Giftraupenbekämpung in Lotte Eichenpozessionsspinner: Erste Meldungen Fehlalarm

Eine Raupe des Eichenprozessionsspinners. Die langen Brennhaare enthalten ein Nesselgift, das bei Kontakt oder beim Einatmen der Härchen zu Hautausschlägen beziehungsweise Atemnot, Asthma und/oder allergischen Reaktionen führen kann. Foto: Patrick Pleul/dpaEine Raupe des Eichenprozessionsspinners. Die langen Brennhaare enthalten ein Nesselgift, das bei Kontakt oder beim Einatmen der Härchen zu Hautausschlägen beziehungsweise Atemnot, Asthma und/oder allergischen Reaktionen führen kann. Foto: Patrick Pleul/dpa
Patrick Pleul

Lotte. Nach dem milden Winter ist auch in diesem Jahr in Lotte mit einem Raupenbefall durch den Eichenprozessionsspinner – kurz EPS genannt - auf dem Gemeindegebiet zu rechnen. Die Gemeinde ist darauf vorbereitet; erste Meldungen erwiesen sich jedoch als Fehlalarm, wie Lottes Umweltbeauftragte Ursula Wilm-Chemnitz auf Nachfrage mitteilte.

"Die Leute sind sensibler geworden und melden jede Raupe, die ihnen nicht bekannt ist", berichtet sie. Gerade eben sei sie von der Begutachtung eines gemeldeten Raupenbefalls wieder ins Rathaus zurück gekommen. In diesem Fall habe es sich um die Raupen der Gespinstmotte auf einem Pfaffenhütchen gehandelt. 

Nicht jede Raupe an Eichen ist gefährlich

Aber auch an Eichen sei nicht jede Raupe gefährlich: "Es gibt bis zu 300 Falterarten, deren Raupen auch an Eichen zu finden, aber für den Menschen völlig ungefährlich sind", verdeutlicht sie, dass kein Grund zur Panik besteht. Zusammen mit dem schon im vergangenen Jahr für die Gemeinde tätigen Osterberger Baumpfleger Mathias Therling würden in der ersten Juniwoche die Eichen auf öffentlichem Grund, insbesondere die in der Nähe von Kindergärten, Schulen und öffentlichen Parks, inspiziert und eventuelle Nester des Eichenprozessionsspinners (EPS) entfernt.

"In Lotte war der Befall im Sommer 2018 mit ca. 30 Fundstellen vergleichsweise moderat. Wie auch im vergangenen Jahr wird auch 2019 eine Fachfirma Raupen und Nester auf öffentlichen Flächen professionell beseitigen. Die Bekämpfung erfolgt mittels Einsprühen und Absammeln der Nester, auf den Einsatz von Insektiziden wird verzichtet", schreibt die Gemeinde dazu auf ihrer Homepage.

Nicht jede Raupe in einem Gespinstnest ist eine EPS-Raupe. Die Landwirtschaftskammer NRW weist drauf hin, dass gebietsweise ein starkes Auftreten von Gespinstmottenraupen an unterschiedlichen Gehölzen beobachtet werde. Dies führe teilweise zu besorgten Anrufen von Bürgern, die diese mit den Raupen des Eichenprozessionsspinners verwechseln. 

Die ungiftigen Raupen der Gespinstmotte Raupen der Gespinstmotte überziehen Sträucher wie das Pfaffenhütchen mit silberfarbenen Hüllen. Foto: Andreas Gora

"Die Raupen der Gespinstmotten sind hellgrau und tragen je nach Art unterschiedlich viele Reihen schwarzer Punkte. Sie haben keine Haare. Die Raupen leben sehr gesellig in hellen, schleierartigen Gespinsten, die mit der Zeit ganze Büsche oder Bäume überziehen können. Sie kommen an vielen verschiedenen Gehölzen vor", klärt die Landwirtschaftskammer auf und betont: "Im Gegensatz dazu tritt der Eichenprozessionsspinner nur an Eichen auf!"

