Griechische Kultur kennengelernt Lotter Pastorin zum Vikariat nach Athen

Von Renate Lammers

Spannend und unterhaltsam berichtete Pastorin Christine Kükenshöner (links) Christa Pieper und den Frauenhilfeschwestern über ihre Vikariatszeit in Athen. Foto: Renate LammersSpannend und unterhaltsam berichtete Pastorin Christine Kükenshöner (links) Christa Pieper und den Frauenhilfeschwestern über ihre Vikariatszeit in Athen. Foto: Renate Lammers

Lotte. Christine Kükenshöner, Pastorin im Endsendungsdienst in Büren und Wersen, hatte während ihres Vikariates in der „Evangelischen Kirche Deutsche Sprache in Athen“ gearbeitet. Darüber berichtete sie nun der Wersener Frauenhilfe.

Der Weg zur Pastorin verlief bei Christine Kükenshöner nicht geradlinig. Sie interessierte sich schon während des Theologiestudiums sehr für den orthodoxen Glauben und wollte mehr darüber erfahren. Darum erlernte sie im Eilverfahren die griechische Sprache und tauschte für zwei Semester den Vorlesungssaal, um in Athen zu studieren. Die griechische Mentalität und die Menschen haben die junge Frau nachhaltig beeindruckt, sodass sie sich für ihre Vikariatszeit an der deutschen Gemeinde in Athen bewarb. Geschätzte 10000 Deutsche leben in Athen, weshalb die Gemeindegliederzahl mit 500 eher gering sei, wie Christine Kükenshöner anmerkte. Mit eindrucksvollen Fotos bereicherte sie ihr Referat über das Gemeindeleben.

Beeindruckt zeigten sich die Frauenhilfeschwestern von der langen Treppe, die zum Eingangsportal der Kirche führt. Über den hohen Türen prangen zwei Engel. „Das soll die Gottesdienstbesucher an die Himmelspforte erinnern“, erklärte die Pastorin. Es gäbe aber noch einen Aufzug und einen Seiteneingang, der den Zugang für Gehbehinderte erleichtere, fügte sie auf Nachfrage an. In Griechenland herrsche der orthodoxe Glauben traditionell vor. Die Gotteshäuser sind schon durch die Bauart mit den Zwiebeltürmen klar zu erkennen. Im Gegensatz zur Kirche der deutschen Gemeinde, die immer wieder Opfer von Graffitiattacken werde. Mit den Jugendlichen aus der Gemeinde hatte Christine Kükenshöner dann die Schmierereien mit farbenfrohen christlichen Symbolen übermalt.

Die „Evangelische Kirche Deutsche Sprache in Athen“ ist etwas Besonderes. In ihr steht die größte Orgel in ganz Griechenland, verriet die junge Pfarrerin, relativierte das jedoch schnell, denn orthodoxe Christen singen ihre Gottesdienstlieder traditionell ohne instrumentale Begleitung.

Ein weiterer Bestandteil ihrer Arbeit war die Betreuung von Flüchtlingen. Menschen aus den aktuellen Krisengebieten, die zum Teil in Deutschland geboren waren oder einige Jahre gelebt hatten, waren nach Ablehnung ihrer Asylanträge wieder in ihre Heimatländer abgeschoben worden. Einige davon hatten eine erneute Flucht ins sichere Europa gewagt und waren in Athen gestrandet. Ihre Anlaufstelle ist nun die deutsche Kirchengemeinde.

Auch in den Gefängnissen ist die deutsche Gemeinde sozial engagiert. Sie kümmern sich um die inhaftierten deutschen Frauen, „die katholische Gemeinde ist für die Männer da“, berichtete die Referentin. So gerne wie die Deutschen auch im sonnigen Athen leben, nach dem Tod wollen sie aber unbedingt auf dem protestantischen Teil des Athener Friedhofes bestattet werden, weil dort nach den bekannten Ritualen beigesetzt wird. In der griechischen Kultur werden die Verstorbenen nach nur drei Jahren aus ihrem Grab genommen, die Knochen von den Angehörigen gewaschen und in einer Knochenkiste ins Knochenhaus gelegt.

Für einen kleinen revolutionären Auftritt sorgte Kükenshöner in der „Woche der Brüderlichkeit“. Pfarrer verschiedener Konfessionen zelebrieren Gottesdienste, die bisher ausschließlich in männlichen Händen lag. Irritiert, und auch nicht von allen Seelsorgern und Gottesdienstbesuchern für gut befunden, zog die junge Pastorin neben ihren Kollegen in die Kirche ein und hielt ihre Predigt. Von den Frauen habe sie viel Lob bekommen, „von einigen Männern auch, die das aber nicht laut haben sagen mögen“, erzählte sie lachend.