Eltern bauen Grünes Klassenzimmer Sägen, schaufeln und kratzen vor Bürens Regenbogenschule

Mithilfe von Gurten ziehen und tragen Till Bergmann (von links), Sören Haak, Andree Detjen und Jörg Brosig den rund 200 Kilo schweren Stamm über die Baustelle auf dem Bürener Pausenhof. Foto: Ursula HoltgreweMithilfe von Gurten ziehen und tragen Till Bergmann (von links), Sören Haak, Andree Detjen und Jörg Brosig den rund 200 Kilo schweren Stamm über die Baustelle auf dem Bürener Pausenhof. Foto: Ursula Holtgrewe

Lotte. Kettensägen dröhnen, Baumstämme rutschen durch Sand, Komposterde wird in kleine Eimer gekratzt – an mehreren Baustellen auf dem Pausenhof engagieren sich am Samstagmorgen Schüler und Erwachsene, damit der Schulhof möglichst schnell wieder komplett bespielt werden kann. Das Grüne Klassenzimmer und andere Projekte wachsen förmlich aus der Erde.

Zu viert schleppen gerade Till Bergmann, Sören Haak, Andree Detjen und Jörg Brosig einen gefühlt 200 Kilo schweren Baumstamm in Richtung Grünes Klassenzimmer. Die Baumstämme für das Klassenzimmer erhalten gesägte Kerben, damit darauf gelegte Stämme nicht ins Rutschen geraten.

50 ehrenamtlich Gartenbauer

Das starke Väter-Quartett nimmt die kleine Pause gern an. „Es haben sich 50 Erwachsene angemeldet“, berichtet Jörg Brosig über die Einsatzbereitschaft der Bürener. „Eingeteilt worden sind wir vorhin in drei Gruppen“, ergänzt Andree Detjen. Für alle Erwachsenen war es eine Selbstverständlichkeit, die Aktion zu überstützen. „Wir werden außerdem den gesamten Tag über gut verpflegt, zu Mittag und gegen Abend – Kaffeetrinken soll es auch geben“, erklärt Sören Haak vergnügt. Weiter geht es.

Mit Rat und Tipps hilft Sven Kalinowski (links) den engegierten Eltern weiter. Foto: Ursula Holtgrewe

Nun ist auch Sven Kalinowski, Geschäftsführer von Röka-Gartenspiel in Merzen, in der Ecke angekommen. Er beschreibt die Idee hinter dem umweltpädagogischen Erlebnisgerät: Das Baumstammmikado ist toll zum Balancieren. Es kann als Bühne dienen und als Grünes Klassenzimmer. Als Steh- und Sitzfläche werden Bohlen auf den Stämmen befestigt.

Munter fliegen die Spähne beim Kettensägeneinsatz für das Baumstammmikado. Foto: Ursula Holtgrewe

Schüler freuen sich auf den neuen Pausen-Spielbereich

Der weil harken Lucia und Amely fleißig ein Beet unter dem Regenbogenschriftzug an der Schulfassade. „Mein Papa trägt gerade Baumstämme“, berichtet Amely ein bisschen stolz. „Ich freue mich auf den großen Sandkasten. Im Grünen Klassenzimmer kann ich ein Buch lesen und wir können im Sommer draußen lernen“, freut sich Lucia schon aufs nächste warme Wetter.

Lucia (links) und Amely harken fleißig das Beet und freuen sich schon darauf, den Spielplatz auf dem Pausenhof endlich wieder benutzen zu dürfen. Foto: Ursula Holtgrewe

Auf einem Anhänger schaufeln Tjark und Liam bunte Eimer voll, die im Beet von Mitschülern ausgekippt werden. „Die Komposterde bekommt man auch auf dem Piesberg“, erklärt Tjark und nimmt sich den nächsten Eimer vor.

Liam (links) und Tjark füllen Komposterde in die Eimer, die Mitschüler auf dem Beet verteilen. Foto: Ursula Holtgrewe

Auch das Beet an der Richard-Eberlein-Straße hat eine dunkle erdige Schicht erhalten. An einer Stelle vertiefen Eltern und größeren Kindern vier Löcher. „Wir pflanzen eine Bank“, erklärt Nicole Brosig: die vier Löcher würden mit Beton gefüllt und dann das Fundamente für eine Sitzbank bilden.

Im Team buddeln Klein und Groß Löcher für die Fundamente einer Bank am Pausenhofrand. Foto: Ursula Holtgrewe

Schubkarrenweise rollen Mitglieder des Zukunftsteams Büren Rindenmulch heran. Väter bauen ein Podest im Rondell vor der Schule. „Jetzt fahren wir kurz nach Hause, Arbeitszeug wechseln. Wir sind klitschnass“, animiert ein energiegeladener Papa seinen Kollegen. Beide eilen davon.

Sven Kalinowski ist beeindruckt vom Fortschritt der Arbeiten in rund zwei Stunden. „Es sind so viele Leute da, die zu 90 Prozent die Arbeiten selbstständig umsetzen und das in schön ruhiger Atmosphäre. Ich betreue bis zu 20 solcher Aktionen im Jahr. Dass alles so funktioniert wie hier, das ist sehr selten“, anerkennt er.

"Ich muss mal eben Beton holen."

Schulleiterin Ute Thomas scheint überall gleichzeitig zu sein. „Einfach super, der Einsatz der Eltern. Wir haben 50 Erwachsene und 50 Kinder. Zum nächsten Termin am 23. November haben sich schon mehr als 30 Eltern angemeldet. Die Schulpflegschaft übernimmt die Verpflegung“, freut sie sich gut gelaunt. Dann geht es weiter: „Ich muss mal eben Beton holen.“

Förderverein hilft bei der Finanzierung

Hintergrund für die Ehrenamtsaktion: Im Rahmen der Sanierung des Pausenhofes vor der Bürener Regenbogenschule sollte der mit den Pädagogen abgestimmte Bewegungspark renoviert werden. Der Kostenvoranschlag für die Lotter Verwaltung als Schulträger wies rund 111000 Euro aus. Genehmigt wurden von der Politik 70000 Euro. Das Grüne Klassenzimmer wurde vorerst gestrichen. Mit Unterstützung des Schulfördervereins gelang es, das Freiluftklassenzimmer doch zu bauen. Dank erfolgreicher Spendenaktion steuert der Verein steuert 4500 Euro.


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