Selbstständigkeit ist das Ziel DRK Tecklenburger Land für Menschen mit Behinderung


Lotte. Die meisten jungen Menschen träumen von Unabhängigkeit, Selbstständigkeit, Wohnen in den eigenen vier Wänden. Viele können sich diese Wünsche über kurz oder lang erfüllen, aus eigener Kraft. Doch welche Chance haben Menschen mit geistiger oder körperlicher oder sogar mit Mehrfachbehinderung?

Nicole Raffius, Krankenschwester und Sozialpädagogin, zeigte, dass fast alles möglich ist. Sie referierte im DRK-Heim in Wersen über „Ambulant unterstütztes Wohnen und Selbstständigkeitstraining“ (AUW) für Menschen im Tecklenburger Land. Raffius ist Leiterin und Ansprechpartnerin des DRK-Wohnprojekts.

Auch junge Menschen mit Behinderungen träumen und haben ganz persönliche Wünsche und Vorstellungen von ihrer Zukunft. Meistens wohnen sie gut behütet, manchmal auch überbehütet, in ihren Familien – solange das möglich ist. „Doch was ist, wenn die Eltern alt werden und diese sich nicht mehr kümmern können?“, hinterfragte Olaf Wienbrack, Geschäftsführer des DRK-Ortsvereins Wersen-Büren. „Ich möchte allen Eltern, deren Kinder 18 Jahre alt sind und Behinderungen haben, empfehlen, zusammen mit ihnen das Ziel der Selbstständigkeit anzustreben“, betonte Raffius.

Am 1. Januar 2013 eröffnete das DRK in Hopsten seine erste Wohngemeinschaft. Hier leben und wohnen jetzt 14 junge Menschen zusammen. „Wir hatten nach Bekanntwerden des Projekts schon nach drei Monaten eine Warteliste von 15 Personen“, berichtete Raffius. Aufgrund der großen Nachfrage setzte eine rasante Entwicklung ein. Vier weitere Haus- oder Wohngemeinschaften sind geplant: Eine zweite in Hopsten, eine in Mettingen und zwei in Ibbenbüren.

Raffius und Wienbrack können sich gut vorstellen, dass auch in unmittelbarer Umgebung von Wersen ein Wohnprojekt Fuß fassen könnte, zum Beispiel mit einer Vierer-Wohngemeinschaft. Am Anfang eines Projekts stände allerdings nicht die Suche nach einer geeigneten Unterkunft, sondern ein Kennenlernen und Selbstständigkeitstraining für Klienten ab 16 Jahre.

Wichtig sei, dass Klienten, Eltern und das DRK zusammenarbeiten. Am allerwichtigsten: Der junge Mensch muss es selber wollen und seine Meinung äußern können, sei es durch Sprache, Schrift, Gestik oder andere Hilfsmittel. Er sollte einfache, lebenspraktische Fähigkeiten entwickeln können. Die Bewohner einer Hausgemeinschaft würden punktuell unterstützt in allen Bereichen des Lebens. Dazu gehören Freizeitgestaltung, Entwicklung von Tagesstrukturen, Förderung der sozialen und beruflichen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, individuelle Hilfe in Konflikt- und Krisensituationen.

Finanziert wird das Projekt über die Grundsicherung des Klienten (Lebensunterhalt), über den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Personalkosten) und über die Pflegeversicherung (Pflegeleistungen).


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