Mögliche Reaktivierung Unterwegs auf der Tecklenburger Nordbahn

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Lotte/Westerkappeln. Noch ist es eine Sonderfahrt zwischen Recke und Osnabrück, aber irgendwann in rund fünf Jahren könnte es Alltag sein. Doch etlichen Anliegern wäre eine Stilllegung wohl lieber als eine Reaktivierung - eine Testfahrt am Sonntag.

Sonntagmittag, Haltepunkt Westerkappeln. Ein gutes Dutzend Menschen wartet auf die Nordwestbahn. Auf der Strecke der Tecklenburger Nordbahn rollt der Personenverkehr zwischen Recke und Osnabrück. Entlang der ehemaligen Ladestraße zwischen Raiffeisenmarkt und Spielothek vertritt sich Friedhelm Scheel in Eisenbahner-Uniform die Beine, gibt Auskunft und freut sich, dass es läuft. Der Zug selbst ist in Richtung Osnabrück gerammelt voll. Noch ist es eine Sonderfahrt, aber irgendwann in rund fünf Jahren könnte es Alltag sein.

Neu wäre das nicht. Bis Ende der 60er Jahre waren auf der eingleisigen Strecke auch Personenzüge unterwegs, zuletzt aber nur noch von Recke bis nach Rheine. Und auch mit dem Güterverkehr ist inzwischen weitgehend Schluss, weil die Gemeinden sich nicht mehr auf eine Verlustabdeckung einigen konnten. „Weitgehend Schluss“ bedeutet aber nicht „vorbei“ - nach wie vor könnten dort jederzeit wieder Züge fahren. Ginge es nach dem Kreis Steinfurt, dann wären das Personenzüge, eng getaktet, zwischen Recke und Osnabrück. Aber nicht jeder Anlieger teilt diese Sicht.

Langsam schlängelt sich der moderne Dieseltriebwagen durch die Westerkappelner Ortslage, vorbei am Freibad Bullerteich, in Richtung Wersener Holz. Die Schienen dort stammen aus den 30er Jahren, gewalzt im nahegelegenen Stahlwerk. Die Schwellen sind noch aus Teeröl-getränktem Eichenholz, in schattigen Bereichen mit moosgrünem Überzug. Der Triebwagen ist für bis zu 120 km/h zugelassen, die Strecke im aktuellen Zustand allerdings nicht. Das Tempo schwankt zwischen 30 und 50 km/h, die Tachonadel im Fahrstand pendelt sich meist irgendwo bei 40 km/h ein. Interessant ist das Stück durch die Dütewiesen zwischen Wersener Holz und dem alten Wersener Bahnhof. Die vielen kleinen Brückenbauwerke, die den hohen Bahndamm im Überschwemmungsgebiet durchbrechen, wirken von oben arg filigran. Nun ja, die schweren Güterzüge haben sie ja auch getragen.

Ein echtes Problemteilstück beginnt dann wenige Hundert Meter später im Lotter Ortsteil Büren: Parallel zu Strotheweg und Wohnbebauung verlaufen hier die Schienen. Etlichen Anliegern wäre daher eine Stilllegung wohl lieber als eine Reaktivierung. Für die Bürener bietet der Zugverkehr in Richtung Osnabrück schließlich kaum Zeitgewinn im Vergleich zu Auto oder Bus.

Ganz anders für die Menschen in Westerkappeln und Mettingen: Statt morgens schon im Westerkappelner Kreisel im Stau zu stehen - oder auf den dort ebenfalls oft ausgebremsten Schnellbus nach Osnabrück zu warten, könnte es mit der Bahn doppelt so schnell und viel entspannter ins Oberzentrum gehen.

Dass der Zug diesmal eine volle Stunde von Recke bis nach Osnabrück braucht, ist der in die Jahre gekommenen Sicherungstechnik und dem alten Oberbau der Strecke geschuldet. Beides würde bei einer Reaktivierung erneuert. Rund 30 Millionen Euro würde das kosten, dann wären die Züge doppelt so schnell unterwegs. 30 Millionen? Dr. Stephan Rolfes von den Osnabrücker Stadtwerken hatte diese Zahl bei einem Pressetermin im Vorfeld zurecht gerückt. Unvorstellbar viel, ja vielleicht - andererseits könne man dafür alternativ aber auch nur zwei Kilometer Autobahn plus etwas Anschlussstelle bauen. Oder eben gut 30 Kilometer solide Bahninfrastruktur - auf der Züge dann im 30-Minuten-Takt verkehren können.

30-Minuten-Takt? Wer jetzt rechnet, könnte irritiert sein: Denn 30 Minuten bräuchte ein moderner Triebwagen von Recke bis nach Osnabrück. Die Strecke ist aber eingleisig, die Rechnung geht also nur auf, wenn sich irgendwo zwei Züge begegnen können - möglichst in der Mitte der Strecke: Das wäre dann in Westerkappeln, wo ein Ausweichgleis gebaut werden müsste.

Inzwischen nähert sich der Zug Osnabrück-Eversburg. Und blockiert beim Warten die Bergstraße/Atterstraße. Denn hier wird die Nordbahn in das Netz der Deutschen Bahn eingefädelt. Ein Nadelöhr, das im Rahmen der Reaktivierung verbreitert werden muss. Wenige Minuten später läuft der Triebwagen dann im Bahnhof Osnabrück-Altstadt ein, bevor es weiter zum Endpunkt Hauptbahnhof geht. Eine gute halbe Stunde hat die Fahrt von Westerkappeln gedauert, auf einer ausgebauten Strecke wären es rund 17 Minuten gewesen: Schneller als mit dem Auto und ganz ohne Parkplatzsorgen.

Aber kommt die Bahn denn nun - oder war die Sonderfahrt lediglich ein einmaliges Gastspiel? Gut eine Million Euro hat der „Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Münsterland“ bereit gestellt, um bis Ende 2014 die Planungen abzuschießen. So gut vorbereitet sollte für die Nordbahn ein vorderer Platz auf der Prioritätenliste des Landes bei der Mittelvergabe möglich sein. Und dann können die Züge tatsächlich in vier oder fünf Jahren regelmäßig rollen…


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