Wo Kinder den Abschlag üben Lotter Golfklub im Dütetal setzt auf Jugendarbeit

Von Jannik Zeiser

Auf der Driving Range: Trainerin Florine Albrecht bringt dem fünfjährigen Hans-Willem den Umgang mit Schläger und Ball bei. Foto: Jannik ZeiserAuf der Driving Range: Trainerin Florine Albrecht bringt dem fünfjährigen Hans-Willem den Umgang mit Schläger und Ball bei. Foto: Jannik Zeiser

Lotte. Wenn auch der Name anderes vermuten lässt – der Golfklub Osnabrück-Dütetal liegt auf Lotter Grund. In reizvoller Landschaft zwischen Alt-Lotte und Wersen gehen Golfer der Umgebung hier ihrer Sportart nach. Diese ist nicht gerade im Breitensport angesiedelt; gemeinhin herrscht eher das Bild des elitären Golfers vor. Wie sieht es da mit dem Nachwuchs aus, ist der Golfklub vom Vereinssterben bedroht?

Hinsichtlich dieser Frage kann Klubmanager Oliver Prüter Entwarnung geben: „Die Jugendarbeit spielt für die Vereinsgesundheit eine geringe Rolle“, erklärt er. Was die Finanzierung der Anlage angehe, so seien eher die erwachsenen Mitglieder für den Verein interessant. Die Idee, mit einer Investition in die Jugend gleichzeitig die Zukunft des Klubs zu sichern, sei nicht sehr realistisch. „Die wenigsten Jugendlichen bleiben bis ins Erwachsenenalter hier vor Ort dabei. Viele gehen zum Studieren oder Arbeiten woanders hin und besinnen sich erst später auf den Golfsport zurück – dann vielleicht in anderen Klubs“, so Prüter. Dennoch ist die Jugendarbeit ein wichtiges Anliegen des Vereins. Man wolle gerne weg vom elitären Image des Sports und sich dabei auch verstärkt für den Nachwuchs öffnen.

Etwa 30 Kinder- und Jugendliche trainieren derzeit auf dem Gelände. Ginge es nach Jugendtrainer Christoph Seffrin, sollten es gerne noch einige mehr werden. Mindestens 60 Jugendliche hat der Trainer als Ziel im Sinn. Viele der jungen Golfer finden über ihre Eltern zur Sportart. Das ist beim Lotter Klub nicht anders. Aber auch Jugendliche, deren Eltern nicht im Golfsport zu Hause sind, finden sich zunehmend im Jugendtraining. „Das Verhältnis ist etwa 50 zu 50“, schätzt Seffrin.

Kooperation mit Schulen

In Kooperationen mit Schulen, wie etwa dem Osnabrücker Ratsgymnasium , erhalten Jugendliche die Gelegenheit, mal etwas Golfplatzluft zu schnuppern. Von diesen Kooperationen bleiben aber erfahrungsgemäß nicht allzu viele Begeisterte übrig, weiß der Trainer zu berichten. Besonders leicht hat es Golf auch nicht in Konkurrenz mit anderen Freizeitaktivitäten der jungen Menschen. Klassische Breitensportarten wie Fußball, Handball oder Tennis kämen natürlich dem jugendlichen Bewegungsdrang eher entgegen, gesteht Christoph Seffrin zu. Prinzipiell sei es daher sinnvoll, das ruhige Golf mit einer Bewegungssportart zu kombinieren. „Beim Golf kommt es eher auf Koordination und Konzentration an. Es ist nichts zum Auspowern.“

Was den Wettbewerbsaspekt angeht, so findet man wie bei anderen Sportarten auch ein Ligensystem, Mannschaftsspiele und Klubturniere vor. Bei einem nordrhein-westfälischen Landesturnier hat eine der beiden Jugendmannschaften des Klubs Osnabrück-Dütetal in diesem Sommer den sechsten Platz belegt. In der Jugendarbeit wartet der Verein außerdem mit regelmäßigen Jugendcamps auf.

Für alle Golfanfänger jedoch gilt: Bevor auf dem großen Platz gespielt werden kann, ist der Erwerb der Platzerlaubnis obligatorisch. Das könne man sich ähnlich vorstellen wie bei einer Führerscheinprüfung, erklärt Seffrin. Es komme vor allem auf grundlegende Verhaltensregeln auf dem Platz an. „Ein wenig wie im Straßenverkehr.“

Wer noch keine Platzerlaubnis hat, der übt unter anderem Abschläge auf der sogenannten Driving Range. Hier gibt C-Trainerin Florine Albrecht den jüngsten der Golfschüler Unterricht. Dabei geht es eher spielerisch zu: Vor und nach der Trainingseinheit toben sich die Kinder bei kleinen Spielchen aus. Dazwischen üben sie den Umgang mit Schläger und Ball. Fünf bis neun Jahre sind die Kinder der heutigen fünfköpfigen Runde alt. Wie viele große Golfer schätzen sie bereits die frische Luft und das schöne Gelände als Vorzüge des Sports. „Das Abschlagen macht Spaß“, erzählt außerdem der achtjährige Tristan. Max, neun Jahre alt, spielt schon, seitdem er sieben ist. „Max könnte, wenn er will, schon bald die Platzreife bekommen“, sagt Florine. Sie selbst spielt mit 17 Jahren noch in der Jugendabteilung des Klubs und hat dort in diesem Jahr erneut den Titel der Jugendklubmeisterin errungen. „Ich habe mit acht Jahren angefangen. Wir haben damals eine Familiensportart gesucht, das ist dann Golf geworden“, berichtet sie von ihrem persönlichen Einstieg. Als Mädchen gehört sie jedoch eher einer Minderheit an. Woran das liegt, kann sie sich nicht wirklich erklären. Auch Christoph Seffrin mutmaßt nur: „Vielleicht hat es damit zu tun, dass Golf als Ballsportart eher Jungen anzieht.“ Dabei betont er jedoch, dass, unabhängig vom Geschlecht, Golf ein Sport für jedermann sei.

Schnupperangebote

Für Golfinteressierte jeden Alters bietet der Club regelmäßige Schnupperkurse an. Die beginnen jedoch erst im März nächsten Jahres wieder. Für 2014 geht die Saison langsam, aber sicher zu Ende. Zu guter Letzt bleibt die nicht ganz unwichtige Frage: Ist der Kostenfaktor vielleicht ein Grund für das nach wie vor elitäre Image des Golfsports? Ganz von der Hand zu weisen ist diese Überlegung nicht, schlägt sich die Unterhaltung der etwa 100 Hektar großen Anlage doch im Mitgliedsbeitrag nieder, der im Vergleich zu anderen Sportvereinen recht hoch ist. Für Kinder und Jugendliche gibt es jedoch relativ günstige Angebote, die der Homepage des Clubs zu entnehmen sind: www.golf-duetetal.de .