Wandel der Esskultur sichtbar Lotter Landfrauen schmücken seit 30 Jahren Erntealtar

Eine farbige Pracht an Herbstfrüchten von Feld und aus Gärten haben die Alt-Lotter Landfrauen kreativ zum attraktiven Erntedank-Altarschmuck komponiert. Foto: Ursula HoltgreweEine farbige Pracht an Herbstfrüchten von Feld und aus Gärten haben die Alt-Lotter Landfrauen kreativ zum attraktiven Erntedank-Altarschmuck komponiert. Foto: Ursula Holtgrewe

Lotte. Appetitlich und verlockend drapiert lagen seit Samstagmittag die Erntegaben vorm Altar der Alt-Lotter Dorfkirche. Seit nunmehr 30 Jahren sind es die örtlichen Landfrauen, die bienenfleißig sammeln für den Erntedankgottesdienst am ersten Oktobersonntag. Die Gaben dokumentieren zudem den Wandel der Essgewohnheiten.

Samstags gibt es für die Ehrenamtlichen immer besonders viel zu tun. Gegen 8.30 Uhr beginnt der Endspurt, um in der Kirche eine herbstliche Erntefülle präsentieren zu können.

Gern haben die Alt-Lotte Landfrauen Zeit für den kreativen Blumenschmuck an den Sitzreihen in der Alt-Lotter evangelischen Kirche investiert. Foto: Ursula Holtgrewe

„Früher hat Schwester Martha immer einen kleinen Tisch mit Erntegaben vorm Altar aufgebaut“, blickte Ilse Lange, Sprecherin des Landfrauenleitungsteams, weit mehr als drei Jahrzehnte zurück. Als der Schwester die Aufgaben in der Gemeinde zu beschwerlich geworden seien, habe sie die damalige Alt-Lotter Landfrauenvorsitzende Annemarie Hahner gebeten, das Schmücken des Altars zum Erntedankfest zu übernehmen.

Farbenfroher Hingucker ist das alte Wagenrad, gefüllt mit Herbstfrüchten. Foto: Ursula Holtgrewe

Seit jeher sind die für Mensch und Tier essbaren Dekorationsstücke in Kombination mit Kastanien, Eicheln und Haselnüssen in farbiger Fülle ein Hingucker. Wer am Sonntag die Kirche betrat, stand in einem Bouquet der Gerüche von süßlichem Obst, herzhaftem Porree, Sellerie, Rosmarin, Weintrauben und vielem mehr.

Nüsse, Äpfel, Paprika, Peperoni, Zierkürbisse und mehr zieren das Wagenrad. Foto: Ursula Holtgrewe

Die Landfrauen haben längst gemerkt, dass die Landwirtschaft mit großen Bauerngärten und der Gemüseanbau von Hobbygärtnern für den Privatgebrauch rückläufig ist. „Runkeln und Mangold sind in diesem Jahr nicht mehr dabei. Auch Kohlsorten hat fast keiner mehr in seinem Garten. Die und Porree sponsert uns netterweise Martina Cord. Die Eier haben wir von Martin Steinmann bekommen“, erklärte Ilse Lange zum aktuellen Erntebüffet. 

Wandel der Essgewohnheiten hierzulande

Den Wandel der Essgewohnheiten zeige weiterhin, dass es hier vor vielen Jahrzehnten noch keinen Mais gegeben habe, keine Paprika und keine Peperoni, erklärte die Landfrau. Manche Früchte und Gemüse seien erst im Lauf der Zeit auf die heimischen Tische quasi eingewandert, begünstigt auch durch die wachsende Reiselust der Deutschen, die andere Küchen kennenlernten.

Weintrauben gehören zu den Früchten, über die schon in der Bibel zu lesen ist. Foto: Ursula Holtgrewe

„Nun iss doch nicht unsere Erntegaben auf“, ulkte Ilse Lange nun mit einer Unterstützerin. Diese biss herzhaft in einen knackigen Apfel. Dass er fehlte, fiel tags drauf keinem Gottesdienstbesucher auf. Deren Blicke schweiften von Roggen-, Weizen- und anderen Getreidegarben zu Rote Beeten, Walnüssen, Kartoffeln, Äpfeln und vielen anderen Zutaten für köstliche Mahlzeiten.

Blühende Kompositionen zierten an Erntedank die Bankreihen in der Alt-Lotter Dorfkirche. Foto: Ursula Holtgrewe

Die 33 kleinen Sträußchen mit Heide und Hortensienblüten an den Stirnseiten der Sitzreihen entstanden schon ein paar Tage zuvor. Dafür wurden Hortensienblüten getrocknet. Frisch aufgebügelte Bänder hielten die Kompositionen zusammen.

Erbauung im Ehrenamt

„Es ist für mich eine Erbauung, hier heute dabei zu sein“, schwärmte Vorstandsmitglied Dietburg Ackermann und schaute zufrieden über das Werk vieler Hände. „Am Montagmorgen besucht immer der evangelischen Kindergarten Noah den Erntealtar. Das haben wir mit Leiterin Katharina Roth vereinbart. Die essbaren Erntegaben bringen wir seit vielen Jahren zur Osnabrücker Tafel, wo sie weitergeben werden“, beschrieb Ilse Lange den Verbleib der schmackhaften Gaben der Natur.


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