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Laura Scholz hat die italienische Lebensart in ihrem Schulaustausch-Semester lieben gelernt Dolce Vita mit strengen Regeln

Von Carmen Echelmeyer

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Lotte. Ein aufregendes halbes Jahr hat Laura Scholz aus Halen hinter sich. Zwischen „Dolce Vita“, Kalorienbomben, massenweise Pasta und Madonnenverehrung erlebte die 17-Jährige das tägliche Leben in der italienischen Provinz.

„Die haben gar nicht gefragt, wie ich heiße, sondern als Erstes, wie groß ich bin“, erinnert sich Laura Scholz an ihre Ankunft in Italien. Kein Wunder, mit gut 1,80 Meter Gardemaß, blonden Haaren und blauen Augen war das Mädchen ein echter Blickfang zwischen den deutlich kleineren Dorfbewohnern. Doch so sehr sie zunächst auffiel, so herzlich wurde sie auch im Ort Piana di Monte Verna nahe Neapel empfangen. Auch wegen der bekannten italienischen Gastfreundschaft hat sie sich dieses europäische Ziel für ein Auslandshalbjahr ausgesucht.

Während Neuseeland gerade „in“ bei deutschen Studienreisenden ist, viele Schulen Kooperationen mit Südamerika oder den USA unterhalten, war für die Halenerin von Anfang an klar: „Wenn ins Ausland, dann nach Italien.“ Persönliche Kontakte, die geringe Entfernung und zahlreiche Urlaubsimpressionen ließen „Bella Italia“ zum Traumziel werden. Als das KvG-Gymnasium grünes Licht gab, wurden die Koffer in diesem Frühjahr schnell gepackt. Da keine Jugendorganisation diese Reise anbietet, mussten private Kontakte genutzt werden, um eine Gastfamilie zu finden.

Und mit der hatte Laura Scholz wirklich Glück: Strahlend erzählt sie von der herzlichen und offenen Art, mit der sie von ihren „Ersatzeltern“ aufgenommen wurde, die sie anfänglich auch ohne Sprachkenntnisse verstanden. „In Italien geht es etwas strenger zu“, weiß die Halenerin. „Da habe ich erst gemerkt, wie locker meine Eltern sind.“ Heimkehr von Feiern vor Mitternacht, ständige Begleitung für Mädchen oder eine Eskorte bei der morgendlichen Joggingrunde sind aber notwendige und hinnehmbare Auflagen, dienen sie doch der Sicherheit. Da der Ort im Dunstkreis von Neapel liegt und dort nicht nur Taschendiebe, sondern auch aggressive Straßenhunde ihr Unwesen treiben, nahm sie diese Vorsichtsmaßnahmen aber gerne an.

Andererseits schwärmt sie noch immer vom „Dolce Vita“ der Italiener: „Dort herrscht viel mehr Lebensfreude als in Deutschland. Hier kommt erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, findet Laura. Außerdem kann man das „Dolce“, also das „Süße“, sehr wörtlich nehmen: „Dort wird richtig geschlemmt“, lacht sie. Während das Frühstück eher übersichtlich ausfällt, langte ihre Gastfamilie zum Mittagessen richtig zu.

Während hierzulande Nudeln ein ganzes Gericht sind, bedeuten sie in Italien nur einen Gang. Den üppigen Pasta-Portionen mit reichlich Pesto folgte stets noch eine Hauptmahlzeit mit Fleisch oder Fisch und zahlreichen Beilagen – alles stets frisch und mit viel Liebe zubereitet. Und zum Abschluss folgten süße Speisen. „Ich habe absichtlich keine Kalorien gezählt.“, lacht Laura Scholz. „Ich habe alles gegessen, was auf den Tisch kam, aber ich weiß, dass ich noch nie so viel gegessen habe wie in Italien“, lacht sie. Im Schul- und freiwilligen Sport purzelten die Kalorien aber wieder ab.

Besonders habe sie eine Hochzeit beeindruckt, bei der mehrere Stunden lang das Buffet mit den deftigsten Leckereien bereitstand und die halbe Feier nur aus Essen bestand. Über die deutschen Sitten, Nudeln mit Ketchup oder gar Zucker zu verspeisen, schüttelten ihre Gasteltern nur entsetzt den Kopf.

Da Piana di Monte Verna zu einem bekannten Mozzarella-Gebiet gehört, gehörte auch der regelmäßige Genuss dieses frischen Büffel-Käses zum Speiseplan. „Wer einmal diesen Käse gegessen hat, mag den deutschen aus der Packung und aus Kuhmilch nicht mehr“, sagt Laura.

Auch der Schulalltag ist in Italien anders geregelt. Eine Schulstunde dauert 60 Minuten, Pausen gibt es bis mittags nicht. Da drei Monate Sommerferien die Norm sind, steht im Schuljahr auch der Samstag zum Büffeln auf dem Plan. Trotzdem fand Laura die Schulzeit dort sehr positiv: Die Klassen seien klein, regelmäßige, fast wöchentliche Tests und mündliche Prüfungen sorgten dafür, dass man regelmäßiger lerne und nicht alles geballt für eine Klausur, meint sie.

Zu ihren Klassenkameraden besteht auch nach ihrer Heimkehr noch ein enger Kontakt. Gemeinsame Partys, bei denen es weniger auf Alkoholkonsum als auf gemeinsames Singen und Essen ankommt, und Klassenfahrten in zahlreiche italienische Städte schweißten die Freunde zusammen. So stehen schon jetzt gegenseitige Besuche auf dem Plan, und so erwies sich Lauras Entscheidung, nach Italien zu gehen, als goldrichtig: Ein kurzer Flug von Hannover nach Neapel, und schon ist sie in wenigen Stunden wieder im Land von „Dolce Vita“.

Zwischen gemeinsamen Essen, dem einfachen Leben, in dem auch schon einmal das fließende Wasser versiegen kann, und einem intensiven Madonnenkult, der zu mehrwöchigen Festen führt, fühlte sich die Halenerin schnell heimisch und lernte zügig die Sprache.

„Man bekommt einen anderen Blickwinkel“, fasst sie ihre Reise zusammen. „Das halbe Jahr, das man fast auf sich alleine gestellt ist, prägt sehr und hat mich menschlich weitergebracht“, ist sie sicher und nippt an ihrem Kaffee, der natürlich streng italienisch zubereitet und minutenlang bis zur „Crema“ geschlagen wurde. Auch solche lebendigen Erinnerungen hat die 17-Jährige mitgenommen und kann sich damit jederzeit zurück nach „Bella Italia“ schlürfen.


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