Nadelöhr auf der A1-Umgehung K23: Nach 30 Jahren Lösung für Bauerschaft Halen

Von Thomas Niemeyer


Lotte. Viele Halener haben nicht mehr daran geglaubt: Nach 30-jähriger Suche ist endlich eine tragfähige Lösung für das Nadelöhr der Kreisstraße 23 in der Bauerschaft gefunden. Im Herbst 2015 soll der Bau beginnen, rechtzeitig, bevor die Straße verstärkt als Umleitung für die Autobahn 1 während des Neubaus der Dütebrücke ab 2016 benötigt wird.

Kreisbaudezernent Franz Niederau war selbst nach Wersen geeilt, um die gute Nachricht zusammen mit Bürgermeister Rainer Lammers zu verkünden: Unmittelbar vor Ablauf der Frist für den Verfall der Zuschusszusagen aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz hatte der letzte Grundeigentümer „nach langen, schwierigen Verhandlungen“ seine Abtretungserklärung unterzeichnet, sodass jetzt die Bauerlaubnis erfolgen kann.

Ohne die rund 60 Prozent der veranschlagten Gesamtkosten von etwa 800000 Euro wäre das Projekt aus dem Kreishaushalt gestrichen worden und zumindest für Jahrzehnte tot gewesen, erklärte Niederau. Er dankte Lammers ganz persönlich für seinen jahrzehntelangen intensiven Einsatz vor Ort, „ohne den wir das nicht hingekriegt hätten“.

Lammers reichte die Blumen gleich weiter: „Ich danke allen Anliegern, dass sie doch noch die Bereitschaft aufgebracht haben, dieses Problem im Sinne der Sicherheit der Anwohner und des Straßenverkehrs zu lösen.“

Einer dieser Anlieger ist Hartmut Meyer , der für die neue Trasse einen Teil seines Waldes zwischen Halener und Achmerstraße hergibt. Am Scheitelpunkt der Bergkuppe vor Hof Havermeyer wird die K23 rechts auf die vom Orkan Kyrill geschlagene Schneise verschwenkt und mündet nach etwa 150 Metern gegenüber dem Hof Meyer auf die K15. Der enge Bogen zwischen Havermeyer und Hof Steinmeier wird für den Durchgangsverkehr stillgelegt und zur Gemeindestraße umgewidmet.

Da Wilhelm Kohnhorst zu keinerlei Zugeständnissen in Bezug auf die Engstelle vor seinem nördlich anschließenden Hof bereit war, sorgte sein Gegenüber Ulrich Steinmann dafür, dass es eine zweitbeste Lösung gab: Die Straße, ab hier beidseitig mit Radwegen versehen, rückt näher an seine Hofgebäude heran und schließt dann am Ortseingang Halen an die intakte Achmerstraße an.

Für eine unvorhergesehene Verzögerung sorgen Umweltauflagen. Für die noch zu fällenden Bäume in Meyers Wald muss Ausgleich und Ersatz geschaffen werden; zudem fordert ein Fledermausvorkommen Artenschutzmaßnahmen, die nun aber laut Niederau unverzüglich vorgezogen werden sollen. Parallel läuft nun die konkrete Planung an, sodass das Projekt auch Thema im Lotter Bauausschuss am Dienstag, 2. Dezember, sein wird.

Mit dem eigentlichen Baubeginn rechnet Franz Niederau im kommenden Herbst. Bei einer geplanten Bauzeit von etwa einem halben Jahr würde die neue Kreisstraße 23 dann punktgenau zum Beginn des Abbruchs der Dütebrücke der A1 fertig, kalkuliert Stephan Selker, Leiter des Straßenbauamtes des Kreises Steinfurt. Das müsse auch sein, weil die K23 nach den Erfahrungen mit dem sechsstreifigen Ausbau der A1 auch während des vierjährigen Brückenbaus erheblich in Anspruch genommen werden dürfte.

Selker, der bereits seit 23 Jahren mit dem Halener Projekt befasst ist, ist wie seinem Dezernenten die Erleichterung über die nun vereinbarte Lösung anzumerken. Er hofft, dass allen Beteiligten nun auch für die restliche Zeit das Glück hold bleibt und sich auf diesem extrem engen Teilstück der K23 weiterhin kein schwerer Unfall ereignet. Denn das sei das Wichtigste: die Verkehrssicherheit, die in der bestehenden Situation definitiv nicht gewährleistet sei.

Alle Bemühungen, die der Kreis und die Gemeinde Lotte seit 1990 anstellten, als die deutsche Einheit geradezu für eine Explosion des Güterlastverkehrs auch auf der A1 sorgte, schlugen bisher fehl. Pläne, eine völlig neue Trasse über den Esch oder entlang der Bahnlinie durch das Überschwemmungsgebiet der Hase zu bauen, erwiesen sich als illusorisch. Jeder kleineren Lösung innerhalb der Bauerschaft standen Anliegerinteressen entgegen.

„Ich kenne die Situation und die Menschen hier ja von Kindesbeinen an“, sagte Rainer Lammers. „Deshalb bin ich ja so dankbar, dass wir es gemeinsam geschafft haben.“