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Überlaufschwelle im Hasetal Hochwasserschutz in Wersen und Halen nach den Überschwemmungen von 2010

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Lotte. Während andernorts den Menschen das Wasser bis zum Hals stand, sind die Wersener diesmal glücklicherweise trockenen Fußes davongekommen. Trotzdem dürften die Fernsehbilder und der Fischbecker Dammbruch bei manchem böse Erinnerungen geweckt haben.

„Es kann nicht schaden, da noch mal draufzuschauen“, findet auch Mühlenbesitzer Werner Schwentker, bei dem 2010 in allen Nebengebäuden und Kellergeschossen das Wasser stand. „Wir waren sehr froh, dass zumindest der Wohnbereich nicht betroffen war, berichtet er.

Hochwasserschutz in Wersen ist eine komplexe Angelegenheit, nicht zuletzt, weil die Düte bis zur Gemeindegrenze auf niedersächsischem Gebiet verläuft, dann den Ortskern passiert und schließlich hinter Halen wieder in die Hase mündet. Dadurch sind länderübergreifend eine Reihe Behörden beteiligt – neben den unteren Wasserbehörden der Landkreise die Bezirksregierung sowie die Länder Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen und sogar eine Bundesbehörde, das Wasser- und Schifffahrtsamt Minden (WSA).

Letztere hat im Hasetal den Damm neu befestigt, dort nämlich, wo 2010 der Schutzdamm des Stichkanals schwer beschädigt wurde. In Kaskaden stürzten die Wassermassen damals in den Kanal und nahmen reichlich Material mit.

„Wir können von Glück sagen, dass die eingelassene Spundwand dem Druck der Wassermassen standgehalten hat“, so Karl-Heinz Künker vom WSA. Inzwischen ist der Damm wiederhergestellt und befestigt, mit einer feinen Besonderheit: in Abstimmung mit den Wasserbehörden wurde der neue Damm auf etwa 150 Meter Länge als Überlaufschwelle eingerichtet. „In erster Linie, um unsere eigenen Bauwerke Damm und Schleuse zu schützen“, informiert Kerstin Murawa (WSA). Dass auch der Wasserstand im gesamten Hasetal damit etwas niedriger ausfällt, ist ein positiver Nebeneffekt.

Inwieweit das einen verringerten Rückstau der Düte begünstigt, dazu wollte sich Wasserbauingenieur Dr. Detlef Wilcke vom Landkreis Osnabrück lieber nicht ohne Berechnung festlegen. Er vermutet aber, dass flussaufwärts von dieser Entlastung wenig zu spüren ist.

Innerorts wurden in Wersen eine Reihe kleinerer Maßnahmen zum Schutz vor Hochwasser getroffen. Zuletzt wurden die Gullys an der Düte hochgezogen, da das Hochwasser von 2010 die Abwasserkanäle flutete. Bauamtsleiterin Astrid Hickmann weist außerdem darauf hin, dass für das neue Baugebiet Brookwiesen entsprechende Ausgleichsflächen ausgewiesen wurden und innerorts hinter dem Markant-Markt ein kaum sichtbarer Damm die Düte in Schach hält. Auch die Feuerwehr ist gerüstet und hat inzwischen fertig gefüllte Sandsäcke am Lager. Die Meldekette wurde ebenfalls optimiert.

In Wersen selbst gebe es kaum noch Potenzial, um Hochwasserereignisse zu entschärfen, so Bauamtsleiterin Astrid Hickmann. „Zum einen haben wir die Flächen nicht, um weitere Überschwemmungsgebiete auszuweisen“, zum anderen seien solche Maßnahmen wenig effektiv, meint auch Petra Berghegger vom Kreis Steinfurt.

Einerseits würden die bereits vorhandenen Rückhaltebecken düteaufwärts bei Hochwasser regelmäßig überlaufen, andererseits müssten Ausgleichsmaßnahmen in Form von Rückhaltebecken im Wersener Unterlauf der Düte schließlich in gigantischen Ausmaßen geplant werden, damit sie überhaupt hochwasserwirksam wären, sagt sie. Das sei jedoch weder in der Fläche noch finanziell umsetzbar.

Da wären viele kleinere Maßnahmen gewässeraufwärts effektiver und günstiger. Die Flächen liegen allerdings auf niedersächsischem Gebiet. Ingenieur Wilcke fasst es treffend zusammen: „Beim Hochwasserschutz sitzen alle in einem Boot.“ Entsprechende Pläne und Konzepte hat er, aber auch er kann nur die Maßnahmen umsetzen, für die das Land Niedersachsen grünes Licht gibt. Derzeit ist das ein Projekt in Georgsmarienhütte.


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