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Wieder Fischotter in der Düte Neue Entwicklungen der Wildtierpopulation in und um Lotte

Ein Fischotter (Lutra lutra) frisst in seinem Gehege im Wildtierpark Wisentgehege Springe einen Fisch. Die Wassermarder oder  zumindest ihre Spuren und Hinterlassenschaften wurden auch an der Düte in Wersen und Halen schon wieder gesichtet. Foto: Christophe Gateau/dpaEin Fischotter (Lutra lutra) frisst in seinem Gehege im Wildtierpark Wisentgehege Springe einen Fisch. Die Wassermarder oder zumindest ihre Spuren und Hinterlassenschaften wurden auch an der Düte in Wersen und Halen schon wieder gesichtet. Foto: Christophe Gateau/dpa

Lotte. Flüsse und Bäche scheinen wieder sauberer geworden zusein. Wo noch vor Jahrzehnten eine Kloake zum Himmel stank – wie etwa die Hase in der Innenstadt von Osnabrück – könne man heute wieder baden. Und mit den Fischen erobert sich der Otter diesen Lebensraum zurück: Der Wassermarder ist Spuren zufolge auch in der Düte in Wersen und Halen schon wieder anzutreffen. Andere Wildtierarten breiten sich sogar derart aus, dass über ihre Bejagung nachgedacht wird.

Ursula Wilm-Chemnitz, Umweltbeauftragte der Gemeinde Lotte, bestätigt, dass Kotspuren des Fischotters an der Düte gefunden wurden. Eine Kollegin aus der Verwaltung habe ein Exemplar des Tieres am der Mündung des Flusses in die Hase sogar gesehen und versucht, zu fotografieren – allerdings nur aus der Entfernung, sodass nicht eindeutig zu erkennen war, ob es sich tatsächlich um einen Otter handelte. "Es gab noch keine hundertprozentig eindeutige Sichtung", so Wilm-Chemnitz.

Unstrittig ist hingegen, dass Halen in Norden des Gemeindegebietes Wolfsstreifgebiet ist – und das bereits seit fünf Jahren, wie der Halener Jäger und Landwirt Hartmut Meyer anhand von Spuren festgestellt hat.  Das bedeutet, dass gelegentlich auch hier so ein Räuber auf der Durchreise ist. Ein sesshaftes Tier oder gar Rudel gibt es hier in der Gegend aber (noch) nicht.

Waschbär verbreitet sich rasant

Zum Problem werden laut Wilm-Chemnitz invasive Arten wie Nutrias (Sumpfbiber) und Waschbären. Letzterer hatte sich zunächst in Niedersachsen so rasant ausgebreitet, dass im vergangenen Jahr nach Angaben der Landesjägerschaft landesweit 15 812 Tiere erlegt wurden – mehr als je zuvor. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 wurden niedersachsenweit rund 2400 Waschbären geschossen. Der ursprünglich aus Nordamerika stammende Allesfresser wurde zur Pelzzucht nach Deutschland gebracht und erstmals im Jahr 1934 in Hessen ausgewildert. Seither verbreitet er sich und hat längst auch die Grenzen nach NRW überschritten.

So gehörten bereits im Jagdjahr 2016/17 in Westerkappeln zwei Waschbären zur Strecke. Hinzu kamen laut offizieller Jagdbilanz fünf Nutrias und 18 Bisams in Westerkappeln sowie drei Nutrias und ein Bisam in Lotte. Das sind aber nur die von Jägern erlegten Tiere.

Die Nutria (rechts) erinnert von der Größe an den Biber, gehört aber zu den Meerschweinchen. Der Bisam ist die größte einheimische Wühlmaus.Foto; Conny Rutsch


Prämien für Bisamfänger 

Hinzu kommen beim Bisam, einer ursprünglich ebenfalls aus Nordamerika stammenden Wühlmausart, die im Auftrag des Unterhaltungsverbandes Düte von einem nebenberuflichen Bisamfänger mittels größerer Mausefallen beseitigten Tiere. Darin fanden nach Mitteilung von Wilm-Chemnitz im Jahr 2015 138 Bisams den Tod; im Jahr 2016 waren es 157 Tiere, im Jahr darauf 165 und vergangenes Jahr 113. Wohlgemerkt: Damit ist nicht die Population erfasst, sondern nur die Zahl der getöteten und abgerechneten Tiere, für deren Bekämpfung es einen Zuschuss vom Kreis Steinfurt gibt.

Bisamhöhlen in einer Uferböschung. Ebenso wie Nutrias durchlöchern die Wühlmäuse das ufernahe Erdreich und machen es instabil. Foro: WSA Meppen


Denn die Bisams unterhöhlen wie Nutrias auch die Böschungen und machen zum Beispiel Räum- und Pflegearbeiten gefährlich, weil die durchlöcherten Uferbereiche einbrechen. Das gilt auch für die größeren, eigentlich in Südamerika beheimateten Nutrias, die ausgewachsen acht bis zehn Kilo schwer werden können. Auch diese Nagetiere sind zur Plage geworden, die den kleineren heimischen Biber verdrängt.

