Bürger können viel bewirken Friedhelm Scheel über Umweltschutz und Engagement

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Seit mehr als 32 Jahren engagiert sich der Westerkappelner Friedhelm Scheel für Arten- und Naturschutz. Foto: Ursula HoltgreweSeit mehr als 32 Jahren engagiert sich der Westerkappelner Friedhelm Scheel für Arten- und Naturschutz. Foto: Ursula Holtgrewe

Lotte/Westerkappeln. Ungefähr ein halbes Leben lang engagiert sich Friedhelm Scheel in seiner Heimatgemeinde Westerkappeln sowie der westfälischen Region und im Osnabrücker Land für Arten- und Umweltschutz; auch die Pflege der Kulturlandschaft liegt ihm am Herzen – und die Jugendarbeit. Ideen für bürgerschaftliches Engagement in Westerkappeln hat Scheel auch.

Herr Scheel, wann hat Ihr Engagement für den Natur- und Umweltschutz begonnen?

Das liegt lange zurück. Es war im Juli 1982. Da wurde im Westerkappelner Kultur- und Heimatverein – damaliger Vorsitzender war Wolfgang Löning – in dessen Wohnzimmer die Westerkappelner Naturschutzgruppe gegründet. Unser erstes Projekt war der Schutz von Waldameisen. Wir haben mehr als 20 Ameisenhaufen umgesiedelt.

Dabei blieb es nicht ...

Stimmt. Schon ein Jahr später lag der Schwerpunkt auf dem Eulenschutz, in Zusammenarbeit mit Otto Kimmel als Gründungsmitglied der ANTL, des Arbeitskreises Naturschutz Tecklenburger Land . Wir haben mit einigen aufgehängten Steinkauzröhren angefangen und bereits im Jahr 1984 das erste Eulenbrutpaar in Westerkappeln registriert. Im Lauf der Jahre ist das Projekt langsam, aber kontinuierlich gewachsen. Heute betreue ich mit der AG Naturschutzjugend der ANTL 387 Röhren. In diesem Jahr haben wir 136 Brutpaare gezählt.

Sie haben mit der Jugend das Projekt bis weit ins Osnabrücker Land hinein ausgeweitet. Sind Sie stolz auf den Erfolg?

Ja, sicher. Für den Eulenschutz haben wir im Jahr 2003 die ersten Röhren im Osnabrücker Land aufgehängt. Es war eine sehr spannende Geschichte, dort für den Steinkauzschutz tätig zu werden. Tolle Erfahrungen hinsichtlich der Unterstützung haben wir gemacht mit dem Netzwerk der Osnabrücker Institutionen NABU (Naturschutzbund) und Umweltamt sowie mit der Naturschutzstiftung des Landkreises Osnabrück. Mittlerweile hängen im Osnabrücker Raum 201 Nisthilfen. Es ist eine tolle Bestätigung für das Engagement der Jugendlichen, die an vielen Wochenenden auch bei miesen Witterungsbedingungen mit mir unterwegs waren, dass es uns gelungen ist, den Steinkauz vom Tecklenburger Land nach Osnabrück zu bringen. Wir freuen uns über steigende Brutzahlen.

Also ist das durch und durch eine Erfolgsgeschichte?

Nicht ganz. In Bramsche waren wir weniger erfolgreich. Ich vermute, dass dort der Uhu den Steinkauzbestand dezimiert, weil er alles jagt, was kleiner ist als er. Potenzial sehe ich noch in Belm und Wallenhorst. Der Steinkauz ist ein Zeigervogel der Kulturlandschaft. Die Tiere ziehen sich zum Stadtrand, wo sie mit kleinteiliger Tierhaltung und beweideten Flächen ideale Lebens- und Aufzuchtbedingungen finden.

Und das geht so weiter?

Ich meine nicht. Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir sagen: Die Landschaft gibt nicht mehr her. Es bleibt ein Ausprobieren. Fällt beispielsweise eine Beweidung weg, entfernen wir die Röhren dort und versuchen, neue Habitate zu erschließen.

Sie betreuen mit den jungen Naturschützern auch andere Projekte. Welche?

