Polizei bietet Registrierung an Fahrraddiebstähle in Westerkappeln rückläufig

Von Frank Klausmeyer


Westerkappeln. Bei Lobenbergs wird in Zukunft auf die Fahrräder wohl besonders geachtet. In kurzer Zeit wurden der Familie zwei Drahtesel geklaut. Und auch aus dem Bekanntenkreis hat Mutter Helga Lobenberg vermehrt von solchen Diebstählen gehört. „Die Leute sollten aufpassen“, empfiehlt sie. Die Polizei schließt sich dieser Warnung an, wenngleich Westerkappeln mitnichten eine Hochburg des Fahrraddiebstahls zu sein scheint.

Am 11. August wurde Helga Lobenberg das eigene Rad gestohlen – direkt vor der Haustür an der Neustädter Straße. Vielleicht sei es nicht abgeschlossen gewesen, räumt die Westerkappelnerin ein. Darum hat sie auch erst gar keine Anzeige bei der Polizei erstattet.

Vor einigen Tagen ist das Rad ihres Sohnes an der Tennishalle verschwunden, obwohl es abgeschlossen war. Helga Lobenberg findet es dreist, wie die Täter selbst an belebten Orten oder am helllichten Tage auf Räderklau gehen. „Und keiner weiß, wo die bleiben. Der Bauhof findet keine Räder“, weiß Helga Lobenberg durch Nachfrage.

Einige Räder tauchen doch wieder auf, wie Ordnungsamtsleiter Winfried Praus bestätigt. „Wir haben im Durchschnitt zehn Fundanzeigen pro Jahr.“ Dagegen stünden durchschnittlich 15 Verlustmeldungen. Bei einem Teil dieser Fälle kann es sich auch um eine sogenannte unbefugte Ingebrauchnahme handeln. Irgendwer „leiht“ sich beispielsweise aus Bequemlichkeit ein abgestelltes Rad, um im Dorf von A nach B zu kommen, und lässt es dort einfach stehen. Legal ist das natürlich auch nicht.

Schaut man in die Kriminalitätsstatistik der Polizei, wird deutlich, dass der Fahrradklau in Westerkappeln kein Massendelikt und die Zahl der angezeigten Diebstähle seit Jahren rückläufig ist. 34 Räder wurden vergangenes Jahr in der Gemeinde als gestohlen gemeldet. Mitte der 2000er-Jahre waren es noch doppelt so viele. Bis Ende Oktober dieses Jahres wurden 16 Fahrräder als gestohlen gemeldet. Die Zahlen könnten jetzt in der dunklen Jahreszeit aber noch beträchtlich steigen. 2013 gab es um diese Zeit erst acht Diebstahlsanzeigen.

Westerkappeln bewegt sich, was die Häufigkeit dieser Straftaten angeht, im unteren Bereich der Statistik. In Emsdetten beispielsweise werden mit gut der dreifachen Einwohnerzahl fünfzehnmal so oft Räder gestohlen. 2009 gab es 860 Fälle. Seitdem gehen aber auch dort die Zahlen deutlich zurück.

Johannes Tiltmann, Sprecher der Kreispolizeibehörde in Steinfurt, führt diese positive Entwicklung vor allem auf das Modellprojekt „Kein Fahrrad ohne Nummernschild“ zurück. „Das wird mittlerweile von vielen Behörden kopiert.“ Fahrräder werden mit einem Aufkleber, der die Form eines Kfz-Nummernschildes hat, gekennzeichnet. Die Aufkleber bestehen aus einer Spezialfolie, die ohne Beschädigung nicht vom Fahrradrahmen abzulösen ist, ähnlich einer „Tüv-Plakette“. Die Registrierung macht jede Polizeidienststelle. Einher gehe die Erfassung mit verstärkten Kontrollen von Fahrrädern, erläutert Tiltmann.

Die Zahlen sprechen für den Erfolg des Projektes: Gab es 2009 im ganzen Kreis Steinfurt noch 5212 Fahrraddiebstähle, waren es mit Einführung des Rad-Kennzeichens 2010 über 1000 weniger. Vergangenes Jahr wurden „nur“ noch knapp 3700 Fahrraddiebstähle angezeigt.

Vorbeugen lässt sich den Diebstählen natürlich auch noch anders. „Ein gutes Schloss hilft auch. Das Rad sollte möglichst irgendwo angekettet werden, damit es nicht einfach weggetragen werden kann“, rät Tiltmann.

Vor allem hochwertige Räder sollten nicht unbeaufsichtigt abgestellt werden. Dies gilt insbesondere für E-Bikes, die schnell mal über 2000 Euro kosten können. In jüngerer Zeit seien mehrfach solche Elektroräder vor Kirchen gestohlen worden, dann, wenn die Eigentümer arglos den Gottesdienst besuchen. Wohin die E-Bikes gehen, vermag die Polizei nicht zu sagen. „Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass es hier organisierte Strukturen gibt“, sagt Tiltmann.

Das Modellprojekt „Kein Fahrrad ohne Nummernschild“ wurde 2010 zunächst in Rheine eingeführt und schnell flächendeckend auf den Kreis Steinfurt ausgedehnt. Fahrräder werden gut sichtbar – auch für Polizeikontrollen – mit einem Aufkleber in Form eines Nummernschildes gekennzeichnet. Die Aufkleber bestehen aus einer Spezialfolie. Ein rückstandsloses Entfernen ist nur mit besonderen Chemikalien möglich, ein Abkratzen des Aufklebers hinterlässt Spuren am Lack des Fahrrades. Das Kennzeichen sei so unverwechselbar wie der eigene Fingerabdruck, versichert die Polizei. Der Aufkleber schrecke zuverlässig ab, schaffe hohe Aufklärungsquoten, und die Zahl der polizeilich registrierten Fahrräder werde erhöht. Ein Fahrrad werde nach dem Diebstahl oftmals nur kurze Zeit oder sogar nur einmal benutzt, um anschließend in einem Fluss, Bach, See oder im Gebüsch zu verschwinden. Wird ein herrenloses Fahrrad dann gefunden, lässt sich dank der Registrierung der Besitzer ermitteln. Die kostenlosen Aufkleber werden auch beim Polizeiposten Westerkappeln ausgegeben. Die Fahrräder werden mit Rahmennummer und Kennzeichen in der Fahrradhalterdatei gespeichert.