Uferböschung durchlöchert 

In der Grünanlage hinter dem Rathausplatz in Wersen, so berichtet Lottes Umweltbeauftragte haben sie schon überall Höhlen die Uferböschung der Düte gegraben. Da sie  wegen ihrer Größe und der Gefahr für andere (Haus-)Tiere und aus Tierschutzgründen nicht mit Totschlagfallen bekämpft werden dürften, werde zurzeit  der Abschuss durch die Jäger diskutiert.

Fischotter kommt wieder 

Diplom-Biologin Anja Roy, die freiberuflich als Wildtierbiologin für den Kreis Steinfurt vor allem an Gewässern dem Fischotter auf der Spur ist,  zugleich aber auch als ehrenamtliche Wolfsberaterin für Teile des Kreises Steinfurt die  Spuren von Isegrimm sichert, bestätigt: "Der Fischotter breitet sich europaweit wieder aus." Sie führt das auf eine komplexes Bündel von Ursachen zurück, dessen wesentlichste Komponenten der Rückgang der PCB-Belastung in den Gewässern und der Wegfall des Jagddrucks seien. Die Gewässer seien aber nicht unbedingt sauberer geworden, meint Anja Roy: "Die Nährstoffüberlastung ist teilweise immer noch extrem".  Und in der Losung, also im Kot der Otter, finde sich auch Mikroplastik.

Waschbären sehen zwar niedlich aus, können aber zu Plage werden. Sie breiten sich immer weiter aus. Foto: Patrick Pleul


Waschbär schon eine Plage

Bis in die 60-er Jahre sei der Fischotter als Nahrungskonkurrent insbesondere in Gebieten mit Teichwirtschaft durch Bejagung nahezu ausgerottet worden. Der Wassermarder, so die Biologin, fresse übrigens nicht nur Fische, sondern "alles, was ihm vor die Nase kommt: Muscheln, Krebse, Frösche, Insekten, kleine Vögel und junge Bisams". Seine Fußspuren könnten von Laien leicht mit denen des Waschbären verwechselt werden, lediglich seine Losung sei unverwechselbar. Der Waschbär, so Roy, sei mittlerweile "omnipräsent" und teilweise schon eine Plage.

Otter wandert 20 Kilometer

Sie selbst habe im vergangenen Herbst am Zusammenfluss von Düte und Hase sowie im Berech der Autobahnbrücken-Baustelle eindeutige Hinterlassenschaften des Fischotters gefunden. Auch nach einer angeblichen Sichtung im Februar dieses Jahres war die Wildtierbiologin an der Düte unterwegs, hat aber nach ihren Worten da keine Spuren gefunden. Überdies müsse man wissen, dass ein einzelner Fischotter einen Lebensraum von mindestens 20 Kilometern durchstreife. "Eine Beobachtung der Bestandsausbreitung heißt nicht, dass er resident ist", sagt sie.

So sei im Norden der Kreises Steinfurt 2016/17 ein Fischottermonitoring durchgeführt worden. Jetzt, zwei Jahre später, habe man bei einer erneuten Zählung festgestellt, dass der Bestand dort wieder zusammengebrochen sei, was möglicherweise auch mit zwei trockenen Sommern in Folge zusammenhänge. "Viele Gewässer waren nur noch Gummistiefel tief. Fischotter suchen sich den Raum, der zu ihnen passt!"

Lebendfallen zur Bekämpfung von Nutrias würden für die etwa gleich großen Fischotter zur Gefahr, weil diese oftmals "nicht vernünftig verblendet sind". Ein Fischotter, der in eine solche nicht ausreichend abgedunkelte Falle geht, "bringt sich darin halb um".

Ein Wolf steht in einem Freigehege eines Tierparkes zwischen Bäumen in der Sonne. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa


Wolfssichtungen melden

Zum Thema Wolf erklärt die Diplom-Biologin, dass es sich im Kreis Steinfurt bisher nur um einzelne, durchziehende Tiere handele. Damit Nutztierhalter Entschädigungen und Zuschüsse für Zäune und Ähnliches bekommen, müsse das Gebiet als Wolfsgebiet ausgewiesen sein. Das sei erst der Fall, wenn mindestens ein Wolf oder ein Rudel nachweislich sesshaft seien. Über Gerüchte gehe das nicht: "Man ist darauf angewiesen, dass die Leute Beobachtungen melden", betont die ehrenamtliche Wolfsberaterin, die diese Bezeichnung für irreführend hält: "Wir sind nur dafür da, die Spuren zu sichern", erklärt sie.




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