Raupenprozession auf dem Weg zum Blattwerk der Eiche: So kam der Eichenprozessionsspinner zu seinem Namen. Foto: Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft.


Da das Frühjahr bisher kühl war, rechnet man in Lotte witterungsbedingt erst ab der kommenden Woche, für die steigende Temperaturen prognostiziert werden, mit einem sichtbaren Auftreten der Giftraupen. Diese sind daran zu erkennen, dass sie eben nur an Eichen auftreten, lange Brennhaare haben und wie in einer Prozession den Stamm hinauf oder hinab wandern. Daher der Name "Eichenprozessionsspinner".  Ab Mitte Juni kuscheln sie  sich ab Juni zu gut sichtbaren „Nestern“ am Baum oder an Astgabelungen zusammen.

Keine schweren Fälle allergischer Reaktionen bekannt

Problematisch sind die Brennhaare dieser Raupen, weil sie ein Nesselgift enthalten. Der direkte Kontakt mit den Brennhaaren löst bei Mensch und Tier Hautausschlag sowie Brennen und Juckreiz aus. Seltener kommt es auch zu schweren Reaktionen wie Atemwegsreizungen, Bindehautentzündungen und Fieber. "In der Gemeinde Lotte wie auch im gesamten Kreisgebiet sind allerdings in den letzten Jahren keine Fälle von schweren allergischen Reaktionen bekannt geworden", teilt die Verwaltung mit.

Es besteht nach wie vor keine Meldepflicht. Die Gemeinde Lotte bittet jedoch darum, mit Raupen befallene Eichen zu melden, damit der Eichenprozessionsspinner auch in Zukunft erfolgreich effektiv bekämpft werden kann. Dafür kann das Online-Formular des Kreises Steinfurt (survey123.arcgis.com/share/ca89defaafb340c0b5293ae6062fa204) verwendet werden.  Der Fundort lässt sich dort direkt auf einer Karte eintragen. Es können auch Kontaktdaten hinterlegt und weitere Informationen zum Fundort hinzugefügt werden wie beispielsweise Höhe und Anzahl der Nester. 

Meldungen über gesichtete Raupennester auf dem Gemeindegebiet können auch telefonisch oder per Email direkt an die Lotter Umweltbeauftragte unter Telefon(05404 889- 53 oder per E-Mail an wilm-chemnitz@)lotte.de oder an das Ordnungsamt (Telefon 05404 889 -16 bzw. ordnungsamt@lotte.de) weitergegeben werden. 


Konzertierte Aktion: In enger Abstimmung mit Lottes Umweltbeauftragter Ursula Wilm-Chemnitz arbeiten Mathias Therling (rechts) und sein Mitarbeiter Mathias Braun die Liste mit den gemeldeten Raupennestern ab. Foto: Angelika Hitzke


  

Für die Entfernung von Nestern auf privaten Grundstücken ist der Eigentümer zuständig. Eigentümer, die Raupen des EPS an ihren Bäumen feststellen, können sich ebenfalls an die Gemeinde wenden, um die Raupen im Rahmen der „kooperativen Bekämpfung“ beseitigen zu lassen. Dabei wird der Fundort auf die aktuelle Arbeitsliste der Fachfirma gesetzt und im Zuge der gemeindeweiten Bekämpfung mit abgearbeitet. Die Kosten für den jeweiligen Einsatz werden von der Fachfirma jedoch direkt dem Grundstückseigentümer in Rechnung gestellt. 

"Dieses Vorgehen erspart in der Regel Wartezeiten und längere Anfahrtskosten und sorgt für eine zügige Beseitigung der Nester im Gemeindegebiet. Es ist dem Eigentümer selbstverständlich freigestellt, welche Fachfirma er zur Beseitigung der Nester heranzieht. Von der eigenhändigen Beseitigung der Nester ohne Sachkenntnis und Schutzausrüstung ist jedoch abzuraten", so die Gemeindeverwaltung.  


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