20 Jahre Engagement für Lotte Gespräch mit Vize-Bürgermeisterin Helga Strübbe

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Ausgelassen tollt Helga Strübbe hier mit ihrer dreijährigen Hündin Kira im Garten herum. Ihr Herz gehört aber nicht nur Tieren, sondern vor allem den Menschen in der Gemeinde – ganz besonders den jüngsten und den ältesten. Foto: Angelika HitzkeAusgelassen tollt Helga Strübbe hier mit ihrer dreijährigen Hündin Kira im Garten herum. Ihr Herz gehört aber nicht nur Tieren, sondern vor allem den Menschen in der Gemeinde – ganz besonders den jüngsten und den ältesten. Foto: Angelika Hitzke

Lotte. Helga Strübbe sitzt seit 20 Jahren für die SPD im Lotter Gemeinderat. Sie ist 2. stellvertretende Bürgermeisterin und Mitglied in der IG Metall, in der Awo Wersen, im Deutsch-Französischen Förderverein, im Kunstkreis, im Heimatverein, im Förderverein der Regenbogen-Kita, im Radwegeverein und bei den Landfrauen Lotte und Westerkappeln/Wersen. Was sie an- und umtreibt, verrät sie in diesem Gespräch.

Frau Strübbe, wann und wie kamen Sie zur Kommunalpolitik?

Ich bin in einem SPD-Haushalt aufgewachsen. Mein Vater war Gewerkschafter. Meine Mutter hat in Georgsmarienhütte im Krankenhaus gearbeitet und war da im Personalrat. Soziales Engagement hat mir meine Mutter schon in die Wiege gelegt. Also habe ich mich als junges Mädchen schon für Politik interessiert. Später habe ich eine Lehre in Osnabrück gemacht und in Eversburg bei „Ihr Platz“ gearbeitet. Da habe ich die Frau vom damaligen Bürgermeister Werner Huth kennengelernt und hatte schon Kontakt nach Büren. Mein Mann und ich suchten damals ein Grundstück zum Bauen. Von Werner Huth erfuhren wir von der Siedlung, die damals am Bürener Berg entstand. Wir waren dann bei dem Bauern, der das Grundstück verkaufte. Mit Handschlag wurde das besiegelt. Mit der Tochter dieses Bauern kegele ich heute noch. Wir haben hier alle zwischen 1975 und 1977 gebaut. Dadurch sind viele Freundschaften unter den Nachbarn entstanden.

So wurden Sie in Büren sesshaft. Und Ihr Einstieg in die Politik?

Hier wohnte schon eine SPD-Ratsfrau in der Nachbarschaft. Eines Tages wurde sie krank und fragte mich, ob ich nicht für ein Ratsmandat kandidieren wolle. Da habe ich mich zuerst mit meinem Mann beraten; ich war ja auch noch berufstätig mit großem Engagement und 13 Jahre im Elternrat aktiv, auch als Vorsitzende. 1990 bin ich in die SPD eingetreten. Rainer Lammers kannte ich schon vorher, er war Vorsitzender vom Ortsverein. Ich war dann zuerst in vielen Ausschusssitzungen dabei, einfach als Zuhörerin. So ist das Interesse gewachsen. Sie haben mich dann überzeugt, mich für ein Ratsmandat zu bewerben. Ich habe den Wahlbezirk auf Anhieb gewonnen. Das war 1994. Ich bin jetzt 20 Jahre im Rat, habe aber schon nach kurzer Zeit festgestellt, dass ich mich erst einmal in viele laufende Projekte einarbeiten musste. Also habe ich erst mal nur zugehört und lästige Fragen gestellt. Es hat wohl zwei Jahre gedauert, bis ich auch den Mund aufmachen mochte. Sehr gefreut habe ich mich, als ich vor sechs Jahren von der Fraktion gefragt worden bin, ob ich nicht die Aufgabe einer stellvertretenden Bürgermeisterin übernehmen wollte. Ich habe das gerne gemacht, weil ich gerne mit Menschen zu tun habe. Erst mit Herzklopfen, aber man wächst mit seinen Aufgaben. Und ich habe ganz Lotte kennengelernt, auch die entferntesten Winkel.

Welche Ihrer Ziele haben Sie schon erreicht?

Also, mein spezielles Anliegen war immer, viel für Kindergartenplätze zu tun, für Schule und für die Jugend. Ich finde ganz toll, dass es damals mit dem Wersener Jugendtreff .Sit In‘ geklappt hat und es den Bansen in Alt-Lotte gibt. Ganz stolz bin ich, dass wir so eine gute Gemeinschaftshauptschule hinbekommen haben. Und dass wir so ein ausgezeichnetes Seniorenzentrum wie „Zwei Eichen“ in Lotte haben. Hier in Büren haben wir ja ein ambulantes Pflegehaus. Ich würde mich aber sehr freuen, ein ähnliches Seniorenzentrum auch für Büren und Wersen zu haben.

