Trend hilft Friedhofsträgern Auch in Lotte immer mehr pflegeleichte Urnengräber

Von Angelika Hitzke


Lotte. Vier Friedhöfe gibt es in der Gemeinde Lotte: den kommunalen in Büren, den teils von der evangelischen Kirchengemeinde, teils von der Gemeinde getragenen in Alt-Lotte und die beiden evangelischen Friedhöfe in Wersen: den alten schräg gegenüber dem Rathaus an der Westerkappelner Straße und den neuen am Gänsehügel. Reicht das?

Ja, meint Jörg Risse, Fachbereichsleiter Finanzen in der Gemeindeverwaltung, räumt aber ein: „In Büren hatten wir vor einigen Jahren tatsächlich Sorge, dass das nicht ausreicht.“ Daher habe man zum einen versucht, eigene Flächen, die vorher zum Beispiel für auflockernde Beete genutzt wurden, zur Verfügung zu stellen und ausgelaufene Grabstellen neu zu belegen. Zum anderen gehe der Trend seit Jahren zunehmend weg von der Erd- zur Urnenbestattung : „Das spielt uns beim Platzproblem in die Hände.“

Noch vor zehn, 15 Jahren sei diese Bestattungsform „exotisch“ gewesen; höchstens 20 Prozent seien Urnenbestattungen gewesen, berichtet Risse. Inzwischen mache die Nachfrage nach Urnengräbern schon fast drei Viertel bei den 30 bis 40 Bestattungen im Jahr aus. Nur noch ein relativ kleiner Teil der Angehörigen lege Wert auf die herkömmliche Erdbestattung im Reiheneinzel-, Doppel- oder gar Familiengrab. „Früher gab es riesengroße Familiengrabstätten, Zehner- oder Zwölfergräber für die großen Familien aus dem Dorf. Das macht heute keiner mehr“, sagt der Kämmerer.

Die Gründe dafür sieht er in einem „grundsätzlichen Wandel der Familienstrukturen“, in einer veränderten Trauerkultur und der Tatsache, dass viele Angehörige mit der Pflege einer Grabstelle überfordert sind: „Die Älteren können es oft nicht mehr, die Jüngeren wollen es nicht, weil sie zum Beispiel weit weg wohnen und den Bezug gar nicht mehr so haben.“

Die Änderung des Bestattungsgesetzes im Jahr 2005 habe auch Möglichkeiten wie anonyme Grabfelder für Urnenbestattungen oder Aschestreufelder und Friedwälder eröffnet. Die aber würden in Lotte noch nicht nachgefragt.

„Was gefragt ist, sind pflegeleichte Urnengrabstellen“, sagt Risse. Neben den individuell zu gestaltenden und selbst oder von einem beauftragten Gärtner zu pflegenden Urnenreihengräbern biete die Gemeinde in Büren und Alt-Lotte Hügelbeete für Urnenbestattungen an, auf denen die Angehörigen Blumen ablegen könnten. Plaketten an einem Findling künden von den Namen der hier Bestatteten; der genaue Ort, an dem die Urne liegt, ist aber nicht ersichtlich.

Gegen Anonymität

Den evangelischen Kirchengemeinden ist das zu anonym: „Den Trend unterbinden wir“, erklärt etwa Wersens Pastorin Jutta Kiquio, „wir bieten stattdessen Rasengemeinschaftsgrabstätten an, wo direkt am Ort der Urne eine Namensplatte angebracht ist.“ Dort könnten die Angehörigen auch Blumen oder Grabschmuck aufstellen. Diese Art Gräber gibt es auch auf dem kirchlichen Teil des Friedhofs in Alt-Lotte.

Jutta Kiquio bestätigt die verstärkte Nachfrage nach alternativen Bestattungsarten wie zum Beispiel in einem Friedwald . „Wer das vorhat, orientiert sich aber eher nach Bramsche“, ist Risses Erfahrung. Und die evangelische Pastorin aus Wersen betont: „QR-Codes haben wir noch nicht. Da war aber schon mal eine Anfrage.“

Laut Jörg Risse verfügt die Kommune über insgesamt 1500 Grabstätten mit einer Ruhezeit von bis zu 30 Jahren. Freie kommunale Grabstätten gebe es derzeit rund 500 in Büren und 180 in Alt-Lotte. Dort sind auf dem kirchlichen Teil laut Pfarrgemeinsekretärin Heidi Willms nur noch einige wenige („vielleicht 15“) Grabstellen frei, davon das Gros als Zubelegung in Familiengräbern. „Wir sind dabei, den Friedhof zu sanieren“, berichtet sie. Der Architekt sei in der Planungsphase. Auf den beiden kirchlichen Friedhöfen in Wersen kommen insgesamt 633 Grabstätten hinzu – 449 am Gänsehügel, 184 auf dem alten Fiedhof, wo es allerdings keine Urnengräber gibt.

Wie viele Grabstätten derzeit frei sind, dazu wollte
die Kirchengemeinde keine Angaben machen. Aber sowohl am Gänsehügel als auch in Büren böten angrenzende Ackerflächen notfalls noch Erweiterungspotenzial.