Straßentaufe: Maikäfer, Mähbinder oder Monika? Aldi baut Ökoladen in Lotte

Meine Nachrichten

Um das Thema Lotte Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Lotte. Aldi baut neu in Lotte und setzt dabei hohe ökologische Standards um. Zudem wählte der Bauausschuss Namen für neue Straßen am Schabergs Esch in Wersen aus.

Über einen Grundsatzbeschluss des Gemeinderates hat sich sein Bau- und Planungsausschuss am Dienstag hinweggesetzt. Als Skandal aber taugt das nicht: Es ging um Straßennamen im Wersener Baugebiet „Schabergs Esch“. Zuvor gab das Gremium mit einem Aufstellungsbeschluss einmütig grünes Licht für die Planung des Aldi-Neubaus an der Jahnstraße in Alt-Lotte.

Ingo Zabel, bei dem Lebensmitteldiscounter verantwortlich für dessen Immobilien in der Region, stellte sein Konzept vor: höher, breiter, großzügiger, kundenfreundlicher. Der von 800 auf 1000 Quadratmeter anwachsende Neubau soll zudem nach Osten die Jahnstraße hinauf rücken, fast bis auf die Höhe der Sporthalle. Dafür entfällt dort die obere Einfahrt.

Zabels Schilderung der neuen Aldi-Bauart vermittelte manchem den Eindruck eines Ökoladens: mehr Fenster fürs Tageslicht, eine große Fotovoltaikanlage zur Eigenstromversorgung am Dach, Nutzung der Abwärme der Kühlung zum Heizen im Sommer. Das gehe in Teilen über die heute geltenden Umweltstandards hinaus, versicherte Zabel und fand Lob bei allen Fraktionen. So kann die Planung für die vier bis sechs Monate Bauzeit beginnen, während der nach Abriss des Altbaus eventuell ein Zelt als Übergangslösung aufgestellt wird.

Streit um Straßennamen

Gegen die Stimme von Grünen-Fraktionschef Dieter Hörnschemeyer einigte sich das Gremium dann auf die Namen für die vier vorgesehenen Straßen an Schabergs Esch . Edith ten Thoren vom Bauamt hatte für die Haupterschließungsstraße „Auf dem Esch“ und für die Nebenstraßen alternativ „Maikäfer-“, „Bienen-“ und „Hummelweg“ oder „Mähbinder-“, Mühlstein-“ und „Sichterweg“ vorgeschlagen.

Das rief Grünen-Ratsherr Stefan Franke auf den Plan, der auf einen Ratsbeschluss verwies, wonach für Straßen Frauennamen genutzt werden sollten, wenn kein Bezug zum Flurnamen herzustellen sei. Insofern sei „Auf dem Esch“ in Ordnung, Namen von Insekten oder alten Maschinen zur Getreideverarbeitung aber nicht.

Gerade die historischen Maschinenbezeichnungen, die einen Bezug zu den früheren Getreidefeldern herstellen und so im Bewusstsein gehalten werden können, gefiel der Mehrheit jedoch besser als willkürlich ausgewählte Frauennamen. So jedenfalls fasste es Ute Saeger (CDU) zusammen.

Einen zweiten Anlauf Frankes zugunsten der Frauennamen wehrte Bürgermeister Rainer Lammers mit dem Hinweis ab, er könne sich an einen solchen Beschluss gar nicht erinnern. Falls es ihn gebe, was er gerne glaube, frage er sich aber schon, „ob das damals so ein sinnvoller Beschluss war“.

Entsprechend entschied die Mehrheit, änderte lediglich den „Mühlstein-“ in „Mahlsteinweg“ um, damit es nicht zu Verwechslungen mit dem „Mühlenweg“ komme, insbesondere für Rettungskräfte, wie Susanne Siemering (SPD) anmerkte. Die Gesamtlösung schien dann doch recht überzeugend, da am Ende auch Stefan Franke nicht mehr dagegen stimmte, sondern sich enthielt.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN