Schon jetzt mehr Fälle als 2018 Eichenprozessionsspinner in Lotte weiter auf dem Vormarsch

Mit gelbrotem Klebeband und Warnaufdruck haben Mitarbeiter des Lotter Servicebetriebs die bis jetzt bekannten Befallsstandorte nicht nur wie hier direkt vor dem Haus Hehwerth markiert. Foto: Angelika HitzkeMit gelbrotem Klebeband und Warnaufdruck haben Mitarbeiter des Lotter Servicebetriebs die bis jetzt bekannten Befallsstandorte nicht nur wie hier direkt vor dem Haus Hehwerth markiert. Foto: Angelika Hitzke

Lotte. Vorsicht ist angebracht, aber zur Panik besteht kein Anlass: "Das Schützenfest kann stattfinden", beruhigt Mathias Therling von der Osterberger Fachfirma Blattwerk alle, die am Pfingstwochenende das Festgelände am Haus Hehwerth besuchen wollen. Am Donnerstag hat er zusammen mit seinem Mitarbeiter Mathias Braun die Raupen und Nester des Eichenprozessionsspinners an den Bäumen rund um Lottes gute Stube entfernt.

Die Raupen des ausschließlich Eichen befallenden Schmetterlings haben laut Therling wegen des kühlen Frühjahrs sechs bis acht Wochen später als vergangenes Jahr das dritte Entwicklungsstadium erreicht. Erst in  diesem Stadium werden die giftigen Brennhaare zur Gefahr für Menschen, die mit ihnen in Berührung kommen: Sie können heftige Allergien, Hautausschläge, Bindehautentzündung, Atemnot und Asthma auslösen.

Bestand explodiert

Überwogen vergangene Woche noch Fehlalarme, haben sich die Meldungen über tatsächliche Vorkommen jetzt gehäuft, berichtet Lottes Umweltbeauftragte Ursula Wilm-Chemnitz, die  in den vergangenen Tagen wie die Mitarbeiter des Servicebetriebs und einige Kollegen aus der Gemeindeverwaltung praktisch im Dauereinsatz war, um gemeldete Sichtungen zu überprüfen und die befallenen Bäume mit gelbrotem Klebeband zu markieren: "Nach dem warmen Wochenende ist das förmlich explodiert", sagt sie. Aktuell seien Nester auf Gemeindegrund an 23 Stellen bekannt und die Bekämpfung in die Wege geleitet worden. Darunter, so bestätigt Mathias Therling, sind auch Bäume an der Awo-Kita in Halen und am evangelischen Kindergarten Wersen. 

Über der Ecke der Hebebühnenkorbs ist hier das Raupennest des Eichenprozessionsspinner zu sehen. Foto: Angelika Hitzke


Drittes Stadium erst am Anfang

An Letzterem habe er schon dreimal Giftraupen beziehungsweise deren Gespinstnester entfernt. Das liege daran, dass die Raupen je nach Sonneneinstrahlung und Temperatur zum Teil gerade erst anfangen, aus kleinen, weit oben und daher noch nicht augenfälligen Nestern den Stamm entlang zu größeren Astgabeln zu wandern, um sich dort zum großen Nest zusammenzuballen und einzuspinnen. Deshalb erwische man beim ersten Mal manchmal nicht alle Exemplare und müsse noch einmal nacharbeiten.

"Auf dem Campingplatz in Ladbergen direkt am See, wo den ganzen Tag die Sonne drauf knallt, waren die schon fünf Tage weiter", berichtet der Experte, der dort am Mittwoch im Einsatz war. Die nächsten drei Wochen seien er und sein Mitarbeiter schon  ausgebucht, denn sie sind auch zum Beispiel dort und in Tecklenburg mit der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners (EPS) vollauf beschäftigt. Donnerstags und freitags arbeiten sie die Prioritätenliste der Gemeinde Lotte ab.

Experte Mathias Braun entfernt das Giftraupennest, das anschließend fachgerecht entsorgt wird. Foto: Angelika Hitzke


Kitas und Schulen zuerst

Auf der stehen laut Wilm-Chemnitz an oberster Stelle natürlich Kindergärten und Schulen, gefolgt von "öffentlichen Räumen, wo viel los ist". Erst danach kommen befallene Eichen auf kommunalem Grund in Wohnsiedlungen an die Reihe. Im Außenbereich würden Raupen und Nester nur dort entfernt, wo die Eichen direkt am Radweg oder an einer Bushaltestelle stehen: "Entscheidend ist die Aufenthaltswahrscheinlichkeit von Personen, insbesondere Kindern", erklärt Wilm-Chemnitz.

In der freien Landschaft und am Waldrand müsse jeder Spaziergänger, Jogger oder Radfahrer selbst darauf achten, dass er nicht mit den Giftraupen in Berührung kommt: "Das gehört zu den waldtypischen Gefahren", so die Lotter Umweltbeauftragte. Und in Privatgärten sind die Grundstückseigentümer für eine eventuell nötige fachgerechte Beseitigung verantwortlich.

Bürger aufmerksamer 

Innerorts jedenfalls stehen schon jetzt mehr Stellen auf der Liste als im vorigen Jahr. Wegen der verzögerten Entwicklung der Raupen, von denen nicht alle bei der ersten Sichtung der aus dem Vorjahr bekannten Standorte entdeckt würden, gebe es noch viele kleine Nester weit oben. "Ich erwarte, dass noch mehr reinkommt", sagt Wilm-Chemnitz zu den bisherigen Meldungen. Die seien nicht nur von Bürgern gekommen, die dieses Jahr deutlich aufmerksamer dafür seien, sondern auch von den Experten, die bereits vor Wochen alle 2018 befallenen Eichen kontrolliert  und auf absehbare neue Populationsentwicklungen hingewiesen haben, und von Gemeindemitarbeitern, die am Mittwoch diese Bäume verstärkt kontrollierten.

90 Prozent an der Bahnhofstraße

An der Bahnhofstraße in Alt-Lotte haben die Mitarbeiter des Servicebetriebs vom Ortseingang bis zum Haus Hehwerth fast jede Eiche mit dem warnenden Klebeband markiert. Mathias Therling bestätigt auf Nachfrage, dass hier 90 Prozent der Eichen befallen sind. Das betrifft auch die Eichen rund ums Haus Hehwerth, die aber bis zum Schützenfest "sauber" sein sollen. An einem der Stämme wuselte die Giftraupenprozession am Donnerstag sogar in Augenhöhe über und unter dem Markierungsband am Stamm.

An dieser Eiche am Haus Hehwerth wuselten die Raupen am Donnerstag in Augenhöhe über und unter dem Klebeband. Foto: Angelika Hitzke


"Wir tun alles, um die Räume so schnell wie möglich zu sichern und die Raupen zu bekämpfen", betont Ursula Wilm-Chemnitz. und seufzt: "Ich hoffe, dass das jetzt der große Schwung war und nicht allzu viel nachkommt!"


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