Was möchten Sie in nächster Zeit noch erreichen?

Ich möchte, dass die Elly-Heuss-Tagesstätte weitergeführt wird wie bisher, dass sich die alten Menschen da weiter wohlfühlen. Das ist wie eine große Familie. Wo gibt es das sonst? Die Awo hält alles selbst in Schuss, die brauchen keine Reinigungskraft. Wenn das anders geführt werden soll, fällt das alles flach. Jamaika hat gerade einen Antrag gestellt, der Awo einen Änderungsvertrag anzubieten und das umzubenennen in Begegnungsstätte oder Mehrgenerationenhaus für eine breitere Nutzung. Die kann auch schon heute stattfinden, dafür brauchen wir keine neuen Verträge. Mein nächstes Ziel ist, dafür zu sorgen, dass wir bei der Wahl im nächsten Jahr wieder einen Bürgermeister Rainer Lammers kriegen. Als Mitglied der Radwegeinitiative bin ich ganz stark daran interessiert, einen lückenlosen Radweg von Halen bis Osterberg zu bekommen. Richtung Hollage ist das Zukunftsmusik. Und ich wünsche mir noch ein paar Geschäfte, die hier noch nicht vertreten sind, zum Beispiel für Kleidung und Schuhe.

Worüber ärgern Sie sich in der politischen Arbeit am meisten?

Richtig geärgert habe ich mich eigentlich noch nicht. Ich würde es für mich etwas anders formulieren: Über das eine oder andere war ich sehr enttäuscht. Zurzeit ist das der Umgang miteinander in der Lotter Politik, sprich: Jamaika gegen SPD. Ich habe das Gefühl, so kurz vor den Bürgermeisterwahlen ufert das aus, gehen wir nicht mehr objektiv miteinander um. Das ist für mich eine große Enttäuschung. Das macht die politische Arbeit im Moment nicht sehr angenehm, und das ist schade.

Sie sind Mitglied im Haupt- und Finanzausschuss, im Rechnungsprüfungsausschuss und im Wahlprüfungsausschuss. Was reizt Sie an den „drögen“ Finanzthemen?

Der Haupt- und Finanzausschuss war mir unwahrscheinlich wichtig. Die finanzielle Seite der Gemeinde hat mich immer sehr interessiert – gucken, was machbar ist, Prioritäten setzen. Und auch jetzt, bei der Gründung der Stadtwerke Tecklenburger Land , war ich von Anfang an dabei. Dies für Lotte positiv umzusetzen finde ich spannend, für mich ist das überhaupt nicht dröge. Ich wäre auch gern im Schulausschuss, aber man kann nicht alles machen. Da bin ich Ersatzmitglied und besuche fast alle Sitzungen des Schulzweckverbandes, um auf dem laufenden zu bleiben und mitgestalten zu können.

Sie engagieren sich in der Kommunalpolitik, im sozialen Bereich und im kulturellen Leben in Lotte. Was macht Ihnen am meisten Freude?

Als Lesepatin im Kindergarten habe ich mit Drei- bis Sechsjährigen zu tun. Wenn mir da ein Kind in die Arme fliegt, bin ich glücklich. Ich bin keine Künstlerin, aber im Vorstand des Kunstkreises mitzugestalten mache ich sehr, sehr gern. Jeden dritten Mittwoch im Monat sind wir in „Zwei Eichen“ und malen oder basteln mit den Senioren. Das macht sehr viel Spaß; man bekommt so viel zurück. Der Deutsch-Französische Förderverein und der Austausch mit unserer französischen Partnergemeinde Lys-lez-Lannoy sind mir sehr wichtig. Aber was mir am meisten am Herzen liegt, sind die Schwächsten der Gesellschaft.

Wie schafft man das alles, was ist Ihre Kraftquelle?

Es ist schon so, dass man sich seine Zeit einteilen muss. Ohne Terminkalender geht nichts. Aber ich mache das alles gerne, es macht mir viel Freude. Woraus ich Kraft schöpfe: Ich lese gerne, da kann ich wunderbar abschalten. Ich bin gerne mit der Familie und den engsten Freunden zusammen, ich habe zwei wunderbare Töchter und Schwiegersöhne und sechs Enkelkinder zwischen 11 und 23 Jahren. Meine Familie hat immer Priorität. Und ich reise gerne.


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