Jamaika-Mehrheit lehnt Vorstoß ab Berliner Platz in Lotte muss weiter warten

Von Angelika Hitzke

Öde Betonwüste: der Berliner Platz in Büren.Foto: Jörn MartensÖde Betonwüste: der Berliner Platz in Büren.Foto: Jörn Martens

Lotte. Öde und leblos, mit dem Betonklotz-Charme der 70er Jahre – so präsentiert sich der Berliner Platz in Büren. Dass Handlungsbedarf besteht, ist unter Lottes Kommunalpolitikern unstrittig. Über das Wann und Wie allerdings gehen die Meinungen auseinander.

Im Verkehrs- und Umweltausschuss am Dienstag stand die Umgestaltung des Berliner Platzes auf der Tagesordnung. Rund 400000 Euro einschließlich Planungskosten sollten dafür auf Initiative von Bürgermeister Rainer Lammers und der SPD in den Haushalt 2015 eingestellt werden. Das aber wurde mehrheitlich abgelehnt.

Der Bürgermeister hatte bereits in seiner Haushaltsrede in der jüngsten Ratssitzung anklingen lassen, dass er die im Etatentwurf vorgesehenen 100000 Euro als Anschubfinanzierung für nicht ausreichend hält und für die Aufnahme der gesamten Investitionssumme in den Haushaltsplan plädiert. „Der Platz ist in die Jahre gekommen, hier muss dringend etwas getan werden“, betonte er nun im Ausschuss und verwies darauf, dass die Planung mit den Anliegern einschließlich Sportverein in Gesprächen und Versammlungen abgestimmt sei. Lediglich ein einzelner Eigentümer zweier Gebäude sperre sich gegen die Platzsanierung. Seine Grundstückflächen sind deshalb in den Plänen ausgespart, die Landschaftsarchitektin Nicola Thieme-Hack vorstellte. Die Bodenuntersuchungen hätten ergeben, dass der Untergrund aus schadstoffbelasteter Schlacke besteht und daher ausgetauscht werden muss, erläuterte sie.

Nach jahrelanger Abstimmungsphase soll der vor mehr als 50 Jahren angelegte Platz saniert werden, um für die Bürger und die Geschäfte am Platz mehr Lebens- und Aufenthaltsqualität zu bieten. Allerdings wollten die Anlieger laut Planerin keine Bankgruppen, die dem Platz zu viel Aufenthaltscharakter geben, weil sie Lärmbelästigungen fürchten; zudem müsse es auch künftig ausreichend Parkplätze geben. Geplant sind daher neue Pflasterungen mit klaren Abgrenzungen von Park- und Fahrflächen, zusätzliche Baumanpflanzungen, neue, pflegeleichte Pflanzbeete, Erneuerung von Rampe und Stufen, Handläufe für die Treppen, vandalismussichere Leuchten und eine zeitgemäße Ausstattung mit einzelnen Bänken, Abfallbehältern, Fahrradständern und Pollern. Insgesamt soll ein freundliches Erscheinungsbild entstehen.

Für die SPD begrüßten Hermann Brandebusemeyer und Manfred Garwels ausdrücklich die Initiative des Bürgermeisters. Die Planung sei über Jahre gereift. Selbstverständlich wäre es besser, auch die zehn Prozent Privatfläche am Rand gleich mit zu sanieren: „Aber ich denke, wir haben Verantwortung gegenüber denen, die da jetzt wohnen.“ Deshalb sei es richtig, dies für 2015 einzuplanen. Die Gemeinde solle erst einmal 90 Prozent machen, in der Hoffnung, dass der Eigentümer nachzieht, so Brandebusemeyer.

Steffen Wascher, Dirk Havermeyer und Horst Petersson (CDU) sprachen sich ebenso wie Thomas Engel (FDP) und Diedrich Hesse (Grüne) dagegen aus, den Umbau des Berliner Platzes jetzt schon einzuplanen. Wascher monierte, dass die Planung „drei Jahre unter der Decke gehalten“ worden sei und dass mit dem SPD-Vorstoß „die Ideale des Masterplans über den Haufen geworfen“ würden. Er unterstellte dem Bürgermeister, mit der Priorisierung des Berliner Platzes „Wahlkampf“ machen zu wollen. Petersson meinte, das Thema müsse zuerst in der Masterplan-Kommission besprochen werden. Engel sprach sich für eine einheitliche Gesamtlösung aus, auch wenn dies „noch 30 Jahre“ dauern sollte. Und Hesse betonte, um zur „guten Stube“ Bürens zu werden, brauche der Platz mehr Aufenthaltsqualität: „Wir hätten dies auch im Masterplan gesehen und nicht als vordringliches Projekt.“

Entsprechend fiel das Abstimmungsergebnis aus: Mit sieben gegen vier Stimmen brachte das Jamaika-Bündnis den Vorstoß zu Fall.