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Bauernschlau mit und ohne Frau Heimatbühne Ibbenbüren sorgt in den Ratsstuben für Zwerchfell-Dauerbelastung

Von Renate Lammers

<em>Bauernschläue übertrumpft die hohe Politik</em> (von links): Alfons Jensen und Schwester Anna, Sohn Paul mit Freundin Julia sowie Landrätin Otten haben eine gute Idee.Foto: Renate LammersBauernschläue übertrumpft die hohe Politik (von links): Alfons Jensen und Schwester Anna, Sohn Paul mit Freundin Julia sowie Landrätin Otten haben eine gute Idee.Foto: Renate Lammers

Lotte. Die Heimatbühne aus Ibbenbüren ist alljährlich zu Gast beim Heimatverein Wersen in den Ratsstuben. In diesem Jahr unterhielten die Akteure mit dem plattdeutschen Bauernschwank „Slitzohren ünner sik“.

Zum Beginn eines jeden neuen Jahres gehört für den Heimatverein Wersen der Besuch der Heimatbühne Ibbenbüren mit ihren mundartlichen Theaterstücken auf der kleinen Ratsstuben-Bühne einfach dazu. Seit wie vielen Jahren die Laiendarsteller schon nach Wersen kommen, wussten weder langjährige Mitglieder des Gastgebervereins noch die Schauspieler selbst so genau.

„Eigentlich schon immer“, kam die Antwort von beiden Seiten übereinstimmend und nicht abgesprochen. „Uns gibt’s immerhin seit 1946“, meinte Anni Voss, eine der dienstältesten Darstellerinnen. Und mit wenigen Pausen seien die Theaterstücke in jedem Jahr aufgeführt worden, wusste sie.

Gern begrüßte deshalb Friedhelm Schürkamp, stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins, die Akteure der Heimatbühne vor fast ausverkauftem Haus. Ein freies Plätzchen an den Tischen in den Ratsstuben war rar, was wohl auch an den köstlichen Spezialitäten der Lotter „Sahneschnitten“ lag, die ihre raffinierten Torten zur Kaffeezeit den Freunden der plattdeutschen Mundart anboten.

Gut gestärkt ließen sich die Gäste nach dem Theatercafé auf den Dreiakter mit vielen Irrungen und Wirrungen ein. Bauer Alfons Jensen (Alfred Jostmeier), der von seiner Jugendliebe enttäuscht worden war, wollte seinem Sohn Paul (Tilo Gnilka) Ähnliches ersparen, als dieser vorschlug, seine Freundin Julia Stehen (Lena Mlodoch), eine Städterin, auf den Hof zu holen.

Vater Alfons will das verhindern. Gleichzeitig bekommt der dickköpfige Bauer auch noch vom schlitzohrigen Bürgermeister (Erich Hackmann) ein vermeintlich gutes Kaufangebot für eines seiner Grundstücke. Eine Kuh steht unterdessen kurz vor einer schwierigen Niederkunft, weswegen Tierarzt Doktor Johannis (Reinhold Bäumer) mit Gummistiefeln und behandschuht bis in die Achselhöhlen immer wieder die gute Stube der Jensens betritt.

Schwester Anna Jensen (Anni Voss) leistet ihren Beitrag zum Verwirrspiel, als ihren Bruder ein plötzliches Rückenleiden ereilt. Als dann auch noch Architektin Carmen Lübbers (Christiane Jostmeier) und Landrätin Astrid Otten (Marita Kriege) beherzt in die Komödie eingriffen, kamen die Zuschauer aus dem Lachen nicht mehr heraus.

Und warum „Bauer sucht Frau“ so erfolgreich war, Eber noch immer keine Ferkel bekommen und bei Jensens die Stall- und Küchenfliegen nur dann im Wohnzimmer sind, wenn Anna ihre Plätzchenschale öffnet, wird an dieser Stelle immer noch nicht verraten. Denn weitere Auftritte in der Region folgen – beispielsweise am kommenden Sonntag um 17 Uhr in Westerkappeln im Alten Gasthaus Schröer und am Sonntag, 27. Januar, ab 17 Uhr im Hotel Restaurant Bergeshöhe in Mettingen.

Überraschendes Fazit zum Happy End: Bauernschläue geht immer noch über die hohe Politik.