„Halloh“ ist ´hier kein Gruß Straßenname kündet von Landschaftselementen

Meine Nachrichten

Um das Thema Lotte Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

„Im Halloh“ hat nichts mit einem freundlichen Gruß zu tun, wie man zunächst vermutet. Foto: Astrid Springer„Im Halloh“ hat nichts mit einem freundlichen Gruß zu tun, wie man zunächst vermutet. Foto: Astrid Springer

Lotte.Wie ein freundlicher Gruß kommt dieser Straßenname kurz nach der Einbiegung in Wersens Hunterorther Eschweg daher. „Im Halloh“ hat mit dem gern verwendeten Begrüßungs-„Hallo!“ allerdings rein gar nichts zu tun, wie der geneigte Spaziergänger vielleicht zunächst meinen könnte.

Auch die Assoziation, der Name könne möglicherweise auf einen Widerhall, einen Hall samt Echo, hindeuten, ist nicht mehr als eine erste Idee. Vielmehr setzt sich „Halloh“ aus zwei Wortteilen zusammen, die einem sehr alten Sprachschatz entstammen.

Die vorangestellte erste Silbe „Hal“ steht für Abhang oder Halde, bisweilen kann auch ein trockenes Gebiet gemeint sein. Die richtige Deutung lässt sich vor Ort leicht ableiten, denn wir haben es mit einer deutlichen Hanglage zu tun.

Die zweite Silbe „loh“ ist weitverbreitet, sie findet sich in einer Reihe Ortsnamen wie Gütersloh, Schierloh oder Ennigerloh wieder. „Lo“ oder „loh“ gehen dabei auf das germanische „lauha“ zurück: ein kleiner, lichter Wald – häufig deshalb licht, weil zur Beweidung des Viehs genutzt und daher auch als Hutewald bezeichnet.

Ob das in Wersen auch so war, kann zwar nicht eindeutig geklärt werden; ziemlich wahrscheinlich ist es jedoch, da einige Gehöfte am Hunterorther Eschweg bereits bei einer Steuerschätzung aus dem Jahre 1575 erwähnt werden.

Eine zweite Bedeutung der Silbe „lo“ wird aus alten westfälischen Mundarten hergeleitet und meint dann einen Sumpf. Darüber hinaus ist noch das alte Wort „Holloh“ zu erwähnen, das dem „Halloh“ sichtlich ähnelt, denn Schreibfehler kamen vor und konnten Bezeichnungen dauerhaft verändern.

Der Sumpf scheidet wegen der Eschlage aus. Holloh heißt so viel wie Loch oder Versteck. Beides träfe auch auf den Halloh zu, denn auf dem buchenbewaldeten Flurstück wurde über Jahrhunderte in Gruben Kalkstein abgebrochen. Und ein gutes Versteck dürfte der jenseits der einstigen Hauptverbindungsstraße liegende Wald wohl auch gewesen sein.

Dass auf einer alten Karte von 1842 auf dem oberen Esch noch ein zweites Waldstück eingezeichnet ist, lässt zudem vermuten, dass die Parzelle einst komplett bewaldet war.

Letztlich sind die Gegebenheiten vor Ort eindeutig: Ein kleiner Restwald in Hanglage macht im schönsten Wortsinne den Wersener Halloh aus – ganz gleich, ob der darüber hinaus auch noch als Hutewald oder Versteck genutzt wurde. Weitere Hallohs finden sich bei Sprockhövel, nahe des hessischen Bad Wildungen und in Schleswig-Hostein.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN