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Diamantenes im Hause Schnarre Als Kaufleute berühmt rund um Büren

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Lotte. Sie sind nicht nur in Büren bekannt wie ihr bunter Hund „Twopack“. In Ursula und Helmut Schnarres Haushaltswarengeschäft kamen mehr als 50 Jahre lang Kunden aus der ganzen Umgebung, um anfangs die nötigsten Utensilien, später aber auch edles Porzellan und hochwertige Küchengeräte für den täglichen Gebrauch zu kaufen. Am heutigen Donnerstag feiern die beiden Senioren ihre diamantene Hochzeit.

Sie sitzen im hellen Wohnzimmer und blicken auf einen herrlichen Garten, der sich über verschiedene Ebenen ausbreitet. Das Haus von Sohn Klaus grenzt direkt an die gepflegte Anlage mit Springbrunnen und glasklarem Teich. Diesen Platz haben sie sich ausgesucht, um ein bisschen über die vergangenen Jahre zu erzählen.

Sie kennen sich schon von Jugend an. Die Kindheit verbrachte Ursula Westermeyer in Halen, Helmut Schnarre in Büren. Treffpunkt der aufblühenden Jugend war die alte Schule der damals selbstständigen Gemeinde Wersen, wo heute das evangelische Gemeindehaus steht. Sie erlernte den Beruf der Kinderpflegerin, er wurde Einzelhandelskaufmann.

Den Zweiten Weltkrieg haben sie hautnah miterlebt. Nach ihrer Ausbildung fuhr die junge Ursel ein Pflichtjahr lang mit dem Fahrrad von Halen nach Bramsche zu einer kinderreichen Familie. „Ich lag mehr in den Gräben, als ich auf dem Rad saß, denn ständig überflogen englische Tiefflieger die Strecke“, fällt ihr als Erstes dazu ein. Als 17-Jähriger erlebte ihr Mann, damals Ausbilder im Reichsarbeitsdienst (RAD), Luftangriffe über Dresden, geriet in Halle an der Saar in amerikanische Kriegsgefangenschaft, wurde aber entlassen, weil er noch keine 18 war.

Nach dem Krieg fuhren sie oft gemeinsam mit dem Rad zu ihren Arbeitsstellen in Osnabrück. Sie verdiente ihren Lohn als Näherin, denn Kindergärten gab’s keine mehr, er in einer Kraftfahrzeugfirma. Man traf sich gerne zum Tanz bei Busch in Wersen, damals mit Saalbetrieb, Kolonialwarenhandlung und Bäckerei. „Wir hatten keinen Pfennig, wir waren arm wie alle, aber wir fühlten uns nicht arm“, betont Schnarre.

Im März 1952 verlobten sie sich. „In Halen hat es an dem Abend über 50 Zentimeter Neuschnee gegeben, aber wir haben trotzdem derbe gefeiert.“ Ursula Schnarre lacht beim Erinnern an diesen weißen Tag. Die Hochzeit feierten sie mit rund 100 Gästen in der Bergkirche in Osnabrück und anschließend in der Gaststätte Busch.

Zu Beginn des Jahres 1953 holten sie sich von Bürgermeister Kellermeier Ratschläge für die geplante Selbstständigkeit. „Am 1. Oktober 1953 haben wir dann unseren kleinen Laden am Strotheweg eröffnet. Er war 20 Quadratmeter klein und vergrößerte sich im Laufe der Jahre auf 300 Quadratmeter“, erzählt der ehemalige Ladenbesitzer voller Stolz auf diese Lebensleistung.

Mit Zinkeimern, Besteck und Kochtöpfen fingen sie an. Einige Male sei die große Schaufensterscheibe mit einem Gullydeckel eingeworfen worden, die Diebe nahmen damals Tonbandgeräte mit. Das Ehepaar erinnert sich an die Namen von zehn jungen Menschen, die sie in ihrem Geschäft ausgebildet haben: „Keiner von ihnen ist durch die Prüfung gefallen!“

Zwei Schiffsreisen haben sie unternommen, einmal bis Spitzbergen ins Nordpolarmeer. Beide lieben die Gartenarbeit „mehr als Putzen“, schmunzelt die humorvolle Seniorin. Handwerklich begabt, repariert er viel im und ums Haus herum. Ab und zu arbeitet Helmut Schnarre am Computer, in der Zeit liest seine Frau gerne Bücher.

Er schaut seine Frau fest an und sagt: „Es war eine schöne Zeit!“


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