Fußabdrücke im Wersener Holz Lotter Kinder nehmen an Waldjugendspielen teil

Von Erna Berg


Lotte. Rund 300 Kinder aus Westerkappeln und Lotte haben in dieser Woche ihre Fußabdrücke im Werser Holz hinterlassen. Sie waren die Teilnehmer der Waldjugendspiele 2014, die seit 16 Jahren in Wersens herrlichen Wäldern großes Interesse finden.

Eine fleißige Helferschar um Cheforganisator Werner Nienhüser trug zum Gelingen dieser lehrreichen Spiele bei. Schon in der dunklen Frühe des Morgens bereiteten sie zwölf Stationen auf dem etwa zweieinhalb Kilometer langen Rundweg vor. Ungefähr anderthalb Stunden benötigte eine Gruppe vom Start bis zum Ziel.

Am Dienstag begrüßte Werner Nienhüser die Westerkappelner Schulen, die ehemalige Lotter Umweltbeauftragte Kornelia Lauxtermann und Esther Susewind von der Unteren Landschaftsbehörde. Sie ist Projektkoordinatorin für „ Hotspot 22 “ mit dem Titel: „Wege zur Vielfalt – Lebensadern auf Sand“.

Die Viertklässler der drei Lotter Schulen empfing Nienhüser am Mittwochvormittag. Mit dabei diesmal Lottes Umweltbeauftragte Ursula Wilms-Chemnitz und Praktikantin Marie Lienemann. Gleich zu Beginn bat er die Schüler, nicht auf die Silos von Bauer Schwegmann zu klettern: „Wenn da Löcher reinkommen, kann sich Schimmelpilz bilden, der sehr gefährlich für Rinder und Kühe ist.“

Mit guten Ratschlägen, Waldgeboten und Arbeitsbögen schickten er und Michael Puke vom Hegering Westerkappeln die Gruppen in den Wald: „Bleibt auf den Weg. Werft keinen Abfall weg und zerstört keine Pflanzen.“ Er erklärte, dass Kräuter am Wegesrand manchmal wichtig seien für kranke Tiere. „Rehe können nicht einfach zur Apotheke gehen und sich das richtige Heilkraut kaufen, aber sie wissen, wo es im Wald zu finden ist.“ Noch ein Bonbon mit Sinn bekamen die Schüler mit auf den abwechslungsreichen Weg.

In den Schnüffelboxen meinten Luca und Luc, Romy und Lars, Nele und Julia Tagetes und Basilikum zu erkennen. Nach kurzer Diskussion einigten sie sich darauf, dass der Specht – und nicht der Förster – der Zimmermann des Waldes ist. Bundesförster Rainer Schmidt ließ die Länge eines gefällten Kiefernstammes schätzen und beantwortete viele Fragen. „Der Förster ist der Bauer des Waldes, er bewirtschaftet den Wald“, erklärte er seine Arbeit.

Rolf Westermeyer und Friedrich-Wilhelm Havermeyer vom Hegering Lotte hielten Sitzstöcke und Ferngläser bereit und forderten die Kinder auf Tiere zu entdecken. „Das ist doch nicht echt!“, rief Nele, die einen Rehbock entdeckt hatte. Echt waren natürlich auch nicht Steinmarder, Fuchs, Eule, Eichhörnchen und Fasan an der Station von Jägerin Veronika Wünsche. „Dort hängt die Polizei des Waldes“, wollte sie gerade erklären, als ein Kind entsetzt fragte. „Wo hängt ein Polizist?“ Die Aufregung legte sich schnell, es handelte sich nämlich nur um den schönen bunten Eichelhäher.

An der Flaßpöhle, einem ehemaligen Löschwasserteich, luden Dieter Zehm vom Heimatverein und Ursula Wilm-Chemnitz die Kinder zum Wassertemperatur messen und sportlichen Tannenzapfen-Zielwerfen ein. Nele und Romy dokumentierten jede Antwort auf dem Gruppen-Arbeitsbogen. Als sie auf dem weiteren Weg eine Unterhose im Baum entdeckten, wussten sie gleich Bescheid. „Die gehört nicht in den Wald!“ Jäger Florenz Siebelmann erklärte den Schülern, was man für die Jagd und andere wichtige Aufgaben so benötigt. Mit der Mauspfeife kann er Füchse und mit der Rehblatter Rehböcke anlocken. Die Kinder fanden das Jagen gar nicht gut, doch Siebelmann betonte, dass die Jäger den Abschussplan der Behörden einhalten müssen.

Mit Unterstützung von Kammerförster Ansgar Bregen-Meiners durften die Kinder einen kleinen Ast durchsägen und lernten die Namen der übrigen Werkzeuge kennen. Auf der Zielgerade erklärte Wolfgang Teepe vom Hegering Westerkappeln, dass Pflanzen und Tiere helfen, alte liegen gebliebene Holzstämme wieder in fruchtbare Erde umzuwandeln. Und was sollte das Bonbon, das unterwegs schon gegessen worden war? Hatten alle Kinder das Papier wieder mitgebracht oder weggeworfen? Als Beweis musste jede Gruppe das Papier an die Arbeitsbögen heften. Das eine oder andere war wohl aus einem Hosentaschenloch gerutscht.

Bei Werner Nienhüser und seinem Waldteam sprießen schon neue Ideen zu den kommenden Waldjugendspielen, die fester Bestandteil des Schulunterrichts sind: „Ich möchte die Spiele gerne irgendwann zertifizieren lassen“, wünscht er sich.