Lernen mit und über Medien Digitalisierung an der Gesamtschule Lotte-Westerkappeln

Unterricht mit Hilfe eines iPads: das digitale Klassenzimmer mit einem Tablet-PC für jeden Schüler soll an der Gesamtschule Lotte-Westerkappeln zumindest für die Oberstufe Pflicht werden. Foto: Britta Pedersen/dpaUnterricht mit Hilfe eines iPads: das digitale Klassenzimmer mit einem Tablet-PC für jeden Schüler soll an der Gesamtschule Lotte-Westerkappeln zumindest für die Oberstufe Pflicht werden. Foto: Britta Pedersen/dpa

Lotte . Wohin die Reise gehen soll, um die Gesamtschule Lotte-Westerkappeln (Gelowe) zukunftsfähig zu machen, verdeutlichte der stellvertretende Schulleiter Stefan Verlemann in seinem Bericht zum Stand der Digitalisierung in der Versammlung des Schulzweckverbandes am Dienstag im Lotter Rathaus.

Erste Herausforderung für die gemeinsame Umsetzung des Medienentwicklungsplans an beiden Standorten ist die Angleichung der Basisinfrastruktur im Bereich der Informationtechnologie (IT). Aktueller Stand ist: Es gibt Deckenbeamer in allen Klassenräumen, Desktop-PCs und Lehrer-Arbeitsplatz-PCs, zum Teil auch Tablets und Apple-TV, drei Notebookwagen, zwei iPad-Koffer mit je 16 iPads und zwei Informatikräume, wobei der am Standort Wersen "ein bisschen alt" sei. Hier müsse man überlegen, ob man statt in die Erneuerung nicht besser in mobile Digitalarbeitsplätze investiere, so Verlemann.

Westerkappeln wartet auf Glasfaser

In Wersen gebe es WLAN im gesamten Gebäude, Glasfaseranschluss und Kabelanschluss, in Westerkappeln immer noch nur einen DSL-Anschluss und WLAN nur für mobile Endgeräte über Access Points. "Das ist der Flaschenhals im Moment", bedauerte der stellvertretende Schulleiter. Westerkappelns Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer wies darauf hin, dass der Glasfaseranschluss für die Schule erst nächstes Jahr im Zusammenhang mit der Glasfaseranbindung des Außenbereichs möglich sei, wolle man nicht auf Förderung für die Schule verzichten.

KAAW-Beitritt beschlossen

Eine einheitliche Software und die notwendige Vernetzung von Organisation und Schulverwaltung, so unterstrich Verlemann, sei erst möglich, wenn beide Standorte den gleichen IT-Infrastruktur-Standard haben. Bei der Beratung, Beschaffung und Koordination sowohl der Hard- als auch der Software sei der Zweckverband Kommunale ADV-Anwendergemeinschaft (KAAW) der geeignete Begleiter, denn, so räumte er ein, "wir haben keinen technischen Sachverstand". Den Beitritt zur KAAW, der die Gemeinden Lotte und Westerkappeln bereits angehören, hatte der Schulzweckverband als Träger der Gesamtschule für 2020 zuvor übrigens einstimmig beschlossen. Den Support für die Schul-IT übernehmen externe Berater, nicht die KAAW selbst.

Vernetzung beider Standorte

Beide Standorte sollen so schnell wie möglich vernetzt werden. Zum kommenden Jahr soll laut Verlemann ein digitales Klassenbuch die derzeit noch 140 Kursbücher ersetzen. Ein eigener Server für die Schul-Cloud werde nächste Woche installiert; über Messenger nutzbare Funktionen wie pädagogische Plattform, gemeinsamer Kalender, Dateiverwaltung, E-Mail, Hausaufgabenverteilung und Klausurplanung sollen künftig standortunabhängiges Arbeiten ermöglichen.

Flexibles Lernen

Die IT sei kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Lernen mit und über Medien, betonte der Pädagoge.Sie ermögliche die nötige Differenzierung und Individualisierung, sodass jeder Schüler künftig in seinem eigenen Tempo arbeite könne: "In Zukunft werden wir digitale Schulbücher einsetzen." Die Schüler könnten dann direkt in Word schreiben und Texte bearbeiten statt wie bisher mit Unterstreichungen. Auch Filme, wie er sie bereits jetzt im Sportunterricht zur Demonstration der Bewegungsausführung nutze, audiovisuelle Selbstlernprogramme und Übersetzungssoftware sowie der Umgang mit Medien und Datenschutz gehörten zur Unterrichtszukunft.

Digitale Oberstufe

Digitales Arbeiten mit mobilen Endgeräten statt Desktop-PCs soll nach seinen Worten zumindest für die Oberstufe verpflichtend werden. "Wir wollen, dass dort von Anfang an digital gearbeitet wird. Alle Schüler sollen ein iPad benutzen", erklärte Verlemann. Die Akzeptanz für digitale Endgeräte sei bei Schülern und Eltern "sehr hoch". Das iPad als mobiler Tablet-PC sei besonders geeignet, weil es einfach und "intuitiv nutzbar" sei. "Jetzt müssen wir die Bedarfe abgleichen", unterstrich der stellvertretende Schulleiter.

Unterschiedliche Finanzierungsmodelle

Auf entsprechende Fragen aus der Verbandsversammlung räumte Verlemann ein, dass die Schulbuchverlage derzeit erst im Umbruch seien und noch Lizenzmodelle anbieten, die nur eine PDF-Datei zusammen mit dem analogen Schulbuch beinhalten. Auch für die Finanzierung digitaler Endgeräte, sollten diese für alle Oberstufenschüler verpflichtend eingeführt werden, gebe es unterschiedliche Modelle, etwa über Leasing. "Das ist ja auch eine Kostenfrage. Was ist mit Schülern aus prekären Verhältnissen?", gab etwa Lottes CDU-Ratsherr Friedhelm Lange zu bedenken. 

Erneuerungszyklen

Bei den Erneuerungszyklen für die Geräte gehe er bei der Basisinfrastruktur für die Sekundarstufe 1 von vier bis fünf Jahren und bei den Schülergeräten von zwei bis drei Jahren aus, erklärte Verlemann und betonte: "Wir sind eine neue Schule und haben die Chance, mit der digitalen Oberstufe ganz vorne zu sein." Im Vergleich mit anderen Schulen könne man schon jetzt "mindestens Schritt halten". Man sei gut ausgestattet, aber etwa bei der Beamer-Steuerung über iPad noch nicht auf der Höhe der Zeit: "Da  muss was passieren!"


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