„Macht die Dächer voll, woher soll der Strom sonst kommen?“ Solar-Experte Konrad Mertens referiert beim KlimaTisch Lotte

Professor Konrad Mertens erläutert den Zuhörern beim Klimatisch den Aufbau einer Solarzelle. Foto: Olaf WienbrackProfessor Konrad Mertens erläutert den Zuhörern beim Klimatisch den Aufbau einer Solarzelle. Foto: Olaf Wienbrack
Olaf Wienbrack

Lotte. Bei der von der Bürgerstiftung Lotte und der Gemeinde initiierten Veranstaltung Klimatisch Lotte fanden die rund 80 interessierten Bürger im Haus Hehwerth am Donnerstagabend einen reich gedeckten Tisch an Informationen zum Thema Solarstrom.

1992 war Professor Dr. Konrad Mertens ein Solarstrom-Pionier. Nun gab er seine Erfahrungen und sein profundes Wissen beim Klimatisch von Bürgerstiftung und Gemeinde Lotte weiter und konnte einige seiner Zuhörer für den regenerativen Strom aus Photovoltaikanlagen begeistern.

„Solarstrom auf meinem Dach – (Wie) geht das?“ So titelte Mertens seinen Vortrag. Als Leiter des Labors für Optoelektronik und Sensorik sowie des Prüflabors für Photovoltaik an der Fachhochschule Münster ist Mertens ein ausgezeichneter Fachmann für das Thema. Dennoch gelang ihm der Spagat, sein Fachwissen auch allgemein verständlich an sein Auditorium zu vermitteln. Auf praktische Erfahrungen im Alltag konnte Mertens auch verweisen. Denn seit 1996 betreibt er auf dem Reihenhausdach eines Freundes selbst eine Photovoltaikanlage der sogenannten „ersten Generation“. 

Mit dieser Vortragsfolie belegte Mertens, dass er durch sein Engagement beim Solarförderverein seit 1992 ein wahrer Solar-Pionier ist.

Anhand einer Folie zum Ertrag der Anlage konnte er belegen, dass diese Anlage weiterhin fast unvermindert sauberen Strom erzeugt. Lediglich die Gleichrichter musste er vor zwei Jahren austauschen. Im Vergleich dazu hatte er auch Zahlen einer neueren Anlage aus Steinfurt dabei. Dank modernerer Technik ist dabei der Ertrag um knapp 20 Prozent höher. Da für die Einspeisung eine 20-jährige Einspeisevergütung garantiert wird, waren mit dem Beispiel der eigenen Anlage die Zweifel ausgeräumt, dass sich eine Anlage nicht rechnet.

Natürlich interessierte die Zuhörer auch, welche Dachneigung und welche Ausrichtung denn für eine PV-Anlage optimal sind. Volle Südausrichtung und etwa 35 Grad Dachneigung sind optimal, Mertens konnte anhand einer Tabelle aufzeigen, dass aber auch Dachneigungen von 20 bis 45 Grad nur geringe Ertragseinbußen bedeuten. Etwas stärkeren Einfluss auf den Stromertrag hat die Ausrichtung. „Wie viel Prozent bringt denn wohl noch eine nach Norden ausgerichtete Anlage?“, fragte Professor Mertens sein Publikum. Zögerlich kam 10 Prozent und 30 Prozent aus den Reihen. „Nein, selbst bei Nord-Ausrichtung haben sie noch 60 Prozent Ausbeute“, offenbarte Mertens dem staunenden Publikum.

Eine gewisse Kritik an der Politik äußerte Mertens als er zum Thema des Ausbaus der Solarenergie kam. 2018 seien gerade einmal 3 Gigawatt zugebaut worden. „Erforderlich wären 10 Gigawatt, um die Klimawende zu schaffen“, verdeutlichte Mertens die Problematik. 

Zwischen Ziel und Status Quo bei der Kohlendioxidemission klaffen nach Mertens noch Welten.

Mertens sprach sich weiterhin für eine Eigenverbrauchssteigerung durch eine Wärmepumpe aus. Stromspeicher befürwortete der Referent durchaus. Immerhin über 120.000 Speicher – überwiegend mit Lithium-Ionen-Technik – sind aktuell im Einsatz. Allerdings belegte Mertens, dass die Rendite bei stagnierenden Strompreisen durch einen Speicher nicht gesteigert wird. Aber die Autarkie steige deutlich. Und Mertens kann auch gut verstehen, dass viele Mitbürger einfach ein gutes Gewissen haben, wenn sie weitgehend selbst produzierten Strom verbrauchen können. Gisela Klekamp-Lange bekannte sich dazu und unterstützte Mertens mit ihren eigenen Zahlen der seit 2013 produzierenden Anlage. Zusätzlich bekannte sie, dass sie mit dem selbst produzierten Strom mit ihrem Opel Ampera doppelt so gerne Auto fährt. "Mein Elektroauto gebe ich auch nicht wieder her", gestand sie dem Auditorium.

Auch für ganz individuelle Fragen von Melanie Vogel, die auch bald eine Solaranlage an's Netz bringen will, hatte Professor Mertens ein Ohr.

Der abschließende Appell des Professors der Fachhochschule Steinfurt lautete: „Macht die Dächer voll, woher soll der Strom denn sonst kommen?“ Es ist noch Potenzial für viele Dächer in Lotte da, die mit einer PV-Anlage bestückt werden können. „Es werden erst 10 bis 15 Prozent der geeigneten Dachflächen genutzt“, mit diesen Worten forderte er zur Umsetzung auf. 


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