformpläne und brachte die mit dem Thema eng verknüpfte Patientenverfügung ins Gespräch.

Jeder Definition schloss sich spontan eine lebhafte Diskussion an. Darin ging es unter anderem um Angst vor Missbrauch und zu frühe Entsorgung und die Wandelbarkeit des Willens auch nach gefertigter Patientenverfügung. Aus persönlicher, beruflicher Erfahrung berichtete Steinmann: „Manche todkranke Patienten kämpfen, um wenigstens noch etwas da sein zu dürfen. Das können sich jüngere Menschen manchmal gar nicht vorstellen.“

Zusammen mit den Frauen suchte sie nach Antworten auf die Frage „Wie komme ich zu einer ethisch-christlichen Entscheidung?“ und betonte: „Es gibt viele Möglichkeiten vor einer Selbsttötung oder assistierter Hilfe zum Suizid.“ Die Verbesserung in den Altersheimen, bessere Vergütung für Pflegeberufe und Förderung der Hospizbewegung und Palliativmedizin müssten viel mehr gefördert werden.

Steinmann stellte eine Äußerung von Gian Domenico Borasio, Professor für Palliativmedizin an der Uni Lausanne, zur Diskussion: „Was unsere Selbstbestimmung am Lebensende wirklich einschränkt, ist nicht das Fehlen einer Regelung zur Suizidhilfe, sondern die unzureichende pflegerische und palliative Versorgung sowie die allgegenwärtige, ökonomisch motivierte Übertherapie.“

In der Palliativmedizin und im Hospiz wird geschaut, was der Patient braucht, was ihm Angst macht, welche Schmerzen er hat, ob er einsam ist oder Ruhe braucht. „Ein sterbenskranker Mensch, der alleine ist oder nicht zur Last fallen möchte, fragt wahrscheinlich eher nach Sterbehilfe“, sagte die Pastorin. Sie berichtete von einer Patientin, die zur Sterbehilfe in die Schweiz fahren wollte, sich aber letztlich für ein hiesiges Krankenhaus entschied und ohne Schmerzen sterben durfte.

„Ethische Entscheidungen sind schwer und nicht immer schwarz und weiß. Man kommt nicht immer mit einer weißen Weste daraus“, betonte Steinmann.

Immer wieder ging es an diesem Abend um die Würde und den Wert des Menschen: „Der Wert eines Menschen hängt nicht davon ab, was er leistet, ob er gesund ist oder krank“, sagte Annette Salomo. „Auch ein Querschnittsgelähmter kann Lebensqualität haben“, stimmte die Referentin zu.

„Wir haben eine Verantwortung für alles, was wir tun oder nicht tun“, betonte Annette Salomo. „Wenn das Töten auf Verlangen unterstützt wird, dann hat die gute Entwicklung der palliativen Begleitung keine Chance.“


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