NRW-Jugend-Landtag simuliert Realpolitik Inessa Dobler aus Wersen blickte hinter NRW-Landtagskulissen

Politikerin ist der Berufswunsch der Wersenerin Inessa Dobler.  Da scheidet das Lotter Rathaus (Hintergrund) als Arbeitsstätte aus. Foto: Ursula HoltgrewePolitikerin ist der Berufswunsch der Wersenerin Inessa Dobler. Da scheidet das Lotter Rathaus (Hintergrund) als Arbeitsstätte aus. Foto: Ursula Holtgrewe

Lotte/Düsseldorf. Drei diskussionsreiche Tage lang steckte die Wersenerin Inessa Dobler mittendrin in der nordrhein-westfälischen Landtagsarbeit. Die Erlebnisse im Jugend-Parlament bestätigten die 17-Jährige, eine politische Laufbahn einzuschlagen – mit welchen Erfahrungen aus dem Düsseldorfer Landtag?

Die Gymnasiastin am Tecklenburger Graf-Adolf-Gymnasium nahm im Jugend-Parlament den Platz des SPD-Abgeordneten Frank Sundermann ein. „Am ersten Tag gab es ziemlich viel Input, denn ich habe viele Leute kennengelernt“, blickt Inessa Dobler zurück auf den mittlerweile zehnten Landtag für Jugendliche zwischen 16 und 20 Jahre – eine Simulation, deren Entscheidungen teils doch Eingang in die Realpolitik finden.

Aktuelle Stunde zur Seenotrettung

Die Jugend-Landtags-Sitzung begann mit einer „Aktuellen Stunde“ zum Thema „Sicherer Hafen NRW“. „Zu dem Thema Rettung von Flüchtlingen aus Seenot auf dem Mittelmeer habe ich eine emotionale Rede gehalten, die ich erst am Abend zuvor habe vorbereiten können“, beschreibt Inessa Dobler ein ihr wichtiges Anliegen. Sie hatte – viel zu kurze, wie sie betont – zweieinhalb Minuten Redezeit, eine Fraktions-Kollegin ebenso viel zu einem anderen Thema. Redebeiträge seien grundsätzlich zeitlich limitiert, erklärt die Nachwuchspolitikerin.

Ihre emotionale Rede zu "NRW als sicherer Hafen" für Mittelmeerflüchtlinge hält Inessa Dobler im Jugend-Parlament im Düsseldorfer Landtag. Screenshot: Larisa Dobler


„Seenotrettung ist wie Erste-Hilfe an Land. Ich meine, dass NRW die Nichtregierungsrettungsinstitutionen unterstützen muss. Ich sehe es so, dass wir die Verpflichtung haben, Menschen zu retten, die übers Mittelmeer flüchten“, betont die Gymnasiastin. Das könne der reale Landtag sehr wohl umsetzen.

199 Angeordnete im Saal

Wie im „normalen“ Geschehen saßen 199 Abgeordnete im Plenarsaal: CDU (72), SPD (69), FDP (28), AfD (16), Grüne (14). Inessa Dobler, die sich regelmäßig den „Fridays-For-Future“-Aktionen anschließt und Mitglied der Grünen ist, fühlte sich auch in der SPD-Jugendfraktion wohl. „Ich meine, die meisten sind dabei gewesen, um grundsätzlich Einblicke in die Politik zu bekommen, auch wenn sie nicht unbedingt in der Fraktion saßen, mit der sympathisieren“, betont sie.

Erste politische Erfahrungen mit 13

In der Jugend-SPD-Fraktion wurde viel diskutiert. „Es ist wichtig, seine eigene Meinung zu vertreten“, weiß die junge Frau, die bereits mit 13 Jahren an einer MUN-Konferenz (Model United Nations) politische Erfahrungen sammelte. Ab August hat sie ein Stipendium für das United World College in Freiburg, an dem sie ein Internationales Abitur ablegen möchte.

„Wir haben in unserer Familie schon immer über viele Themen geredet, auch über Politik“, berichtet Inessas Mutter Larisa Dobler. Das erkläre, weshalb ihre Tochter sich vielseitig interessiere und offen zu ihrer Meinung stehe.

Zwei Anträge zu entscheiden

Im NRW-Jugend-Landtag galt es zudem über zwei Anträge zu entscheiden: „Einführung einer allgemeinen Impfpflicht als Voraussetzung für einen Kita-Platz“ und „ÖPNV attraktiver gestalten“. „In der Fraktion eine Entscheidung zur Impfpflicht zu treffen war nach der Diskussion ganz schön schwierig“, räumt die Wersenerin ein. Die SPD habe sich dagegen entschieden, sei indes überstimmt worden, so dass der Antrag als beschlossen gelte. „Ich meine, man sollte niemandem derartig persönliche Entscheidungen überstülpen“, beschreibt die engagierte Wersenerin ihre Einstellung.

In geänderter Fassung sei im Sitzungsverlauf der ÖPNV-Antrag mit Verbesserungen für die Infrastruktur durchgekommen, berichtet Inessa Dobler. Sie bedauert hingegen, dass nach emotionaler Aussprache über die „Friday-For-Future“-Demonstrationen der Eilantrag „Demonstrationsrecht während der Schulzeit“ nicht mehrheitsfähig war. „Werden Eilanträge verabschiedet, dann werden sie in den eigentlichen Landtag weitergeleitet“, erklärt Inessa Dobler.

Dreitageprogramm in Düsseldorf

Zum umfangreichen Dreitageprogramm in Düsseldorf, wo sie in einer Jugendherberge nächtigte, gehörte weiterhin ihr Arbeitsgruppenreferat mit dem Thema „Nachteile für Jugendliche aus sozial schwachen Familien in Bezug auf Bildung“. Das ist einer der Bereiche, der sie interessiert und bei dem sie als Politikerin Einfluss nehmen würde, ebenso wie beispielsweise bei Themen wie Klima, soziale Ungerechtigkeit und Chancengleichheit.

Ob Inessa Dobler später wirklich in die Politik gehen wird, ist aktuell noch ungewiss. Ihr soziales Engagement wird sie jedenfalls fortsetzen. Vorrangig für die ehrgeizige Gymnasiastin ist es, das Internationale Abi in Freiburg mit Schülern aus aller Welt zu absolvieren.


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