Klaus Martin Lausberg im Lotter Männerkreis: Wir haben viele neue Antworten, aber auch viele neue Fragen Das Klima wandelt sich – auch als Vortragsthema

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Als Stammgast beim „Talk am Dienstag“ erhält Referent Klaus Martin Lausberg (rechts) von Pastor Detlef Salomo besonders lutheranische Dankpräsente.Foto: Thomas NiemeyerAls Stammgast beim „Talk am Dienstag“ erhält Referent Klaus Martin Lausberg (rechts) von Pastor Detlef Salomo besonders lutheranische Dankpräsente.Foto: Thomas Niemeyer

Lotte. Nicht nur das Klima wandelt sich, sondern auch der Umgang der Wissenschaft mit dem Thema Klimawandel. Das verdeutlichte der pensionierte Chemiker Klaus Martin Lausberg aus Tecklenburg bei seinem jüngsten Besuch im Talk am Dienstag des evangelischen Männerkreises in Alt-Lotte.

Als Stammgast in der launigen Männerrunde bekannte der 83-Jährige freimütig, dass er seinen Vortrag zum Klimawandel hier schon einmal gehalten habe, vor sechs Jahren nämlich. Aber dennoch gehe er davon aus, dass seine Zuhörer nur wenig wiedererkennen würden.

Damit spielte er nicht auf die Vergesslichkeit der überwiegend reiferen Herren an, sondern darauf, dass sich seit 2008 in der Betrachtung solcher Phänomene wie Erderwärmung , Anstieg der Meeresspiegel oder extremer Wetterkapriolen einiges getan habe, vor allem aber in deren Interpretation.

Lausbergs Grundthese allerdings hat sich seit 2008 nicht verändert: „Der Klimawandel ist ebenso erwiesen wie die Tatsache, dass dies zumindest teilweise vom Menschen verursacht ist.“ Ansonsten gelte in den Naturwissenschaften: „Wir haben viele neue Antworten, aber auch viele neue Fragen.“

Etwas eingetrübt hat sich aber offenbar bei dem engagierten Christen der lutheranische Grundoptimismus, der einen selbst im Angesicht des unmittelbar bevorstehenden Weltunterganges noch fröhlich ein Apfelbäumchen pflanzen lässt. Seine Tortengrafik mit 15 Möglichkeiten, den schädlichen CO2-Ausstoß zu vermindern und einer weiteren Erderwärmung entgegenzuwirken, präsentierte er diesmal nicht. Freilich pflanzt er selbst weiter Apfelbäumchen, indem er Energie für Heizung und Mobilität einspart, wo er kann. Allerdings hat die Realität der vergangenen sechs Jahre seine Zuversicht in die Breitenwirkung solcher Vorbilder wohl ein wenig reduziert.

In der öffentlichen Debatte habe der Klimawandel lange Zeit nicht die Beachtung gefunden, die er brauche, damit sich die Menschen entsprechend verhielten. Hoffnungen auf Projekte wie riesige Solarkraftwerke in der Sahara hätten sich als technisch undurchführbar erwiesen. Und die Politik formuliere ständig Ziele, die offenbar weder realistisch noch wirklich ernst gemeint seien.

Dabei liegt Lausberg allgemeine Politikschelte fern, da er weiß, dass Parteien mit den notwendigen unangenehmen Botschaften hinter dem Berge hielten, weil sie sonst nicht wiedergewählt würden. Die Wähler, die diese Botschaften nicht hören wollten, seien aber wir selbst, die Bürger. Klaus Martin Lausberg selbst jedoch will nicht wiedergewählt werden, und so hält er auch mit 83 Jahren weiter seine Vorträge, verbreitet auch die unangenehmen Botschaften, allerdings ohne Lust am Untergang, im Gegenteil.

Zahlen zum möglichen Anstieg der Meeresspiegel beispielsweise lässt er weg. „Da gibt es so unterschiedliche Schätzungen, aber nichts Verlässliches“, sagt er und meidet billige Effekte, die nur Panik auslösen sollen. Eines Tages werde die Menschheit aussterben, sicher. Aber solange sich die Erde noch drehe, dürfe man nicht aufhören, tätig zu hoffen. Ja, da ist er wieder, der fröhliche Lutheraner: „Und das sollen wir tun in Verantwortung für die Schöpfung und füreinander.“


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