Aufmerksame Nachbarschaft Schwalbennester in Lotte gerettet

Meine Nachrichten

Um das Thema Lotte Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Unter anderem diese beiden Schwalbennester wurden jetzt in Lotte gerettet. Foto: Peter HunkerUnter anderem diese beiden Schwalbennester wurden jetzt in Lotte gerettet. Foto: Peter Hunker

Lotte. Das ist gerade noch einmal gut gegangen: Dank aufmerksamer Nachbarschaft, einem mitdenkenden Malermeister und der Sachkenntnis der Unteren Landschaftsbehörde des Landkreises Steinfurt wurde jetzt eine ganze Kolonie von Schwalbennestern in Lotte gerettet.

Hintergrund: Malermeister Frank Voigtländer aus Lotte hatte von der Hausverwaltung den Auftrag erhalten, an Gebäuden an der Atterstraße die Holzverschalungen zu streichen – mit dem Hinweis, erst anzufangen, wenn die Vögel nicht mehr brüten. Dieser Hinweis mag bei einigen Vogelarten und Ausnahmesituationen gelten, nicht aber bei Schwalben, Mauerseglern und Bodenbrütern. Manche Arten sind vom Aussterben bedroht und daher besonders schützenswert.

Die Wersener Mehlschwalben sind zwar schon auf dem Langstreckenflug in wärmere Gefilde, doch das Zerstören ihrer Nester ist auch bei Abwesenheit gesetzlich untersagt. Wird das Entfernen angezeigt, drohen hohe Strafen. Das wussten auch Herbert Hunker und Sohn Peter, die beobachtet hatten, wie der Malermeister mit seinem Hubwagen in die Höhe fuhr und mit der Arbeit begann. Sie wiesen ihn darauf hin, dass die Nester nicht entfernt werden dürfen. Der Malermeister hatte sich vorsichtshalber bei Lottes Umweltbeauftragter Ursula Wilm-Chemnitz erkundigt. Diese versicherte sich wiederum bei der Unteren Landschaftsbehörde, wie das Problem am besten zu handhaben sei.

Hildegard Röckener ist Ansprechperson für Biotope und Artenschutz bei der Landschaftsbehörde. Sie bestätigte: „Schwalbennester sind gesetzlich geschützt. Sie dürfen nicht entfernt oder beschädigt werden, denn die Bewohner kehren im nächsten Jahr oft in das alte Nest zurück.“ Sie empfahl Malermeister Voigtländer, das Holz um die Lehmnester herum zu streichen. Da die Schwalben nicht mehr da sind, werden sie somit auch derzeit nicht gestört.

Ein Blick auf die rechtlichen Hintergründe zeigt: Schwalbennester dürfen nur in begründeten Ausnahmefällen entfernt werden. Dann ist der Hausbesitzer verpflichtet, künstliche Nisthilfen als Alternative anzubringen. Dächer und Dachrinnen sollten zum Schutz der Mehlschwalben nur außerhalb der Brut- und Aufzuchtzeiten erneuert werden – der Naturschutzbund NABU empfiehlt in diesem Zusammenhang die Zeit zwischen Anfang Oktober und Ende Februar.

Für die einen gelten Schwalben als Glückbringer oder Frühlingsboten, andere ärgern sich über den Kot an Hauswänden und auf dem Boden. „Mit einem Brett unter dem Nest lässt sich da schnell und sicher Abhilfe schaffen“, schlägt Peter Hunker vor. Er ist Realschullehrer, unterstützt wie sein Vater den Naturschutz. Er versuche, seinen Schülern stets einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur zu vermitteln. Hunker hat jedes Nest fotografiert und will das Leben der zurückkehrenden Schwalben im nächsten Frühling genau beobachten. Das ist möglich, weil Malermeister, Nachbarschaft und Umweltbehörde richtig reagiert haben.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN