„Ich habe keinen Tag bereut“ Lottes Vize-Bürgermeister über sein Engagement

Von Angelika Hitzke

Vize-Bürgermeister Walter Ottens auf der Terrasse seines neuen, barrierefreien Hauses in Büren. Der Radwegeausbau und eine demografiegerechte Infrastruktur liegen dem CDU-Ratsherrn besonders am Herzen. Foto: Angelika HitzkeVize-Bürgermeister Walter Ottens auf der Terrasse seines neuen, barrierefreien Hauses in Büren. Der Radwegeausbau und eine demografiegerechte Infrastruktur liegen dem CDU-Ratsherrn besonders am Herzen. Foto: Angelika Hitzke

Lotte. Hochoffiziell große Reden zu schwingen ist nicht seine Sache. Aber auf den Mund gefallen ist Walter Ottens ganz und gar nicht. Im Gespräch mit unserer Zeitung verrät der gelernte Maurer, Polizeibeamte im Ruhestand, Vorsitzende der Soldatenkameradschaft Wersen, CDU-Ratsherr und 1. stellvertretende Bürgermeister von Lotte, wie und warum er zum Engagement in der Kommunalpolitik kam und was ihm besonders am Herzen liegt.

Herr Ottens, wie lange und warum sind Sie kommunalpolitisch aktiv?

Da muss ich erst mal überlegen. Ich bin in Ankum geboren und 1976 nach Osnabrück gezogen. In Osnabrück bin ich 1981 in die Junge Union eingetreten und war dort politisch aktiv. Durch den Umzug 1989 nach Wersen wollte ich weiter aktiv bleiben und bin über die Soldatenkameradschaft Wersen in die CDU gekommen. Das war 1993. Seitdem bin ich hier politisch aktiv und habe es noch nicht einen Tag bereut. Es hat immer Spaß gemacht. Klar gab es auch Höhen und Tiefen, aber ich habe mich immer durchgeboxt. Ich bin durch meine Gradlinigkeit oft angeeckt. Ich sage es schon so, wie ich es denke. Verbiegen lasse ich mich nicht! Ich bin ja inzwischen einer der Ältesten in der Fraktion. Die heutige Fraktion ist ein kompetentes Team in allen Sachfragen.

Welche kommunalpolitischen Ziele sind für Sie zurzeit am wichtigsten?

Wichtig ist, dass die vorhandenen Radwege weiter ausgebaut werden. Schlecht ist, dass es heutzutage an vielen Radwegen wie an der Achmerstraße keine Verkehrszeichen und keine Verpflichtung mehr gibt, den Radweg auch zu benutzen. Das Baulückenkataster (Bauen in zweiter Reihe) muss ständig überprüft und nachgebessert werden. Es gibt so viele große Grundstücke, wo dann die Kinder wieder hinziehen und bauen könnten. Wichtig ist auch die Infrastruktur mit Läden in erreichbarer Nähe. Hier am Bürener Berg ist die Entfernung zu den Lebensmittelgeschäften zu weit, um zu Fuß zu gehen. Deshalb ist es für mich wichtig, dass es eine vernünftige Verbindung zwischen allen Ortsteilen gibt. Die heutigen Busverbindungen dürfen auf keinen Fall wegfallen, das wäre schrecklich.

Wie gut ist Ihrer Meinung nach die interfraktionelle Zusammenarbeit?

Vom Grundsatz her gut. Denn wir sind zwar in verschiedenen Parteien, aber alle Bürger von Lotte. Ich finde, für die gemeinsame Sache ist es gut, dass CDU, FDP und Grüne ein Jamaika-Bündnis gebildet haben und die SPD dann letztlich ja auch mitmacht. Es ist ja nicht so, dass dieses Bündnis auf Ewigkeit geschmiedet ist, sondern immer orientiert an Sachthemen schließen wir uns zusammen. Ist die Idee gut, dann wollen wir das auch durchsetzen, und wir haben dann die Mehrheit. Ein weiteres Thema der interfraktionellen Zusammenarbeit sollte die gemeinsame Diskussion des Masterplans und dessen Umsetzung sein.

Sie sind als CDU-Mitglied 1. Stellvertreter des SPD-Bürgermeisters Rainer Lammers. Zweite Vize-Bürgermeisterin ist Helga Strübbe, ebenfalls SPD. Gibt‘s da mal Meinungsverschiedenheiten?

Wir haben das so vereinbart, dass wir uns zwei- bis dreimal im Jahr zusammensetzen und uns unterhalten, was für Aufgaben jeder übernimmt. Wir vertreten ja die Gemeinde nach außen hin und repräsentieren die Bürger. Da sehe ich kein Problem; die Partei ist da außen vor. Wenn ich als Vertreter zu Geburtstagen oder ähnlichen Anlässen gehe, vertrete sich die Gemeinde, uns alle. Für mich steht in diesem Moment der Mensch im Vordergrund.

Welche Aufgaben übernehmen Sie als Vize-Bürgermeister besonders gern?

Dass ich vor Ort mit den Bürgern sprechen kann, ist schön. Man kennt mich, spricht mich an. Da gibt es Fragen, die müssen nicht immer in großer Sitzung geklärt werden. Vieles kann man auf dem kleinen Dienstweg reparieren. Das ist gut, und das sehen die Bürger auch so. Man vertritt ja auch den Bürgermeister und muss dann schon mal eine Ratssitzung leiten. Aber das kommt selten vor.

Im aktuellen Rat sind Sie nur noch im Wahlprüfungsausschuss reguläres Mitglied, in vier weiteren Ausschüssen nur Stellvertreter. Hat das einen besonderen Grund?

Nein. Das ist so in der konstituierenden Sitzung besprochen worden. Da ich 1. stellvertretender Bürgermeister bin, haben wir gesagt, man muss ja nicht überall drin sein. Es sollten alle mit eingebunden sein. Ich habe gesagt, ich bin immer bereit, einzuspringen, aber muss nicht als ordentliches Mitglied in der ersten Reihe stehen. Das ist okay so.

Sie sind ja auch noch Vorsitzender der Soldatenkameradschaft Wersen und Schöffe am Amtsgericht. Welches Ihrer Ehrenämter frisst am meisten Zeit? Wie viele Stunden im Monat sind das durchschnittlich?

Die meiste Zeit kostet die Fraktion und das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters. Das sind zwischen sechs und acht Termine im Monat, natürlich auch am Samstag oder Sonntag. Aber das ist okay. Als Schöffe habe ich nur zwölf Termine á vier Stunden im Jahr. Das ist nicht der große Zeitaufwand. In der Soldatenkameradschaft treffen wir uns zweimal im Monat, das sind etwa zehn Stunden. Aber ich gehe ja nicht mehr arbeiten, und das ist im Endeffekt stressfrei. Man ist ja mit Freude dabei, dann geht einem das gut von der Hand und man sieht das locker. Das Schöne bei mir ist, ich habe auch noch Freizeit, mache Sport, gehe saunieren. Wir sind öfters auch mal ein paar Tage bei den Kindern. Da ja alles ehrenamtlich ist, da kommt natürlich zuerst die Familie, dann das Ehrenamt. Abschalten muss man auch können – und das kann ich.