Da gibt es so einiges. Wir bauen Niströhren selbst. Einige Schüler haben den Kettensägenschein gemacht und konnten dann beim Schneiteln von Kopfweiden selbst aktiv werden. Die Schüler haben wertvolle Erfahrungen gesammelt, auch durch das Kennenlernen unterschiedlicher Menschen. Wenn wir im Einsatz sind, sind sie nicht zu bremsen. Die können richtig rödeln, beispielsweise beim Setzen von Kopfweiden. Was für die Gruppe auch immer eine wichtige Erfahrung war, ist, dass sie die Projekte und deren Ergebnisse vor Ratsgremien referiert haben mit einer eigenen Beamer-Präsentation.

Mehrere Preise gab es für das Engagement auch. Welcher ist für Sie der erinnerungswürdigste?

Da muss ich gar nicht lange überlegen (lächelt). Das war der „muna“-Preis von ZDF und DBU im Jahr 2008. „muna“ steht für Mensch und Natur. Ich wurde geehrt für meine „Lebensaufgabe Natur“, weil ich unter anderem am Mettinger Kardinal-von-Galen-Gymnasium die AG Natur gegründet habe. Die Verleihung war sehr ergreifend und eine unglaubliche Anerkennung für die Arbeit der Schule und meiner Person.

Sie haben lokales Engagement vor vielen Jahren beim Agendaprozess gezeigt – und sich dann zurückgezogen. Sind Sie motiviert, das wieder aufleben zu lassen?

Es ist bekannt, dass ich ein durchaus Streitbarer in Sachen Umwelt- und Naturschutz bin. Da haben wir, Bürgermeister Ullrich Hockenbrink und ich, uns auseinanderdividiert. Beim Weg Westerkappelns zur Solargemeinde, den ich mitgestalten durfte, hat sich gezeigt, dass aktive Bürger und Verwaltung mit Unterstützung der Presse Erfolg haben können. Aber viele Themen sind versandet, weil sie von der Politik nicht aufgenommen wurden. Sachverstand haben sie nicht ernst genommen.

Den könnten Sie in einigen Bereichen einbringen. Wären Sie auch bereit dazu?

Selbstverständlich. Westerkappeln ist schließlich meine Heimatgemeinde. Einen Neuanfang könnte es mit Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer geben. Sie hat im Wahlkampf versprochen, jederzeit mit Bürgern Gespräche zu führen. Daher habe ich sofort nach der Wahl Kontakt zu ihr aufgenommen. Mein Weg für den Umweltschutz ist immer gewesen, Bürger außerparlamentarisch an die Kommunalpolitik heranzuführen. Das ist mir bislang misslungen. Circa 90 Prozent in der Gemeinde Westerkappeln interessieren sich leider nicht für Themen, die den Umweltschutz betreffen, und das, obwohl es unser und das zukünftige Leben der Nachfolgegenerationen betrifft. Im hiesigen Umweltausschuss sollte häufiger über den Einsatz alternativer Energien, ÖPNV, Energieeinsparung und anderes diskutiert werden. Weiterhin bin ich für die Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn , weil es für den Klimaschutz unbedingt notwendig ist, meine ich. Da gibt es bei den Kommunalpolitikern aber große Berührungsängste, weil es nicht deren Thema ist. Ich kann verstehen, dass sich die meisten in solche Themen erst einarbeiten müssen. Dafür sollte man sich die Zeit nehmen. Ich behaupte nicht, dass ich den Stein des Weisen kenne. Wenn es zu speziell wird, müssen Fachleute mit ins Boot genommen werden. Einen Ansatz hat es vor 15 Jahren bei der lokalen Agenda gegeben. Ich hoffe, dass nun wieder etwas in Bewegung in die Sache kommt und Bürger mit einbezogen werden.

Wie genau könnte ihr persönliches Engagement vor Ort und für den Ort aussehen?

Ich möchte mit Mitgliedern meiner AG Naturschutzjugend gemeinsam mit Bürgern und Bürgerinnen regelmäßig die Bushaltestellen am Friedhof reinigen. In bin sicher, Initiativen können mit Unterstützung von Verwaltung und Politik in vielen Bereichen und an vielen Stellen in Westerkappeln etwas verändern. Dafür ist allerdings eine breite Solidarität vonnöten. Das heißt, Nachbarschaften, Vereine und andere Institutionen müssen sich gleichfalls engagieren. Meine Bereitschaft, mich aktiv einzubringen, ist nach wie vor vorhanden.


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