Musik und Theater im Haus Hehwert Viel Mundart beim Dämmerschoppen der Alt-Lotter Landfrauen

Von Ursula Holtgrewe


Lotte. Ungemütlich und nasskalt war es draußen – ein idealer Anlass, sich im Haus Hehwerth dem gemütlichen 16. Dämmerschoppen der Alt-Lotter Landfrauen anzuschließen. Es gab mundartliche Vertellskes und Gedichte. Die Steinbecker Frauengemeinschaft strapazierte die Lachmuskeln mit dem lebhaften Stück „Et lich wat in’ne Luft“ (Es liegt was in der Luft).

Schon beim Betreten von Lottes „Guter Stube“ ließ sich angeregtes Geplauder hören: Der Saal ist voll besetzt. Viele bienenfleißige Unterstützer hatten die Tische herbstlich dekoriert, boten aufmerksamen Service und trugen für rund 100 Personen Teller mit stärkendem Landfrauenimbiss auf. Die „Hausmusiker“ an den Akkordeons, Hans van den Hout und Peter Plegge, unterhielten mit Wohlklang von Tönen und begleiteten plattdeutschen Lieder, die alle gemeinsam anstimmten.

Gut aufgelegt und charmant begrüßte die Vorsitzende Ilse Lange Gäste und Beitragende. Bürgermeister Rainer Lammers ließ es sich erneut nicht nehmen, Plattdeutsch zu sprechen: „Es ist wunderbar, dass unsere Landfrauen das Plattdeutsche aufleben lassen. Ich freue mich, dass Wersener Frauen auch hier sind. Wir müssen alle zusammenhalten.“ Er berichtete unter anderem Erheiterndes über Tante Elsbeth, die nach außen hin wenig Wert auf ihren Geburtstag legt. Aber wehe, wenn er den hohen Tag vergisst. Dann sei sie sehr nachtragend. Fazit: „Auch wenn ältere Leute etwas vergesslich sind, wenn du sie vergisst, das vergessen sie nicht!“

Die Wersenerinnen Irma Brune und Ruth Schneebeck erheiterten das Publikum mit Vertellskes und anderen amüsanten Beiträgen in regionaler Mundart. Ruth Schneebeck begeisterte sich über die Einladung in den wunderbaren Raum des alten Bauernhauses als hervorragende Kulisse fürs Platt. Sie berichtete Amüsantes über das Schummeldrüsken, einer Bäuerin von früher, die nach der Einkaufstour in Münster auf der Toilette festsitzt und erst tags drauf nach Hause kommt.

Ein Parapluie (französisch: Regenschirm) kam zu Ehren. Ein Pastor und die großen Beschwerlichkeiten vor vielen Jahrzehnten, von Rheine nach Peking zu reisen. Indes: Vor der Rückreise von Peking nach Lotte wird der Bauer gefragt: „Wo willst du denn aussteigen? In Halen, in Lotte oder in Rheine?“

In dem Gedicht über einen „Krintenstuten“ (Korinthenbrot), den der Alt-Lotter Bäcker August Hackmann gebacken haben soll, geht es um einen kleinen Buben, der die Rosinen aus dem frischen Brot herauspult. Streng meint der Pastor, das sei verboten. Der Junge antwortet frech: Erstens gehe den Pastor das gar nichts an, zweitens sei der Frechdachs evangelisch, drittens habe er das Brot bezahlt und viertens habe er eh einen Stuten ohne „Krinten“ holen sollen.

Vortrefflich eingestimmt waren die Dämmerschoppen-Besucher, als es hieß: Bühne frei für „Et lich wat in’ne Luft“. Es ist der Tag der Grundsteinlegung für eine Fischmehlfabrik. Der polternde Bürgermeister Gerd Bockelmann (Margret Rieke) ist genau so erwartungsfroh, wie sein wichtigtuerischer Amtsrat Rehbein (Beate Büchter). Dieser hat ein Auge auf die attraktive Lehrerin Elke Kraft geworfen, die mit dem sympathischen Tierarzt Benno Kruse verbandelt ist.

Das hat Matze (Elisabeth Möllenkamp), Posaunist in der Feuerwehrkapelle, die den Festakt begleiten soll, längst durchschaut. Er sagt zu „Rehbeinchen“: „Es ist wohl jeden Tag Fischtag, aber längst nicht jeder Tag ist Fangtag.“ Matze, der irgendwie ahnt, dass die Fabrik nicht gebaut wird, ist mit Trudi (Melanie Bühren) verbandelt. Sie wird er aber erst heiraten, wenn er ein Motorrad besitzt. Dann gibt es noch den gutmütigen Landstreicher Charly (Marie Lange), der über jede Zuwendung dankbar ist.

Die Entscheidung, die „Stinkefabrik“ auf einem Grundstück zu bauen, dessen Eigentümer vor 40 Jahren auswanderte und für tot erklärt wurde, gefällt längst nicht jedem. Die Einspruchsfrist ist noch nicht abgelaufen und wirklich dringlich ist die Erweiterung der Schule. Was viele schon ahnten, wird dann klar: Charly ist der für tot Erklärte, der sich in Amerika Wohlstand erarbeitet hat. Er sorgt dafür, dass die Grundsteinlegung vollzogen wird – für einen Schulneubau. Und weil Matze in der Kapelle so schön Tuba spielt, bekommt er sein Bike und folglich Trudi obendrein. Also: Ende gut – alles gut.

Wie immer viel zu früh, verabschiedete Ilse Lange die Besucher. Sie betonte: „Wenn ihr uns nicht unterstützen würdet, können wir den Laden dicht machen.“ Dann hieß es vielfach „Auf Wiedersehen“ – bis spätestens beim nächsten Dämmerschoppen.