Schüler, die da sind, um zu helfen Schulsanitäter an der Gemeinschaftshauptschule Wersen

Auch so kann man Mitschüler einwickeln: Die Rettungsfolie gehört zur Ausrüstung der Schulsanitäter der Gemeinschaftshauptschule Wersen, die sich ehrenamtlich um ihre verletzten Mitschüler kümmern. Foto: Babette Rüscher-UfermannAuch so kann man Mitschüler einwickeln: Die Rettungsfolie gehört zur Ausrüstung der Schulsanitäter der Gemeinschaftshauptschule Wersen, die sich ehrenamtlich um ihre verletzten Mitschüler kümmern. Foto: Babette Rüscher-Ufermann

baru Lotte. Der Raum ist klein und spartanisch eingerichtet. Eine Liege steht darin, ein Tisch, drei Stühle, ein Schrank. Das ist die Zentrale der „Schulsanis“ oder korrekt des Schulsanitätsdienstes. Sie liegt neben dem Sekretariat gegenüber der Schulverwaltung. 16 Schüler der Gemeinschaftshauptschule Wersen gehören zum Erste-Hilfe-Team. Sie versorgen ehrenamtlich ihre verletzten Mitschüler. Jeder ist einmal in der Woche einen Schultag lang im Dienst.

An der Glastür zum Verwaltungsflur hängt ein Schild mit den Zeiten, wann die Mädchen und Jungen in den Pausen eintreten dürfen. Das gilt natürlich nicht für die Schulsanitäter und auch nicht für Verletzte. „Wenn die Verletzung schlimmer aussieht, kommt meist eine ganze Traube von Schülern“, weiß Ersthelfer Jan Oliver Jürgenpott zu erzählen. Dann heißt es erst einmal Ordnung in die Situation bringen. Sortieren und die Schüler wegschicken, die nicht verletzt sind, bevor die Wunde versorgt wird. „Wir fragen, was passiert ist und wie“, berichtet der 15-Jährige weiter. Er holt eine Mappe hervor und zeigt den Fragebogen, den die Schulsanitäter mit ihren Mitschülern ausfüllen. Kopfschmerzen, geklemmte Finger oder Nasenbluten gehören glücklicherweise häufiger zum Alltag der Schulsanitäter als zum Beispiel eine Platzwunde. Das Erste-Hilfe-Team kennt sich mit allem aus. Sie verteilen Kühlakkus, haben Pflaster und Verbände. Bei Kopfschmerzen fragen sie ihre Mitschüler, wann sie zuletzt gegessen oder getrunken haben, und begleiten die Jugendlichen an die frische Luft.

Alle Schulsanitäter haben den Erste-Hilfe-Schein. Ein Halbjahr in der siebten Klasse haben sie dafür den Wahlpflichtkurs Erste Hilfe besucht. Pädagogin Melanie Havermeyer unterrichtet dieses Fach. Als Sportlehrerin braucht auch sie die Ausbildung.

„Ich wollte helfen“, erklärt Julian Berisha seine Entscheidung für den Erste-Hilfe-Kurs. Außerdem sehe später ein Betrieb bei der Bewerbung, dass er sich in der Schule engagiert habe, meint der 16-Jährige. Denn die Mitarbeit beim Schulsanitätsdienst erscheint auf dem Zeugnis. Celina Fritzsche ergänzt: „Der Erste-Hilfe-Schein ist auch für den Führerschein nötig.“ Daher sei es praktisch, ihn schon zu haben.

Den Schulsanitätsdienst gibt es seit 2006 an der Gesamthauptschule Wersen. Eingerichtet wurde er, da die Versorgung leichterer Verletzungen nicht mehr über das Sekretariat gewährleistet war. Außerdem sollte die Sicherheit auf dem Schulhof erhöht werden. Die Schulsanis haben im Dienst immer ein Walkie-Talkie und ihre Grundausrüstung bei sich. Auch im Unterricht können sie angefunkt werden, sollte ein Verletzter Hilfe brauchen.

Als Ansporn für ihr Engagement meinen die Aktiven einmütig, dass die Aufgabe Spaß macht und sie helfen wollen. Doch es gibt auch andere Aspekte. „Als Schulsanitäter komme ich mit vielen anderen Mitschülern in Kontakt. So kann ich mich auch mit ihnen anfreunden“, findet Julian. Für Jan Oliver ist es schön zu erleben, dass die Mitschüler ihn als Person sehen, „die hilft, die da ist. Die Schüler sprechen mich an. Sie verstecken sich nicht.“ Manchmal seien es ja auch seelische Verletzungen, bei denen ein „Schulsani“ helfen könne. Zum Beispiel wenn jemand in der Ecke sitzt und weint. Celina erlebt im Schulalltag, dass sie von Schülern, die sie nicht kennt, als Schulsanitäterin „geachtet wird und nicht geärgert“. Das findet sie gut. Und dann gibt es natürlich auch so wunderbare Aspekte wie die Ausflüge, die die „Schulsanis“ gemeinsam unternehmen. „Bei Erste-Hilfe-Wettkämpfen lernen wir die Sanis von anderen Schulen kennen. Wenn ich ehrlich bin, das ist richtig klasse an dem Dienst.“ Ein Pokal steht bereits in der Vitrine der Schule.

Großes Lob kommt von Schulleiterin Annette Ohlig. „Ich würde mich sofort vertrauensvoll in die Hände unserer Schulsanitäter begeben“, erklärt die Rektorin.