Spinnkreis bereitet sich vor Wolle aus Wersen für lange Herbstabende

Von Erna Berg

Echte Handarbeit: Die Frauen des Spinnkreises zupfen und reinigen die Schafwolle. Foto: BergEchte Handarbeit: Die Frauen des Spinnkreises zupfen und reinigen die Schafwolle. Foto: Berg

Lotte. Die langen Abende sind nicht mehr fern, der Herbst sendet schon seine Vorboten aus. Da wird es Zeit, sich auf gemütliche Stunden im Wohnzimmer vorzubereiten. Vergangene Woche trafen sich sieben Frauen aus dem Spinnkreis des Wersener Heimatvereins zum Schafwolle waschen, damit sie bald wieder mit dem gemeinsamen Spinnen in den Abendstunden beginnen können.

Margret Echelmeyer hatte die Wolle aus einer Schur des vergangenen Jahres in einer großen Plastiktüte aufbewahrt und verteilte sie an ihre Spinnschwestern. Zunächst sah die Wolle noch recht unappetitlich mit ihren braunen Stellen aus, sogar Läuse sollten angeblich noch drin sein. „Schafsläuse sind gut gegen Gelbsucht, Leberentzündungen und Lungenkrankheiten“, wusste Margret Echelmeyer. Ein Pastor aus Mettingen habe einst an einer Leberentzündung gelitten, berichtete sie auf Plattdeutsch. Seine weise Frau buk deshalb nach altem Heilrezept Kartoffelpfannkuchen mit lebendigen Schafsläusen, die er aß, unwissend, welch knusprige Zutaten da drin waren. „Der Pastor ist wieder gesund und obendrein sehr alt geworden“, betonte die Gastgeberin, versicherte aber auch, dass in der vorliegenden Wolle alle Läuse tot seien.

Die meisten Frauen bevorzugten dennoch beim Wolle zupfen Einmalhandschuhe. Margret Echelmeyer hingegen freute sich über die kostenlose Handpflege, denn die ungewaschene Wolle enthält viel Fett. Nachdem die braunen „Schietklotten“ und Verfilzungen entfernt waren, wurde die federleichte Wolle mit reichlich, handwarmem Sodawasser gewaschen und dadurch entfettet. Viel heller war sie jetzt geworden, als sie gewaschen und gespült in den bunten Körben auf den nächsten Gang wartete. In Kopfkissen gepackt, wurde sie getrocknet und schließlich zum sogenannten Kadieren, dem Verarbeiten zu spinnbarem Flor, an eine Fachfirma geschickt.

Seit über 25 Jahren pflegen die Frauen jetzt schon ihr wolliges Hobby und haben viele Erfahrungen gemacht. Ins Leben gerufen hat Ruth Schneebeck die Spinnerei. Ihre Tochter hatte sie damals dazu überredet in Wersen einen Spinnkreis zu gründen und ihr das Spinnen beigebracht. Ruth Schneebeck suchte in der Frauenhilfe Interessentinnen, die eine Woche lang im Gemeindehaus und zu Hause übten. „Ich hab einmal bis vier Uhr morgens geübt, dann klappte es“, erinnerte sich Luise Tegeler an diese intensive Woche zurück. Bei den Echelmeyers wollte Ehemann Friedel so gerne mitmachen: „Lass mich doch wenigstens treten“, schlug er seiner Margret vor. Doch damit war sie nicht einverstanden. Helmut Schneebeck baute sogar eigene Spinnräder. Heute spinnen Ruth Schneebeck und Wilma Brune mit Rädern aus Neuseeland, dem Land der Schafe.

Nun beginnen bald wieder die gemütlichen Nachmittage oder Abende, alle vier Wochen, immer bei einer anderen Spinnfrau. Wem es zu schwer wird mit „dem Wolle spinnen“, kommt auch so gerne dazu, denn in dieser Runde wird nicht nur gesponnen, sondern auch viel Wichtiges besprochen – meistens auf Plattdeutsch. Einige der Frauen verarbeiten die Wolle zu Socken für eiskalte Wintertage. Doch die Wolle kann auch bei ihnen gekauft werden. Luise Tegeler brauchte an diesem Sommertag ihren selbstgestrickten Schafwollpullover nicht, doch wenn es im Winter richtig kalt wird, dann holt sie ihn wieder aus dem Schrank und fühlt sich wohl und warm umgeben.