VFL Sportfreunde Lotte e.V. von 1929 Zwischen Profifußball und der Suche nach dem Besonderen

Wavesy ist eine Kampfsportart, die auf Selbstverteidigung setzt. Die Sportfreunde Lotte sind im weiteren Umkreis die einzigen, die diese unkonventionelle Sportart anbieten. Foto: Friedrich SchönhoffWavesy ist eine Kampfsportart, die auf Selbstverteidigung setzt. Die Sportfreunde Lotte sind im weiteren Umkreis die einzigen, die diese unkonventionelle Sportart anbieten. Foto: Friedrich Schönhoff

Lotte. Mitglied eines Sportvereins mit dem Aushängeschild Profifußball zu sein, ist für Heinz Budke, „Fluch und Segen“ gleichermaßen.

Das Vorstandsmitglied für den Breitensport der Sportfreunde Lotte, sieht zum einen die Vorteile der Geschäftsstelle, die den ehrenamtlichen Mitarbeitern Arbeit abnehmen kann. Auch, dass der Verein als Wirtschaftsunternehmen, Ausbildungsplätze beispielsweise zum Sport- und Fitnesskaufmann oder als Kaufmann in der Büro- und Marketingkommunikation anbietet sieht Budke als Vorteil. Außerdem können die Sportfreunde aufgrund ihrer Erfahrung Großveranstaltungen wie den jährlichen Weltkindertag leichter stemmen als andere.

Auf der anderen Seite habe der Fußball eine gewisse Dominanz, zum Beispiel bei der Belegung der Sportstätten. 

Reaktivierung des Breitensports

Trotzdem nimmt der Breitensport an Bedeutung zu. Durch den frühen Tod von Claudia Söll, die bis 2014 für den Breitensport verantwortlich zeichnete, schrumpfte diese Abteilung zunächst. Bis eben Budke und die Diplom Sportlehrerin Iris Unland 2015 begannen, den Breitensport im Verein zu reaktivieren. Auf der Suche nach dem Besonderen wurde seitdem ein Profil entwickelt, das auf Vielseitigkeit, Zuverlässigkeit und Kooperation beruht.

So kam es auch zur Wiederbelebung einer in diesen Gefilden weitgehend unbekannten Sportart mit dem Namen Wavesy. Regelmäßig am Samstag lädt Übungsleiter Marcel Böltken vormittags zunächst die Kinder und im Anschluss die Jugendlichen zu einer Übungseinheit ein.

"Wavesy" ein weitgehend unbekannter Sport

Wavesy, so Böltken, sei eine auf Selbstverteidigung ausgerichtete Kampfsportart, die aber vor allem die Persönlichkeit des Sportlers bilde. Darin sehe er auch einen pädagogischen Auftrag.

Nach dem Ritual der Begrüßung geht beim Wavesy die Post ab. Schon nach zehn Minuten, in denen jeder versuchen muss, einen Partner einzufangen, der dann Liegestütze, Situps oder Kniebeugen absolviert, sind alle schweißgebadet. Dann beginnen die für die Sportart spezifischen Übungen. Gezielt werden Koordination, Reaktionsschnelligkeit und Abwehrtechniken so lange geübt, bis sie zu Automatismen werden.

„Das Besondere an Wavesy ist die Vielfalt der anwendbaren Techniken,“ erklärt Übungsleiter Böltken. „Jeder kann neue Ideen einbringen, die wir auf ihre Tauglichkeit hin ausprobieren und dann unter Umständen ins Repertoire übernehmen.“

Etwa 20 aktive Mitglieder umfasst diese Sportabteilung, die weit und breit einzigartig ist.

„Die meisten von uns wurden als Kinder von ihren Eltern angemeldet, die wollten, dass sich ihr Kind im Ernstfall verteidigen kann.“Jacob Behrmann (18)


Die sechzehnjährige Marie Kneilmann ergänzt, dass diese Verteidigung aber meistens gar nicht notwendig sei, da man zum einen auch lernen würde, angespannte Situationen zu deeskalieren und zum anderen durch diesen Sport ein ganz anderes Selbstbewusstsein bekäme. Das bestätigte auch der gleichaltrige Tristan Middeldorf, der selbst erlebt habe, wie man die Angst vor Bedrohungen verliere.

Alle drei betreiben diesen Sport seit über zehn Jahren und haben sich mittlerweile zum Übungsleiter ausbilden lassen. Etwas, auf das Abteilungsleiter Heinz Budke sehr stolz ist. Seit er und Iris Unland die Abteilung Breitensport leiten, ist die Anzahl der Übungsleiter auf 34 angestiegen. Allein im letzten Jahr absolvierten zwölf Vereinsmitglieder die Lizenzierung erfolgreich. Für sie wurden über die Schulungen beim Kreis- und Landessportbund hinaus ein vereinseigener Einarbeitungsplan entwickelt, mit dessen Hilfe jeder Übungsleiter alle Abteilungen der Sportfreunde kennenlernt und damit auch Werbeträger für den Verein wird.

Zusammenhalt im Sportverein

„Jede Sportgruppe hat ihr Eigenleben, und die Sportler erleben den Verein vor allem in ihrer Abteilung,“ erzählte Heinz Budke,

Das bestätigten auch die Sportler beim Wavesy. Dort habe man Freundschaften geschlossen und unternehme etwas zusammen. Man treffe sich aber auch auf der jährlichen Party für alle ehrenamtlichen Helfer, an der jedes Jahr über hundert Personen teilnehmen oder sei aktiv am Weltkindertag, den in Lotte hauptverantwortlich die Sportfreunde organisieren.

„Trotzdem hängt die ehrenamtliche Arbeit im Verein an wenigen,“ berichtete Budke. Obwohl es nicht an Ideen mangele, um den Verein erlebbar für alle zu machen.

So soll zum 90 jährige Jubiläum der Sportfreunde am 05. Julim eine Sportnacht durchgeführt werden, in der sich bis Mitternacht verschiedene Sportarten präsentieren, ehe ein Grillfest bis in die Morgenstunden alle interessierten einlädt, den Verein, der viel mehr ist als Profifußball, kennenzulernen.

Zur Sache

Informationen über die Sportfreunde Lotte
Name: VFL Sportfreunde Lotte e.V. von 1929
Gründungsjahr: 1929
Vereinsfarben: blau-weiß
Mitgliederzahl: ca. 1300
Mitgliedsbeitrag monatlich: 11 Euro Erwachsene, 5 Euro Jugendliche/Studenten, 18 Euro Familien, 5 Euro Sonderbeiträge für Reha-Sport und Schwimmen
Kontakt: Sportfreunde Lotte, Jahnstraße 8, 49504 Lotte; Telefon: 05404 956710; E-Mail: info@sf-lotte.de; Homepage: www.sf-lotte.de
Sportarten*: Fußball, Gymnastik und Gesundheitssport, Lauftreff und geführte Radtouren, Fatburner Body Step, Tanz mit – bleib fit, Frauenpower, Funktionales Ganzkörpertraining, Fittness ABC & BBP, Reha-Sport, Schwimmen, Leichtathletik, Cheerleader, Breakdance, Selbstverteidigung, Kinderaktivitäten
*Einige Sportarten finden in Kooperation mit anderen Sportvereinen statt. Die Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.



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