Einsätze am laufenden Band Wie Lotter Jugendliche eine 24-Stunden-Übung der Feuerwehr erleben

Zielsicheren und engagiert löschen Jan-Luca und Connor in Atemschutzmontur das Übungsfeuer. Foto: Ursula HoltgreweZielsicheren und engagiert löschen Jan-Luca und Connor in Atemschutzmontur das Übungsfeuer. Foto: Ursula Holtgrewe

Lotte. Äußerst gespannt erwarten 13 Lotter Nachwuchsfeuerwehrleute am Samstagvormittag die geheime Einsatzregie ihres 24-Stunden-Dienstes. Rund um die Uhr werden sie mehrere Einsätze unter weitgehend realen Bedingungen abarbeiten.

Mit Adrenalin bis unter die Haarspitzen fahren sie zur Wersener Benzstraße. Eine Brandmeldeanlage (BMA) hat ausgelöst. Fehlalarm. Enttäuschung, dass nur das nervige Auf- und Abschwellen des Melders abgestellt werden muss. Kurz darauf: gleicher Einsatzort, wieder BMA. Diesmal ist der Keller stark verqualmt. Christian und Kevin machen sich mit Atemschutzmasken vorm Gesicht und Sauerstoffflaschen auf dem Rücken als Atemschutztrupp auf die Suche nach einem "Verletzten". Gefunden. Sie tragen eine schwere Spezialpuppe hoch.

Aus dem verqualmten Keller haben Christian und Kevin einen "Ohnmächtigen" gerettet. Für den Übungsfall musste dafür eine schwere Spezialpuppe herhalten. Jana Duhme ist zufrieden mit der Aktion. Foto: Ursula Holtgrewe

Die Jugendlichen sind erstmals bei Übungen mit festsitzende Masken und Sauerstoffflaschen ausgestattet. „Wir haben die Masken verändert, so dass sie normal atmen können“, erklärt Feuerwehrjugendwart Julian Brüggemann. Er ergänzt, dass es toll sei, dass die Gruppe es vorziehe, sich für die Feuerwehr zu engagieren anstelle vor PC oder Fernseher zu sitzen.

Einsatz unter realen Bedingungen

Das Feuer breitet sich im gesamten Gebäude aus, so das Szenario. Ein Löschangriff ist erforderlich. Schläuche werden am Verteiler angeschlossen. Zu beachten ist, der erste Schlauch für ein C-Rohr wird links angeschlossen. In der Mitte kann gegebenenfalls Löschschaum zugeschaltet werden. Rieke und Sverre richten den Wasserstrahl aufs Dach.

Nick hält, als Gruppenführer in blauer Weste erkennbar, Funkkontakt zur Leitstelle Janec Hofer. Die Meldekette muss eingehalten werden. „Das Feuer ist aus“, gibt Nick an Hofer weiter. Der Feuerwehrnachwuchs rollt nun Schläuche zusammen beziehungsweise legt sie in Buchten, in Schlaufen, derart in die Schlauchtragekörbe, dass sie im Einsatzfall unverdreht wieder zur Hand sind.

Akkurat buchten Nick (links) und Jan-Luca den Schlauch in den Tragekorb ein. Foto: Ursula Holtgrewe

Lottes Feuerwehrjugendwart Julian Brüggemann dokumentiert das Geschehen mit Fotos. „Eigentlich gibt es den 24-Stunden-Einsatz alle zwei Jahre. Weil wir aber in diesem Jahr nicht im Zeltlager waren, haben wir etwas Besonderes organisiert. Das macht allen immer viel Spaß“, berichtet Brüggemann.

Technischer Schwerpunkt der Regisseure

Die Einsatzszenarien haben sich Jana Duhme und Janec Hofer ausgedacht, diesmal mit technischem Schwerpunkt. Mithilfe einer BMA – löst sie aus, ist von einem bestätigten Feuer auszugehen – können unterschiedliche Einsätze vorbereitet werden. Um den eigentlichen Funkverkehr nicht zu stören, senden alle auf der Frequenz der Lotter Gruppe. Wie die Aktiven müssen auch die jungen Feuerwehrleute Einätze dokumentieren und Funkdisziplin einhalten.

Gemeindebrandinspektor Marcus Prinz ist eingetroffen und betrachtet zufrieden die Fertigkeiten des Nachwuchses. „Ich halte es für wichtig, dass Wehrleiter Präsenz zeigen. Das gilt für mich bei der Kreisjugendfeuerwehralarmübung genauso, wie heute hier. Die Jugend gehört zu meiner Feuerwehr wie die Ehrenabteilung“, betont Prinz.

Vorsichtig legt Franziska einen Druckverband bei Marc Averwerser an. Foto: Ursula Holtgrewe

Beim nächsten Einsatz müssen die Jugendlichen einen Verletzten versorgen. Anschließend geht es zu einem Feuer auf dem Hof des Alt-Lotter Gerätehauses. Schläuche kuppeln, löschen. Die Handgriffe sitzen auch bei Connor und Jan-Luca. Zur 24-Stunden-Übung gehört auch die Übernachtung im Gerätehaus. Was die Jugendlichen nicht ahnen: Nachtruhe gibt es wenig, dafür am frühen Abend etwas ganz Neues. Die Feuerwehrjugend lernt GAMS kennen. „Nach dem GAMS-Schema werden Gefahrguteinsätze abgearbeitet: Gefahr erkennen, Absichern der Einsatzstelle, Menschenrettung unter Beachten des Eigenschutzes, Spezialkräfte nachfordern“, erklärt Hofer.

Unruhige Nacht für Lottes Feuerwehrnachwuchs

Mittendrin engagierte sich auch diesmal Nick. Bereits mittags resümierte er begeistert: „Diese Samstagübung ist für mich ein Muss. Es ist toll, dass wir hier Übungen so dicht an der Realität machen. Wir haben gutes Rüstzeug gelernt. Mir hat bislang der Kellerbrand am besten gefallen. Der Einsatz wurde immer größer.“ Nick, der privat durchaus auch Fachzeitschriften liest, möchte Berufsfeuerwehrmann werden. Er hoffte für den Rest des Tages noch viele gute Einsätze und eine Großübung mit anderen Wehren. Da kamen der Gefahrguteinsatz und das frühmorgendliche Löschen eines kleinen Brandes in Osterberg sicher dicht dran.

Die Organisatoren war überaus zufrieden mit Engagement und gezeigtem Können und der Lotter Feuerwehrjugend: „Wir haben richtig guten Nachwuchs.“


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