Eine Veranstaltung für alle Sinne Seniorennachmittag der evangelischen Gemeinde in Lotte

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Für Unterhaltung mit allen Sinnen sorgten (von links) Pianistin Viola Mokrosch, Referent Franz-Josef Schlie, Pastor Fritz Aißlinger und Sopranistin Katja Rothfuss. Foto: Erna BergFür Unterhaltung mit allen Sinnen sorgten (von links) Pianistin Viola Mokrosch, Referent Franz-Josef Schlie, Pastor Fritz Aißlinger und Sopranistin Katja Rothfuss. Foto: Erna Berg

Lotte. Wunderbarer Gesang, gefühlvolle Klänge am Klavier, ein spannender historischer Bildervortrag, eine einladende Kaffeetafel und wohltuende geistliche Worte machten den Seniorennachmittag der evangelischen Kirchengemeinde zu einem Erlebnis für alle Sinne. Auch Gäste aus der Nachbargemeinde Büren wurden von den Presbytern herzlich willkommen geheißen.

In Vertretung für Pfarrerin Jutta Kiquio, zurzeit in Urlaub, begrüßte Pastor Fritz Aißlinger – eigentlich im Ruhestand, aber immer gerne im Einsatz – die erwartungsvollen Gäste: „Urlaub ist das schönste Laub, was auf Erden fällt.“ Am Klavier begleitete Franz-Josef Schlie die singenden Gemeindemitglieder, bevor Theologe Aißlinger mit der ermutigenden Andacht begann. Anhand der Bedeutung der fünf Finger zeigte er, dass die Menschen sich auf Gott verlassen können, wie Jesus es durch seine letzten Worte vor seinem Tod selber tat: „In deine Hände, Herr, lege ich voll Vertrauen meinen Geist.“

Fingervergleiche

Nicht alle wussten, dass der Daumen der am besten versicherte Finger ist. „Ohne den können wir nicht mal eine Tasse Kaffee greifen. So wichtig ist auch unser Gott für uns, der uns durchs Leben begleitet und uns hält“, verglich Aißlinger. Der Zeigefinger würde leider häufig gebraucht, um auf andere zu zeigen. „Dabei zeigen drei Finger dann auf uns selbst. Wir sollten ihn lieber nutzen, um jemanden hilfreich auf etwas hinzuweisen.“ Der kleine Finger berührt Kostbares, Winziges ohne Schaden anzurichten. „So behutsam geht Gott mit uns um, gibt uns ab und zu einen Stupser zum Aufwachen und Überdenken.“

Der Ringfinger sei auch gleichzeitig der Treuefinger, er trage ein Versprechen. „Auch Gott steht zu uns, wie er es versprochen hat. Seine Gnade wird nie von uns weichen“, betonte der Theologe. Der Mittelfinger habe wohl einen schlechten Ruf als Stinkefinger, doch ist er auch der längste, mit dem man etwas Entferntes erreichen könne. „Das versucht Gott auch, uns noch irgendwie zu erreichen, wenn uns die Freuden oder das Elend des Lebens abdriften lassen.“

Eingerahmt von zwei musikalischen Auftritten schilderte Franz-Josef Schlie in einem bilderreichen Vortrag das Leben des U-Boot-Kommandanten, Pazifisten, Theologen, Preußen und Schriftsteller Martin Niemöller, der sehr eng mit Wersen und Westerkappeln verbunden war. Er starb 1984 und wurde auf eigenen Wunsch auf dem alten Friedhof in Wersen begraben. Das Grab wurde mittlerweile in die Denkmalliste aufgenommen. Einige Zuhörer bereicherten den spannenden Vortrag mit eigenem Wissen, einige waren dem streitbaren Niemöller mit der umstrittenen Biografie persönlich begegnet. Er hatte sogar einst in der Gaststätte Hollenberg beim Männergesangverein Wersen mitgesungen.

Liebe im Fokus

Lieder von den hellen und dunklen Seiten der Liebe präsentierten Katja Rothfuss und Viola Mokrosch. Lieder mit Wehmut, Traurigkeit, Ironie, Illusionen von ewiger Liebe und Treue, herrlich interpretiert von der Sopranistin Rothfuss und der Pianistin Mokrosch, die eigentlich lieber am Flügel ihr Können zeigt. Vor jedem Lied rezitierten sie den begeisterten Zuhörern die Gedichte voller Ausdruckskraft mit Gestik und Mimik. Mit wunderbarer klarer Stimme und Strahlkraft interpretierte die Sopranistin erlesene Lieder von Johannes Brahms und Richard Strauss, mal schwärmerisch oder betörend, mal keck oder berührend, mal sehnsuchtsvoll.

„Habe Dank“, hieß das letzte Lied von Richard Strauß. „Habe Dank“, sagte auch Fritz Aißlinger am Ende des schönen Nachmittags, der tüchtig in die Verlängerung gegangen war, allen fleißigen Helfern und Mitgestaltern.


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